Braunbuch

Gestapo, SS und SD in Staat und Wirtschaft

Amtschefs Himmlers und seine Sonderbevollmächtigten

Nach einer Schätzung des ehemaligen stellvertretenden Hauptanklägers der USA im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozeß, Dr. Robert Kempner, leben heute noch rund 10000 SS- und Naziverbrecher unbehelligt in Westdeutschland.

Der Bonner Staat zwingt die westdeutsche Bevölkerung, selbst mit den berufsmäßigen Henkern des Reichssicherheitshauptamtes unter einem Dach zu leben.

Die nachfolgenden Beispiele stehen für viele.

Best, Werner

MORDETE DÄNISCHE PATRIOTEN

heute:
Leitende Tätigkeit als Wirtschaftsjurist beim Hugo-Stinnes-Konzern (Mülheim/Ruhr) und Gutachter beim westdeutschen Auswärtigen Amt.

Dr. Werner Best trat bereits am 1. November 1930 in die NSDAP ein (Nr. 341338). Im Jahre 1931 verfaßte er das berüchtigte „Boxheimer Dokument“. Diese von den faschistischen Führern auf dem Boxheimer Hof (Hessen) verfaßte „Regierungsproklamation“ nahm den Mordterror der Jahre 1933 bis 1945 bereits vorweg. Sie sah vor, daß alle Antifaschisten, die eine Nazi-Regierung ablehnten, mit dem Tode bestraft werden sollten.

Die Autorenschaft an diesem Dokument war natürlich die beste Empfehlung für die Verbrecherlaufbahn, die Best 1934 mit seinem Eintritt in den SD des „Reichsführer SS“ fortsetzte. Man schätzte Best dort als „Polizeirechtler“, der einen großen Teil der juristischen Grundlagen für das brutale Vorgehen der Polizei und des SD gegen das deutsche Volk, insbesondere gegen die Arbeiterklasse, sowie gegen die vom Hitlerfaschismus überfallenen Völker schuf.

Als Chef des Amtes I des RSHA (bis 1940) und Kriegsverwaltungschef beim Militärbefehlshaber in Frankreich, schließlich (1942) als „Bevollmächtigter des Reiches in Dänemark“ setzte er seine „Theorie“ in die Praxis um. Auf seine Anordnung wurden am 30. Dezember 1943 der Redakteur Christian Damm, am 4. Januar 1944 der bekannte Dichter Kaj Munk und im August 1944 der Ingenieur Snog Christensen ermordet.

Für diese und andere Verbrechen wurde Best in Dänemark zum Tode verurteilt, nach kurzer Zeit jedoch auf Drängen der Bonner Regierung begnadigt und schließlich freigelassen.

Streckenbach, Bruno

BESTS WÜRDIGER NACHFOLGER

heute:
Kaufmännischer Angestellter in Hamburg.

In Bruno Streckenbach fand Best einen würdigen Nachfolger als Chef des Amtes I im Reichssicherheitshauptamt. Streckenbach, SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei, war bereits vor 1933 Mitglied der NSDAP (Nr. 489972) und der SS (Nr. 14713). Best rief ihn aus Polen nach Berlin. In Polen war er für die „Befriedung“ durch die SS und Polizei verantwortlich und tat sich bei der „Germanisierungspolitik“, vor allem bei der Ausrottung der Vertreter der polnischen Intelligenz, hervor.

Auch im RSHA wütete er gegen „Angehörige der Ostvölker“. Am 5. November 1942 sandte er einen Schnellbrief an alle Sicherheitspolizei- und SD-Dienststellen über die „Strafrechtspflege gegen Polen und Angehörige der Ostvölker“. Danach sollte auf die Durchführung ordentlicher Strafverfahren verzichtet und eine unmittelbare Auslieferung an die Henker erfolgen.

Für seine Verbrechen, vor allem als „Kommandeur der 19. lettischen SS-Grenadierdivision“, wurde er in der Sowjetunion zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt, später als nicht amnestierter Kriegsverbrecher an die Bundesrepublik übergeben. Entgegen der übernommenen Verpflichtung, ihn weiter in Haft zu halten, ließ der Bonner Staat ihn frei.

Six, Franz

CHEF DES „VORKOMMANDOS MOSKAU“

heute:
Werbechef der Porsche-Diesel-Motoren-GmbH Friedrichshafen, einer Tochtergesellschaft der Mannesmann AG; Agent mit „besonderen Erfahrungen“ beim „Bundesnachrichtendienst“ (mit 4000 anderen SS-Offizieren und SD-Spitzeln).

Dr. Franz Six trieb es bereits 1930 in die NSDAP (Nr. 245670) und 1935 in die SS (Nr. 107480). Schon am 20. April 1935 wurde er Chef des Amtes II im Sicherheitshauptamt der Reichsführung SS, später Leiter des Amtes II und des daraus hervorgegangenen Amtes VII des Reichssicherheitshauptamtes. Damit brachte er alle Voraussetzungen eines Chefs des „Vorkommandos Moskau“ mit. Diesen Posten übernahm er im Jahre 1941.

Im Verlauf des Einsatzgruppenprozesses (Fall IX), zu deren 24 Angeklagten er zählte, wurde unter anderem festgestellt, daß Six und Konsorten der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Mitgliedschaft in verbrecherischen Organisationen für schuldig befunden sind. Sie sind verantwortlich für den Tod von über einer Million Menschen. (Vgl. NG, Fall IX, S. 27)

Als Chef des „Vorkommandos Moskau“ kam Six im Juli 1941 in Smolensk an, er blieb dort bis Ende August 1941 und kehrte dann nach Berlin zurück. Dieses Kommando sollte, sobald die deutschen Truppen in Moskau einträfen, die dortigen Archive und Dokumente sicherstellen. Tatsache ist, „daß das Vorkommando Moskau, während es unter der Leitung von Six stand, zur Liquidierungsaktion gebraucht wurde und daß außerdem die Sicherstellung von Dokumenten in Rußland nicht aus wirtschaftlichen und kulturellen Gründen geschah, sondern in der Absicht, Listen kommunistischer Funktionäre zu erhalten, die selbst Kandidaten für die Liquidierung geworden wären“. (A. a. O., S. 161)

„Für besondere Verdienste im sicherheitspolizeilichen Osteinsatz“ wurde Six am 9. November 1941 zum SS-Oberführer befördert.

Am 10. April 1948 wurde Six von einem amerikanischen Militärgericht zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, jedoch am 31. Januar 1951 auf zehn Jahre begnadigt und kurze Zeit später vorzeitig freigelassen.

Werner, Hans-Ulrich

TAKTIKER DER „VERBRANNTEN ERDE“

heute:
Kommandeur der Schutzpolizei in Westberlin

Werner trat 1936 in die Schutzpolizei ein. 1939 hieß es in einer Beurteilung, daß er es verstehe, „nationalsozialistisches Gedankengut seinen Untergebenen zu vermitteln und sie zur vollen Hingabe zum nationalsozialistischen Staat zu erziehen“. Im gleichen Jahr wurde er Oberleutnant, 1943 Hauptmann der Gendarmerie und kam als Kompanieführer in den Generalbezirk Nord-Kaukasien.

Die Einheit wurde in der Ukraine als „Einsatzkommando Bürger“ für die Massen Vernichtung von sowjetischen Bürgern sowie zur Zerstörung von Dörfern und Städten verwendet. Anfang 1944 wurde das Einsatzkommando nach „Oberitalien Mitte“ verlegt und zur Bekämpfung der italienischen Widerstandsbewegung eingesetzt. Für „tapfere Teilnahme“ an diesen Aktionen erhielt er unter anderem das „Bandenkampfabzeichen“. Seit 9. August 1944 war er Erster Stabsoffizier beim „SS- und Polizeiführer Oberitalien Mitte“. Im Januar 1945 wurde er für einen Generalstabslehrgang der Polizei und zur Beförderung vorgesehen. Werner war seit 1941 Mitglied der NSDAP (Nr.8390372) und seit 1942 SS-Anwärter. (Aus Personalunterlagen, veröffentlicht in: „Strauß und Brandt mobilisieren die SS“, Nationalrat der Nationalen Front des demokratischen Deutschland, Berlin, August 1962)

Ab Herbst 1945 mit Billigung der britischen Besatzungsbehörden in der Polizeischule Hiltrup zur Ausbildung von Fachlehrern geschult und eingesetzt; zuletzt Stellvertreter des Schulleiters des Polizei-Instituts Hiltrup. Seit 1962 ist er Kommandeur der Schutzpolizei in Westberlin.

Bilfinger, Rudolf

SPEZIALIST FÜR DIE „ENDLÖSUNG DER JUDENFRAGE“

heute:
Bis vor kurzem Oberverwaltungsgerichtstat beim Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim. Mußte auf Druck der Öffentlichkeit im März 1965 suspendiert und im Juni 1965 in den Ruhestand geschickt werden.

Dr. Rudolf Bilfinger, SS-Obersturmbannführer und stellvertretender Chef des Amtes II im Reichssicherheitshauptamt, nahm an allen grundlegenden Besprechungen des RSHA über die „Endlösung der Judenfrage“ teil. Am 6. März 1942, in einer Nachfolgebesprechung der berüchtigten „Wannsee-Konferenz“ - sie fand in Eichmanns Referat IV B 4 statt -, wurde die Zwangssterilisierung der sogenannten Mischlinge I. Grades behandelt. „Es war keinesfalls beabsichtigt, die Mischlinge als dritte kleine Rasse auf die Dauer am Leben zu erhalten“, heißt es im Protokoll dieser Besprechung. (R. M. W. Kempner, Eichmann und Komplicen, Europa-Verlag, Zürich-Stuttgart-Wien 1961, S. 170)

Am 27. Oktober 1942 fand am gleichen Ort eine weitere Besprechung statt, die Einzelheiten über die Sterilisierung von „Mischlingen I. Grades“ festlegte. Danach wurden Kinder eines jüdischen Elternteiles vor die „Wahl“ gestellt, sich sterilisieren oder in ein Konzentrationslager einweisen zu lassen.

Hervorgetan hat sich Bilfinger auch beim Raub jüdischen Eigentums. Er erarbeitete hierfür die „juristischen Grundlagen“. Am 14. Mai 1942 sandte er an verschiedene Nazi-Ministerien, an die „Höheren SS- und Polizeiführer“, die SD-Leitstellen usw. ein Rundschreiben, in dem er verfügte: „Juden, die neben der deutschen Staatsangehörigkeit eine fremde Staatsangehörigkeit besitzen, verlieren die deutsche Staatsangehörigkeit… ebenso verfällt ihr Vermögen … zu Gunsten des Reiches.“ (A. a. O., S. 257)

Die Dokumente, die Bilfinger dieser und anderer schwerer Verbrechen überführen, wurden von den staatlichen Organen der DDR seit Jahren der westdeutschen Regierung angeboten. Bonn zeigte für diese Dokumente kein Interesse. So konnte dieser Blutjurist bis zum März 1965 als Oberverwaltungsgerichtsrat fungieren. Der Druck der Öffentlichkeit, die sich auf das von der DDR erbrachte Beweismaterial stützte, wurde schließlich so stark, daß man Bilfinger suspendierte. Er zählt zu jenen „Schreibtischmördern“, die bis zum heutigen Tage nicht zur Verantwortung gezogen wurden.

Krumey, Hermann

VERANLASSTE „SONDERBEHANDLUNG“ FÜR DIE KINDER VON LIDICE

heute:
Nach skandalösem Urteil in Frankfurt a. M. wieder Inhaber einer mit staatlichen Krediten eingerichteten Drogerie in Korbach/Hessen.

Hermann Krumey brachte es bis zum SS-Obersturmbannführer im Reichssicherheitshauptamt. Unmittelbar nach dem Überfall der Hitlerfaschisten auf Polen, im November 1939, wurde ihm die Leitung der „Umwanderungszentrale, Zweigstelle Lodz“, übertragen. Krumey organisierte die zwangsweise Aussiedlung und Vernichtung von 12000 jüdischen Menschen allein aus diesem Gebiet. Im Sommer 1942 veranlagte er die Einweisung von 88 nach Lodz verschleppten Kindern aus Lidice in ein Konzentrationslager; hier wurden sie ermordet.

Im März 1944 beauftragte ihn Eichmann mit der Deportation aller in Ungarn lebenden Juden. In enger Zusammenarbeit mit dem juristischen Berater Eichmanns im Amt IV des RSHA, Otto Hunsche, organisierte Krumey den Transport von 400000 Männern, Frauen und Kindern in die Vernichtungslager. In Auschwitz wurden innerhalb weniger Monate 300000 dieser unglücklichen Menschen ermordet.

Krumey war der Initiator des Tauschgeschäftes „Blut gegen Ware“; er bot dem Mittelsmann Joel Brand das Leben von einer Million Juden gegen die Lieferung von 10000 Lastwagen aus dem Ausland an. Krumey drängte auf die Beschleunigung der Verhandlungen mit dem Argument: „Jeder Tag kostet 12000 Menschenleben!“

Diese und andere Tatsachen waren dem Frankfurter Schwurgericht bekannt; als es im Februar 1965 nach neunmonatiger Verhandlung das Urteil verkündete. Krumey wurde zu einer fünfjährigen Zuchthausstrafe verurteilt, die sich mit der bis dahin abgesessenen Untersuchungshaft von vier Jahren, neun Monaten fast deckte und demzufolge einem Freispruch gleichkam.

Als Krumey festgenommen wurde, lebte er nicht nur als biederer Geschäftsmann, sondern gehörte auch als Abgeordneter der BHE dem Kreistag in Korbach an.

(Externer Link: Gedenkstätte Lidice)

Hunsche, Otto

„JURISTISCHER BERATER“ EICHMANNS

heute:
Rechtsanwalt in Datteln/Westfalen.

In Anerkennung seiner Verdienste als „juristischer Berater“ des Deportationsspezialisten Adolf Eichmann im Amt IV B 4 des Reichssicherheitshauptamtes wurde SS-Hauptsturmführer Dr. Otto Hunsche der Titel eines Regierungsrates verliehen. Zu den zahllosen Verbrechen, an denen Hunsche maßgeblichen Anteil hat, gehört die Mitwirkung an der Ermordung von 1200 ungarischen Juden aus dem Sammellager Kistarosa.

Als Angehöriger des Stabes Eichmann begleitete Hunsche SS-Obersturmbannführer Krumey Anfang 1944 nach Ungarn. Ihr Auftrag bestand darin, die ungarischen Juden in kürzester Frist zum Transport in die Vernichtungslager zusammenzutreiben. Bis zum Einmarsch der sowjetischen Truppen in Budapest wurden auf diese Weise 400000 jüdische Menschen verschleppt, von denen der größte Teil im Konzentrationslager Auschwitz qualvoll umgebracht wurde.

Erst als Überlebende Anklage erhoben und Beweise vorlegten, wurde Hunsche vor Gericht gestellt und im April 1962 in Frankfurt wegen „Beihilfe zum Mord an 600 Menschen“ zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Hunsche war auch diese Strafe noch zu hoch; als „erfahrener Jurist“ erreichte er, daß das Urteil aufgehoben und ein neues Verfahren eingeleitet wurde.

Im April 1964 begann die zweite Verhandlung vor dem Frankfurter Schwurgericht, die seine Freilassung zur Folge hatte und ihm die Möglichkeit gab, wieder zu praktizieren.

Thümmler, Johannes

GESTAPO-CHEF IN CHEMNITZ UND KATTOWITZ

heute:
Leitender Angestellter eines Werkes in Oberkochen („Carl-Zeiss-Stiftung“).

SS-Obersturmbannführer und Oberregierungsrat im RSHA, Dr. Johannes Thümmler, gehörte bereits vor 1933 der NSDAP (Nr. 1425547) an. In der SS führte er die Mitglieds-Nr. 323711. Nach der Errichtung der Hitlerdiktatur war er zunächst im Polizeipräsidium Dresden und bei der Amtshauptmannschaft Schwarzenberg tätig. Hier bewährte er sich bei der rücksichtslosen Verfolgung und Unterdrückung der Gegner des Terrorregimes so gut, daß er als Leiter der Staatspolizei(leit)stellen Dresden und Chemnitz eingesetzt wurde.

Während des zweiten Weltkrieges entschied er als Leiter der Gestapo in Kattowitz (Katowice) über Leben und Tod polnischer Menschen, die auf seine Anweisung mit dem Hinweis auf „Sonderbehandlung“ in das Konzentrationslager Auschwitz eingeliefert wurden, da „ohnehin Todesstrafe“ zu erwarten sei.

Längere Zeit war er Leiter des Einsatzkommandos 16 der Einsatzgruppe E, die im Südosten Europas Massenverbrechen verübte.

Im November 1964 wurde dem ehemaligen Gestapo-Chef Gelegenheit gegeben, im Frankfurter Auschwitz-Prozeß als „Entlastungszeuge“ aufzutreten.

Das Auftreten Thümmlers veranlagte die Rechtsorgane der DDR, den westdeutschen Justizbehörden Dokumente über die von ihm begangenen Verbrechen zu übergeben. Ein Rechtsverfahren wurde bis zum heutigen Tage nicht eingeleitet, obwohl er während seiner Zeugenaussage eingestehen mußte, in einigen hundert Fällen als Standgerichtsvorsitzender fungiert zu haben. Thümmler erklärte, daß in diesen Verhandlungen etwa 60 Prozent Todesurteile gefällt wurden, der Rest der „Angeklagten“ sei ins KZ eingewiesen worden.

Lammerding, Heinz

SS-HENKER VON ORADOUR UND TÜLLE

heute:
Diplom-Ingenieur und Bauunternehmer in Düsseldorf; führend in der SS-Organisation HIAG.

Heinz Lammerding, der sich frühzeitig der NSDAP (Nr. 722395) und der SS (Nr. 247062) angeschlossen hatte, wurde durch Himmler der Rang eines SS-Oberführers und Generals der Waffen-SS verliehen. Er befehligte unter anderem die berüchtigte SS-Panzerdivision „Das Reich“.

Der Weg dieser SS-Divison durch die von der Hitlerarmee besetzten Gebiete ist durch Galgen und Massengräber gekennzeichnet. Am 10. Juni 1944 überfielen die SS-Horden den französischen Ort Oradour. 548 Einwohner wurden in der Kirche zusammengetrieben und auf Befehl Lammerdings bestialisch ermordet. Die friedliche Ortschaft wurde dem Erdboden gleichgemacht.

Um den wachsenden Widerstand des französischen Volkes gegen die faschistische Okkupation mit allen Mitteln zu brechen, ließ SS-Kommandeur Lammerding in Tülle 120 Franzosen aus der zivilen Bevölkerung öffentlich erhängen.

Für diese und andere in Frankreich begangenen Verbrechen wurde Lammerding von einem Gericht in Bordeaux in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Nachdem er zunächst unter dem Namen Braune in Wiesbaden lebte, ließ er sich in Düsseldorf als Bauunternehmer unter seinem richtigen Namen nieder.

Auslieferungsanträgen Frankreichs an westdeutsche Rechtsorgane wurde nicht stattgegeben.

Wolff, Karl

ADJUTANT HIMMLERS

heute:
Wolff wurde 17 Jahre nach Kriegsende in seiner Villa am Starnberger See verhaftet und wegen der Ermordung von 300000 Juden zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt - für jeden Mord 30 Minuten Haft.

SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS, Karl Wolff, war „Chef des Persönlichen Stabes des Reichsführers SS“ und „Verbindungsoffizier des Reichsführers zum Führer“. Mit allen Sondervollmachten ausgerüstet, hatte Wolff einen maßgeblichen Anteil an der sogenannten Endlösung der Judenfrage. Er trug die Hauptverantwortung für die Ermordung von 300000 polnischen Juden im Vernichtungslager Treblinka.

Als „Höchster SS- und Polizeiführer“ in Italien beging er seit September 1943 zahllose Verbrechen. Wolff ließ 15000 italienische Männer, Frauen und Kinder umbringen. Auf sein Schuldkonto kommen die an Häftlingen im KZ Dachau durchgeführten verbrecherischen Experimente.

Obwohl Wolff unter seinem richtigen Namen lebte und auch in der westdeutschen Presse wiederholt auf seine Machtbefugnisse innerhalb der SS-Führung hingewiesen wurde, führte erst die Strafanzeige eines israelischen Journalisten zu seiner Festnahme. Das Urteil lautete:

„Schuldig des gemeinschaftlichen Mordes an 300000 Juden, mitschuldig an der Ermordung von 15000 italienischen Juden und verantwortlich für die medizinischen Experimente im KZ Dachau.“

Winkelmann, Otto

SS- UND POLIZEI-STANDORTKOMMANDANT IN UNGARN

heute:
Ratsherr in Kiel, Vorsitzender der Vereinigung ehemaliger Polizeioffiziere.

Otto Winkelmann brachte es während des faschistischen Raubkrieges vom Oberstleutnant der Schutzpolizei bis zum Generalleutnant der Polizei und SS-Gruppenführer. Seit 1939 war er mit der Leitung des „Kommando-Amtes des Hauptamtes Ordnungspolizei“ beauftragt, das unter anderem für die Aufstellung und Ausrüstung der vorwiegend im Osten eingesetzten Polizei-(später SS-Polizei-)regimenter und -bataillone zuständig war.

Im März 1944, mit dem Einmarsch der faschistischen Truppen im verbündeten Horthy-Ungarn, wurde er durch Himmler als Höherer SS- und Polizeiführer in Ungarn eingesetzt. Nach Angaben Winkelmanns erklärte ihm Himmler:

„Sie sind in Ungarn genauso wie der Militärattache und der Luftattache mein Attache. Sie sind mein Verbindungsoffizier zu den ungarischen Stellen und, wenn es sein muß, auch zu Gesandten. Sie haben die Aufgabe, für die Koordinierung der Tätigkeit aller in Ungarn eingesetzten SS- und Polizeidienststellen zu sorgen… Sie haben ferner die Aufgabe des SS- und Polizeistandortkommandanten.“ (IMT, Fall XI, Bd. 217, S. 25 653)

Neben Eichmann trägt Winkelmann die Hauptverantwortung für die Deportierung und Ermordung der 400000 Juden aus Ungarn.

Trotz der ihm nachgewiesenen Verbrechen erhält Winkelmann eine Generalspension.

Skorzeny, Ott

MUSSOLINI-BEFREIER LEITET FLUCHT VON MASSENMÖRDERN

heute:
Inhaber eines „Ingenieur- und Maklerbüros“ in Madrid; Begründer und Chef der nazistischen Geheimorganisation „Die Spinne“, die von Spanien aus bisher über 500 Kriegs- und Naziverbrechern zur Flucht verhalf.

Otto Skorzeny, SS-Obersturmbannführer, war seit April 1943 Gruppenleiter VI S des Reichssicherheitshauptamtes und damit Kommandeur des „Sonderverbandes Oranienburg“. Die Aufgaben dieses streng geheimen Sonderverbandes bestanden darin, schnellstmöglich einen total wirkenden Geheimdienst aufzubauen und ihn global einzusetzen, das heißt: Bombenattentate, Diversion, Menschenraub, Sabotage, Mord. Die von Skorzeny ausgebildeten und ausgerüsteten Agenten sollten im Iran und in Indien, in England und in den USA, vor allem aber in der Sowjetunion die Niederlage der Faschisten aufhalten.

Am 12. September 1943 organisierte Skorzeny mit seinem „SS-Sonderverband“ im Auftrage Hitlers die Entführung des italienischen Faschistenführers Mussolini aus der Haft der Badoglio-Regierung. Ab Januar 1945 wütete Skorzeny als Führer einer Diversanten-Truppe an der Ostfront, die inzwischen die Oder erreicht hatte.

Nach dem Zusammenbruch blieb auch Skorzeny, was er war - ein führender Faschist und Geheimdienst-Chef. Er begann eine vielseitige Tätigkeit, um die Verbindung zwischen den ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS wieder herzustellen. Sein Werk ist die Gründung der nazistischen Geheimorganisation „Die Spinne“, die nicht nur über umfangreiche finanzielle Mittel aus dem Raubgut der SS verfügt, sondern sich auch der besonderen Unterstützung führender westdeutscher Konzerne erfreut. Sitz dieser Geheimorganisation ist Denia (Spanien). Dorthin siedelte Skorzeny 1953 über.

Gestützt auf die Freundschaft mit Franco und dem spanischen Informationsminister unterhält Skorzeny von seiner feudalen Villa im Stadtbezirk Velasques von Madrid aus enge Verbindungen zu einflußreichen westdeutschen Kreisen sowie zu seinen früheren SS-Kumpanen in der Bundesrepublik und in anderen Ländern.

Zu den über 500 belasteten Kriegs- und Naziverbrechern, denen die SS-Untergrundorganisation „Die Spinne“ die Flucht aus Westdeutschland ermöglichte, gehören unter anderen die SS- und KZ-Mörder Eisele, Mengele und Zind.

Obwohl der Bonner Regierung die Verbrechen bekannt sind, die Skorzeny beging, hat sie nichts unternommen, ihn aburteilen zu lassen oder zumindest seine neofaschistische Tätigkeit zu unterbinden. Im Gegenteil. Die Bonner Regierung duldet die Tätigkeit dieses Kriegsverbrechers und unterstützt die „Spinne“ durch ihre enge Zusammenarbeit mit dem Franco-Regime.


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