Der preußisch-deutsche Generalstab hat seit jeher eine unheilvolle Rolle bei der Planung und Entfesselung von Aggressionskriegen des deutschen Imperialismus gespielt. Es war also nur folgerichtig, daß das reaktionäre Offizierskorps bereits vor 1933 der Hitlerclique seine Sympathien entgegenbrachte, die Republik untergrub und die Nazi-Bewegung teilweise offen unterstützte.
Die Generalität stimmte der Errichtung der faschistischen Diktatur weitgehend zu, weil die Ziele Hitlers ihren eigenen Zielen entsprachen: Wiederaufrüstung und Vorbereitung eines neuen Aggressionskrieges, um Revanche für die Niederlage im ersten Weltkrieg zu nehmen.
Bereits vier Tage nach dem Machtantritt der Faschisten, Anfang Februar 1933, ließen sich die Führer von Heer und Marine durch Hitler versichern, daß seine Regierung bereit sei, die aggressiven Pläne des Generalstabes und seiner rüstungsindustriellen Auftraggeber zu erfüllen. Als Dank für diese Zusicherung stellte sich der Generalstab nach der sogenannten Rohm-Äffaire im Jahre 1934 vorbehaltlos hinter Hitler.
Reichswehrminister Generaloberst von Blomberg erklärte:
„Sollte die Reichsregierung allein nicht imstande sein, eine völlige Beruhigung der gespannten Lage herbeizuführen, würde der Präsident (Hindenburg - d. Hrsg.) den Belagerungszustand verhängen und die Kontrolle der Staatsgeschäfte der Armee übertragen.“ (J. W. Wheeler-Bennet, Die Nemesis der Macht, - Die Deutsche Armee in der Politik 1918-45, Drosle-Verlag, Düsseldorf 1954)
Der Generalstab unterstützte auch die aggressive Außenpolitik der Faschisten. Als Deutschland 1933 aus dem Völkerbund austrat und die Abrüstungskonferenz demonstrativ verließ, traf der Generalstab Maßnahmen, um diesen Schritt zu sichern. So hieß es in einer Weisung Blombergs vom 25. Oktober 1933:
„Die weitere Entwicklung der durch Deutschlands Austrittserklärung aus dem Völkerbund und sein Verlassen der Abrüstungskonferenz geschaffenen außenpolitischen Lage kann dazu führen, daß Sanktionsmaßnahmen gegen Deutschland zur Anwendung gelangen… Die Reichsregierung ist gewillt, jedem feindlichen Vorgehen ohne Rücksicht auf militärische Erfolgsaussicht örtlich bewaffneten Widerstand entgegenzusetzen.“ (IMT, Bd. XXXIV, S. 488)
In ihren Zielen und Methoden stimmten also die Rüstungsmonopole, die Hitlerclique und der Generalstab überein. Dementsprechend übernahm es der Generalstab, die Reichswehr zu einer modern ausgerüsteten Massenarmee für die geplanten Aggressionen aufzubauen. Bereits am 4. April 1933 hatte das Reichskabinett auf Initiative des Generalstabs beschlossen, einen „Reichsverteidigungsrat“ zu bilden. Am 22. Mai 1933 fand die Gründungssitzung statt. Sie wurde vom Generalstab organisiert und von seinen Vertretern, an der Spitze der Chef des Generalstabes, Generalleutnant Adam, und der Chef der Heeres-Organisationsabteilung, der damalige Oberst Keitel, geleitet. Daß dieser sogenannte Reichsverteidigungsrat der direkten Vorbereitung eines neuen Aggressionskrieges diente, geht aus der Begründung hervor, die Keitel im Auftrag des Generalstabes gab. Er erklärte:
„Der Krieg (1914-1918 - d. Hrsg.) hat hinreichend gezeigt, daß die Zusammenarbeit vor dem Kriege mit den einzelnen Reichsressorts nicht eng genug war. Die Folgen sind nicht ausgeblieben … Die Nachteile des zurückliegenden Systems liegen in der Nebeneinanderarbeit der einzelnen Reichsressorts auf dem Gebiet der RV (Reichsverteidigung). Zur Vermeidung dieser Fehler ist eine Zentralstelle geschaffen, die schon in der Friedenszeit im weitesten Sinne die Fragen der RV bearbeitet.“ (IMT, Bd. XXXVI, Dok. 172-EC, S. 22)
Die Schlußfolgerung aus der Niederlage im ersten Weltkrieg bestand also für den Generalstab Hitlerdeutschlands darin, noch intensiver aufzurüsten und den gesamten Staatsapparat zielstrebiger in den Dienst der Vorbereitung des Revanchekrieges zu stellen.
Während die Hitlerregierung und ihre Diplomaten bei jeder Gelegenheit vom Frieden, von Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Abrüstung sprachen, verstärkte der Generalstab planmäßig die Aufrüstung. Die gesamte deutsche Wirtschaft wurde schon im Frieden auf die Bedürfnisse der zukünftigen Kriegführung umgestellt. Damit erreichte der Generalstab, daß den kriegslüsternen deutschen Imperialisten die zahlenmäßig stärkste und am besten ausgerüstete Armee der kapitalistischen Welt zur Verfügung stand und die Rüstungsprofite rapide anstiegen.
Die militärisch-strategische Konzeption des Generalstabes wurde auf den „Blitzkrieg“ umgestellt. Die Grundlage dafür war die am 2. Mai 1935 von Kriegsminister Blomberg herausgegebene Weisung:
„Das Unternehmen muß nach Ausgabe des Stichwortes ‚Schulung durchführen’ schlagartig als Überfall zur Ausführung gelangen. Zeit für die Mobilmachung der beteiligten Kräfte ist nicht vorhanden, ihre Verwendung muß in Friedenszusammensetzung und -ausrüstung erfolgen …“ (IMT, Bd. XXXIV, Dok. 139-C, S. 485)
Diese „Blitzkriegsstrategie“ wurde im zweiten Weltkrieg in die Tat umgesetzt.
Vom Generalstab stammten die strategischen Ideen und die detaillierten Pläne zur Okkupation Polens (Fall Weiß), Norwegens und Dänemarks (Fall Weserübung), Frankreichs, Hollands und Belgiens (Fall Gelb), zur miltärischen Besetzung Griechenlands und Jugoslawiens (Fall Marita) und für den Überfall auf die Sowjetunion (Fall Barbarossa).
An der Ausarbeitung dieser Pläne war unter anderem der damalige 1. Generalstabsoffizier und spätere Chef der Operationsabteilung des Heeres, Adolf Heusinger, maßgeblich beteiligt.
Der deutsche Generalstab war aber nicht nur der passive Befehlsempfänger und Planentwerfer Hitlers, sondern überzeugter Verfechter und Vollstrecker der Pläne des deutschen Imperialismus zur Eroberung der Weltherrschaft und zur kolonialen Unterjochung und Ausrottung anderer Länder und Völker.
Skrupellos beteiligte sich der Generalstab bei der Organisierung und Inszenierung jener Provokationen und völkerrechtswidrigen Machenschaften, mit denen die Faschisten ihre Überfälle vorbereiteten und begannen.
Der deutsche Generalstab beteiligte sich nach Beginn der Überfälle aktiv an Verbrechen gegen die Menschlichkeit und trat das Völker- und Kriegsrecht mit Füßen. Mit seiner Hilfe und vielfach unter seiner direkten Leitung wurden zahlreiche Völker ihrer nationalen Souveränität beraubt und wurde mit ihrer physischen Ausrottung begonnen.
Der deutsche Generalstab machte sich die faschistische Rassentheorie völlig zu eigen und beteiligte sich an der Ausrottung der Juden.
Mit allem Völker- und internationalem Kriegsrecht hohnsprechenden Befehlen und Anordnungen organisierte der Generalstab den Massenmord an Hunderttausenden sowjetischen Kriegsgefangenen. Aber auch zahlreiche belgische, holländische, jugoslawische, griechische, norwegische, französische, britische und amerikanische Kriegsgefangene wurden bestialisch mißhandelt und umgebracht.
Ohne die Planung, Organisierung und Durchführung der faschistischen Überfälle auf die Völker Europas durch den deutschen Generalstab und sein enges Zusammenwirken mit der verbrecherischen SS hätte es nicht die millionenfachen Morde von Auschwitz, nicht die bestialischen Verbrechen von Oradour und Lidice gegeben.
Nach der Niederlage Hitlerdeutschlands bekräftigten die führenden Politiker der Antihitlerkoalition ihre schon während des Krieges getroffene Vereinbarung, den deutschen Militarismus auszurotten und die Grundlagen seiner Macht für immer zu zerstören. Das Potsdamer Abkommen enthält hierüber klare und eindeutige Bestimmungen.
In den Nürnberger Prozessen wurden die Verbrechen des Generalstabes und des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) eindeutig nachgewiesen. Das sind insbesondere:
Auf dem Boden der DDR wurde - getreu den Zielen der Antihitlerkoalition und dem Potsdamer Abkommen - der deutsche Imperialismus und Militarismus, die Geißel des deutschen und anderer Völker, mit der Wurzel beseitigt. Jedem Drang nach Eroberungen, nach dem Territorium anderer Völker wurde damit der Boden entzogen, Revanchismus gilt als Verbrechen.
Kriegs- und Naziverbrecher wurden entmachtet und bestraft. In der DDR gibt es keine Fabrik, kein Werk, kein Büro und kein Stück Boden, die den Interessen der Kriegs- und Rüstungsgewinnler dienen.
Frieden, sozialer und kultureller Fortschritt, internationale Zusammenarbeit und Völkerverständigung sind die Grundlagen der Staatsdoktrin der DDR.
Den anderen deutschen Staat, die sogenannte Bundesrepublik Deutschland - ins Leben gerufen und entwickelt mit Hilfe der Imperialisten der Westmächte -, beherrschen Rüstungsmonopole, Militaristen und Chauvinisten. Dieser Staat ist die Fortsetzung des Hitlerstaates.
Der Nachfolger des faschistischen Generalstabes, der Führungsstab der Bundeswehr, hat in seiner „Vorwärtsstrategie“ kaltblütig einen Atombombenkrieg einkalkuliert. Die Hitlergenerale und die von ihrem Geist erfüllten Offiziere, die die westdeutsche Armee beherrschen, greifen nach nuklearen Massenvernichtungsmitteln und haben den verbrecherischen Plan ausgeheckt, einen Atomminengürtel quer durch Deutschland zu legen.
Der westdeutsche Imperialismus hat eine der stärksten Armeen des kapitalistischen Lagers aufgestellt. Der Geist dieser Armee ist der revanchelüsterne Geist der großen Konzerne, der ehemaligen Wehrwirtschaftsführer Hitlers, der Hitlergenerale und Hitleroffiziere, die die Bundeswehr erziehen und leiten und die westdeutsche Jugend vergiften. In Westdeutschland wurde die Vergangenheit nicht bewältigt, sondern das Potsdamer Abkommen systematisch gebrochen.
Unmittelbar nach der Kapitulation der Hitlerwehrmacht nahmen die amerikanischen Besatzungsbehörden den ehemaligen Chef des Generalstabes der Nazi-Wehrmacht, Generaloberst Franz Halder, in ihren Sold. An der Spitze von 120 ehemaligen Hitlergeneralen, darunter Guderian, Manteuffel, Schwerin und andere, wertete er die militärischen Erfahrungen der Raubzüge Hitlers aus und erarbeitete bereits damals die Remilitarisierungspläne der späteren Bundesrepublik.
Hitlergeneral von Choltitz berichtete über das Lager Allendorf, in dem er bis 1947 tätig war: „Hier befand sich ein Kreis von Generalen und Stabsoffizieren, die im Auftrage der Historical-Division Kriegsgeschichte schrieben … Wir hatten eigenes Kartenmaterial zur Verfügung, das durch das der amerikanischen Stabe ergänzt wurde … Im ganzen waren in dem Lager 300 Offiziere.“ (Dietrich von Choltitz, Soldat unter Soldaten, Europa-Verlag, Konstanz-Zürich-Wien 1951, S. 283 f.)
Die faschistischen Generalstäbler benutzten ihre Tätigkeit für die USA, um ungestört eigene Pläne auszuarbeiten. Nach der Bildung des westdeutschen Separatstaates wurden die Experten dieser Generalstabsclique zu offiziellen Beratern der Bonner Regierung.
Als Zentralstelle zur Durchsetzung der Remilitarisierungspläne wurde das „Amt Blank“ gebildet. In diesem getarnten Kriegsministerium besetzten die Experten des faschistischen Generalstabes vom ersten Tage an die Schlüsselpositionen. Neben General Speidel gehörte vor allem der Chef der Operationsabteilung des Heeres, General Heusinger, zu den engsten und einflußreichsten Generalstäblern Adenauers. Sie scharten einen Kreis von Militärs um sich, der in der illegalen Aufrüstung allseitige Erfahrungen besaß. Darunter befanden sich
Diese Militaristen nahmen ohne Ausnahme an jener entscheidenden Tagung des Generalstabes teil, in der das Grundsatzdokument für die künftige Wiederaufrüstung Westdeutschlands in allen Einzelheiten festgelegt wurde. Der heutige Befehlshaber der NATO-Landstreitkräfte Europa-Mitte, Generalleutnant Graf von Kielmansegg, berichtete darüber in einem Vortrag an der Offiziersschule Sonthofen, einer früheren Nazi-Ordensburg:
„Als die Möglichkeit eines echten deutschen militärischen Beitrages immer sichtbarer wurde, wurde es nötig, hierzu rechtzeitig und vor Beginn irgendwelcher Verhandlungen eine eigene deutsche Konzeption zu finden. Es ist nicht so, wie man selbst heute immer wieder lesen kann, daß die Bundesrepublik ohne Konzeption in die Dinge hineingegangen ist.“
Schon 1950 wurde auf Adenauers Initiative die Remilitarisierung nach den Plänen der schwer belasteten Hitlergenerale vorangetrieben. Mit der Aufnahme Westdeutschlands in die aggressive NATO im Jahre 1955 begannen die alten Kriegsverbrecher-Generale, ihre bis in alle Einzelheiten ausgearbeiteten Pläne zum Aufbau einer millionenstarken Aggressionsarmee zu verwirklichen.
Bereits am 16. Juni 1951 schrieb die britische Zeitung „Daily Express“: „Der deutsche Generalstab, die unbarmherzig wirkende Maschine, die 100 Jahre lang der Planentwerter eines europäischen Krieges war, ist wieder da. Der deutsche Generalstabsmeisterplan ist nur wenigen alliierten Kreisen bekannt. Die Franzosen, mit ihrer Erinnerung an drei deutsche Invasionen in 70 Jahren, sind alarmiert.“
Der Prozeß des Aufbaues der Bonner Wehrmacht, der jetzt im wesentlichen abgeschlossen ist, wurde in allen entscheidenden Teilen von ehemaligen Generalstäblern Hitlers vorangetrieben. Dies trifft sowohl auf die Führungsspitze der Bonner Armee, als auch auf die Kommandostellen in den unteren Einheiten und im Befehlsbereich der „Territorialen Verteidigung“ zu.
Hitlers und Adenauers Generalstäbler schufen die personellen Voraussetzungen zum Aufbau einer neuen Armee, indem sie die faschistischen Generalstäbler wieder an einen Tisch brachten. Sie organisierten und bewaffneten diese Armee. Und nicht nur das. Unter dem Deckmantel der Integration verstanden sie es, nicht die Bundeswehr der NATO, sondern die NATO der Bundeswehr einzuverleiben. Sie benutzten ihre ökonomische und militärische Stärke, auf ihre NATO-Partner Druck auszuüben, errichteten in anderen Staaten zahlreiche militärische Stützpunkte und besetzten wichtige Kommandostellen in der NATO.
Die westdeutsche Bundesrepublik hat sich neben den USA zur stärksten Militärmacht der NATO entwickelt. Immer offener fordert Bonn nunmehr die Verfügungsgewalt über Atomwaffen, um die NATO-Partner in ihre militärischen Abenteuer für die Verwirklichung ihrer Revanchepläne hineinziehen zu können. Diesem Ziel dient die „Vorwärtsstrategie“, die Bonns Generalstäbler auf der NATO-Ratstagung in Ottawa 1963 durchsetzten, ebenso wie der sich daraus ergebende Plan, an den Grenzen der DDR und der CSSR einen Atomminengürtel anzulegen, der am 15. Dezember 1964 von dem Hitlergeneral Trettner auf der Pariser NATO-Ratstagung vorgelegt wurde.
Die „Vorwärtsstrategie“ entspricht am weitestgehenden den Zielen der Bonner Militaristen: Ihre Kernstücke sind der aggressive Aufmarsch der Truppen der Bundeswehr- und NATO-Verbände unmittelbar an den Staatsgrenzen der DDR und der CSSR sowie die Propagierung und Vorbereitung des „verdeckten Krieges“. Entgegen den NATO-Festlegungen fordert die Bundeswehrführung die Übergabe der Kernsprengköpfe an die Kommandeure bis zur Brigade und den frühzeitigen - möglichst sofortigen - Einsatz taktischer Kernwaffen und Kernsprengminen im Kriegsfalle.
Um ihre Verbündeten noch fester an sich zu ketten, greifen die Bonner Militaristen nach weiteren Kommandostellen in der NATO. Sie verfolgen dabei nicht zuletzt das Ziel, wesentlichen Einfluß auf die NATO-Strategie und die Entscheidungsbefugnis über den Einsatz von Atomwaffen zu gewinnen. Das gesamte militärische Potential der NATO soll den abenteuerlichen Plänen der extremen Kreise Westdeutschlands nutzbar gemacht werden.
Mit dem steigenden militärischen Gewicht der Bundeswehr in der NATO erhöhte sich auch die Anzahl der westdeutschen Generale und Offiziere in den NATO-Führungsstäben und -Kommandostellen. Anfang 1964 waren 21 Generale, 53 Oberste und 242 Stabsoffiziere und Hauptleute in NATO-Stäben tätig. Heute verfechten über tausend westdeutsche Militärs, unter ihnen 30 Generale, die Bonner Atomkriegskonzeption in der NATO.