Braunbuch

Hitlers Generalstab kommandiert die Bonner Armee

Hitlergenerale gingen - Hitleroffiziere kamen

Die Bundeswehrführung, d.h. der Generalstab der westdeutschen Armee, wurde in den letzten Jahren „verjüngt“. Nachdem der weltweite Protest eine Reihe der „alten“ Generale zum Rücktritt zwang, traten sie in den „Ruhestand“ und beziehen hohe Staatspensionen. Das bedeutet jedoch keineswegs, daß sie darauf verzichtet hätten, die Revanchepolitik zu beeinflussen. Im Gegenteil! Sie wirken nach wie vor als Berater der Bundesregierung oder der Länder sowie als Präsidenten der größten militärischen Verbände, z. B. Speidel, Rüge, Kammhuber, Matzky.

Die in den Ruhestand versetzten Militärs wurden durch die von ihnen ausgebildete und erzogene „neue Führung“ der Bundeswehr ersetzt. Es handelt sich auch bei ihnen durchweg um Generalstäbler und Truppenkommandeure Hitlers, die ihre Ausbildung im faschistischen Generalstab oder auf Offiziersschulen erhielten und sich während des faschistischen Aggressionskrieges besonders auszeichneten und deshalb Karriere machten.

Von gegenwärtig 189 Generalen und Admiralen der Bundeswehr sind über die Hälfte ehemalige Generalstabsoffiziere der Hitlerwehrmacht; auch die übrigen waren ohne Ausnahme Offiziere der faschistischen Wehrmacht. Alle Generale der Bundeswehr waren direkt oder indirekt an der Vorbereitung und Durchführung von Aggressionen beteiligt. Unter den heutigen Generalen und Admiralen der Bundeswehr befindet sich kein einziger, der gegen den Hitlerstaat gekämpft hat. Im Gegenteil. Für ihre Treuebekenntnisse wurde ein großer Teil noch in den Jahren 1944/45 mit hohen Generalstabs- oder Kommandostellen betraut. Sechs dieser Militärs wurden wegen Kriegsverbrechen zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt, unter ihnen Maeder, Herzog, Rosenthal und Karpinski.

Ähnlich ist die Vergangenheit des Offizierskorps der Bundeswehr bis hinunter zu den Hauptleuten. Und schließlich erhielt die Masse der Leutnante und Oberleutnante ihre Ausbildung nach 1955 an den von Hitleroffizieren geleiteten Offiziersschulen.

Alle westdeutschen Generale waren Hitleroffiziere - die Generale der Nationalen Volksarmee der DDR dagegen aktive Kämpfer gegen den Hitlerfaschismus. Mehr noch: Die Mehrzahl von ihnen bewies ihre Treue zur Arbeiterklasse im Kampf zur Verteidigung der spanischen Republik, in den faschistischen Konzentrationslagern und Zuchthäusern.

Trettner, Heinz

EIN KRIEGSVERBRECHER AN DER SPITZE DER BUNDESWEHR

Nach den Generalen Heusinger und Foertsch steht mit dem ehemaligen Hitlergeneral Heinz Trettner erneut ein überführter Kriegsverbrecher an der Spitze der Bonner Bundeswehr.

Trettner ist einer jener rücksichtslosen Durchhalteoffiziere und Lieblinge Hitlers, die vor keinem Verbrechen zurückschreckten und dafür hoch dekoriert wurden. Seine Karriere - Trettner stieg im Verlauf von nur sieben Jahren vom Hauptmann bis zum Generalleutnant auf - ist nur mit der einiger SS-Günstlinge Himmlers zu vergleichen.

Der Mörder von Guernica

Trettner gehörte zu den ersten Freiwilligen der faschistischen „Legion Condor“, die Hitler unter Bruch des Völkerrechts General Franco zur Unterstützung des Militärputsches gegen die junge spanische Republik schickte. Zunächst kam er als Adjutant in den Stab des Befehlshabers der „Legion Condor“, Generalmajor Sperrle. Ab März 1937 war er Staffelkapitän in der Kampfgruppe 88, die am 31. März bzw. 26. April 1937 die friedlichen baskischen Landstädte Durango und Guernica bombardierten. Diese barbarischen Angriffe waren der Beginn des faschistischen Luftterrors gegen die Zivilbevölkerung, der später gegen Warschau, Rotterdam und Coventry fortgeführt wurde. Das Ergebnis dieses Luftterrors waren rauchende Trümmer und ermordete Zivilisten - in Durango 248, darunter 14 Nonnen und ein Priester, in Guernica 1654 Tote und 889 Verwundete.

Über die Vernichtung des bekannten Wallfahrtsortes Guernica berichtete Mathieu Corman in seinem Buch „Salud Camerada - cinq mois sur le front d’Espagne“ (Edition Tribord, Paris 1937). Corman besuchte mit den Korrespondenten Steer („Times“) und Holmes („Reuter“) diese Stadt und klagte am Schluß seines Berichtes an: „Die tiefhängenden Wolken haben die Farbe all des Blutes angenommen, die ewig gegen Mola, Franco, Göring und all die anderen zeugen wird. Gegen die, die dieses fürchterliche Massaker befohlen haben, gegen diejenigen, die es ausgeführt haben, gegen diejenigen, die es von lerne guthießen!“

Der Zerstörer von Rotterdam

Anfang 1938 setzte Trettner seine Generalstabsausbildung an der Luftkriegsakademie Gatow fort und wurde 1. Generalstabsoffizier (Ia) der 7. Flieger(Fallschirmjäger-)Divison. Das war jene Elitedivision Görings, die zur Lösung von Spezialaufgaben innerhalb der Blitzkriegsstrategie der Faschisten bestimmt war. Trettner arbeitete dafür die Pläne aus.

Der erste Großeinsatz erfolgte am 10. Mai 1940 beim völkerrechtswidrigen Überfall auf die Niederlande, Belgien und Luxemburg unter dem Befehl des Generals Student und seines Stabschefs, Major i.G. Trettner. (Siehe Tafel 31)

Am Nachmittag des 13. Mai forderte der Stab des Luftlandekorps für den nächsten Tag einen Angriff starker Bomberverbände auf Rotterdam. Der Verbindungsoffizier des Kampfgeschwaders 54 erhielt am Abend des gleichen Tages vom Stab Trettners eine Karte mit den Zielen, die durch „Bombenteppiche vernichtet werden sollten“. (Siehe Tafel 32)

Nachdem die Bombardierung Rotterdams angekündigt worden war, entschloß sich der Stadtkommandant, im Interesse der schutzlosen Bevölkerung und der historischen Bauwerke der alten Stadt Kapitulationsverhandlungen aufzunehmen. Sie begannen am 14. Mai 1940, 10.30 Uhr. Für die Dauer dieser Verhandlungen war Waffenruhe vereinbart worden. Trettner war über diese Vorgänge genauestens informiert, da sein Kommandeur, General Student, an den Kapitulationsverhandlungen teilnahm. Ungeachtet dessen begann um 15.00 Uhr „planmäßig“, wie mit Trettner vereinbart und abgesprochen, die Bombardierung Rotterdams. „Mitten in diese Waffenruhe hinein schlug der deutsche Bombenangriff wie ein gewaltiges, vernichtendes Gewitter.“ (R. Böhmler, Fallschirmjäger, Verlag Hans-Hennig Podzun, Bad Nauheim 1961)

874 Menschen wurden getötet, über 2000 verwundet, über 78000 obdachlos; 24978 Wohnungen, 1329 Werkstätten, 2320 Läden, 31 Fabriken, 10 Krankenanstalten, 24 Kirchen, 62 Schulen und Hunderte andere öffentliche und private Gebäude lagen in Trümmer.

Damit ließ Trettner erstmalig in großem Ausmaß praktizieren, was er selbst als Angehöriger der „Legion Condor“ in Spanien geübt hatte. Er bestand seine Bewährungsprobe und wurde, da er „den Einsatz der Truppe mustergültig vorbereitete, im persönlichen Einsatz bei der abgesetzten Truppe die Führungsunterlagen beschaffte, und die Verbindung aufrechterhielt“, von Hitler auf Vorschlag Görings mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.

Nunmehr plante und organisierte Trettner weitere Einsätze der Fallschirmjäger. So gegen Großbritannien, Kreta, Malta, die Sowjetunion und, nach dem Sturz der Mussolini-Regierung, gegen Rom, Monte Rotondo und Gran Sasso.

Der Totengräber von Florenz

Am 22. Januar 1944 landeten die Alliierten bei Anzio-Nettuno südlich von Rom. Dorthin wurde die von Trettner im November 1943 aufgestellte und befehligte 4. Fallschinnjägerdivision verlegt. Nach ihrer Niederlage hinterließen die faschistischen Truppen auf Befehl Trettners eine tote Zone zerstörter Dörfer und Städte, darunter Frosinone, Itri, Fondi, Velletri, Gaeta, Tivoli, Capua und Littoria. Horst Zabel aus Dessau, ehemaliger Angehöriger der 4. Fallschirmjägerdivision erklärte dazu:

„Der Rückzug vollzog sich von Ardea aus über Albano, Rom, Bracchiano, Orvieta, Montepulciano, Perugia, Florenz, Futa-Paß, Bologna und Castel St. Pietro … Beim Rückzug durch Rom wurde diese Stadt wegen Partisanentätigkeit 48 Stunden zur Plünderung freigegeben… Auf dem weiteren Rückzugsweg wurden alle strategisch wichtigen und für die Versorgung der Bevölkerung bedeutsamen Objekte, z. B. Wasserwerke, Elektrizitätswerke usw., in einer Tiefe von 20 km zur Hauptkampflinie gesprengt. Desweiteren mußte die Zivilbevölkerung in einer Tiefe von 5 km ohne wesentliche Mitnahme von Nahrungsmitteln das Gebiet verlassen und sich auf größere Städte zurückziehen … In Ausübung dieser Befehle kam es im Bereich der 4. Fallschirmjägerdivision, deren Kommandeur Generalmajor Trettner war, zu vielen Verbrechen.“

Mitte Juli 1944 übernahm die 4. Fallschirmjägerdivision den Abschnitt Florenz. Über diese Zeit vermerkte der konservative Florentiner Rechtsanwalt Gastano Casoni in seinem Tagebuch:

„Sonnabend, 22. Juli: Die deutschen Streitkräfte in Florenz bestehen jetzt aus Linientruppen, d. h. aus Fallschirmjägern und Sprengkommandos. Die Fallschirmjäger haben einen noch schlimmeren Ruf als die SS. Sie betragen sich in der Tat wie Menschen, die drauf und dran sind, das Feld zu räumen, und nun soviel Beute wie möglich mitgehen lassen wollen, eine große Spur von Zerstörung und Trauer hinterlassend.“

Obwohl Florenz von Hitler selbst zur „Offenen Stadt“ erklärt worden war, begannen Ende Juli unter dem Oberbefehl Trettners umfangreiche Sprengvorbereitungen und Zerstörungsmaßnahmen. Wohnviertel mit einer Bevölkerung von 50000 Menschen mußten innerhalb von 24 Stunden geräumt werden.

In der Nacht vom 3. zum 4. August 1944 wurden fünf Brücken und viele der schönsten Bauwerke, darunter das Machiavelli-Haus, die Türme von Girolami-Gheradini und Parte Guelfa, das Accianiuoli-Palais sowie weltberühmte Kirchen gesprengt. Das Vernichtungswerk ging nach der Räumung der Stadt weiter. Der ehemalige Angehörige der 4. Fallschirmjägerdivision Leutelt aus Wernigerode berichtete, „daß auf den Höhen nördlich von Florenz Artillerieeinheiten der 4. Fallschirmjäger-Division in Stellung gegangen waren und wiederholt Feuerüberfälle auf Florenz durchführten“.

Charakteristisch für das Wüten der Fallschirmjäger Trettners in der Umgebung von Florenz sind die Massaker in der kleinen Stadt Fiesole. Von den 2000 Einwohnern liefß Trettner etwa 500 zusammentreiben und zu Schanzarbeiten in der „Gotenlinie“ deportieren. Viele Einwohner wurden ermordet. Pasquale Pucci beispielsweise wurde nur deshalb erschossen, weil er ein englisches Wörterbuch besaß. Ein ähnliches Verbrechen geschah an drei Carabinieri, die ihr Quartier verlassen hatten, um nicht zu Repressalien gegen die eigene Bevölkerung herangezogen zu werden. Obwohl sie den italienischen Behörden unterstanden, wurden sie in der Nacht zum 12. August 1944 auf Befehl des Divisionsstabes Trettners erschossen.

Die Verbrechen in und um Florenz wurden im Herbst 1944 im Raum Bologna gemeinsam mit SS- und Polizeiverbänden bei „Säuberungsaktionen“ gegen Partisanen fortgesetzt.

Trettner war inzwischen mit dem Eichenlaub dekoriert und zum Generalleutnant befördert worden. Am 1. Mai 1945 bot das Oberkommando der deutschen Heeresgruppe Italien die Kapitulation an. Doch Trettner, der faschistische Durchhaltegeneral, setzte den sinnlosen Kampf auf eigene Faust fort. Noch vier Tage lang jagte er zahlreiche deutsche Soldaten, italienische Zivilisten und Angehörige der alliierten Streitkräfte in den Tod.

Er greift nach Atomwaffen

Dieser Kriegsverbrecher steht heute an der Spitze der westdeutschen Bundeswehr, deren Grundkonzeption die „Vorwärtsstrategie“ ist. Um sie durchzusetzen, greift Trettner nach Atomwaffen, sei es in Form einer NATO-Atommacht oder eines Atomminengürtels. Diesen verbrecherischen Plan legte Trettner Mitte Dezember 1964 der NATO-Ratstagung in Paris vor. „UPI“ berichtete am 18. Dezember 1964:

„Aus militärischen Kreisen wurde bekannt, die atomaren Minen sollten … einen atomaren Frühalarm auslösen. Sie würden so in das von der NATO gebilligte Konzept der Vorwärtsstrategie passen.“

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schrieb am 22. Dezember 1964:

„Der Plan ist nicht allein von dem Generalinspekteur der Bundeswehr entwerten worden. Man kann gleichwohl von einem Trettner-Plan sprechen, weil der Generalinspekteur verantwortlich zeichnet.“

Und der „Vorwärts“ erklärte am 23. Dezember 1964:

„Offenbar ist dieser Vorschlag in dem Bestreben geboren worden, eine neue Version für das Streben der Bundeswehrführung nach atomarer Verfügungsgewalt zu entwickeln.“

Atomwaffen in den Händen eines so skrupellosen und kriegswütigen Hitlergenerals, dessen militärische Karriere bewies, daß ihm Völker- und Menschenrecht nichts gelten, - das ist nicht nur eine Gefahr für den Frieden in Deutschland und Europa, das ist eine Weltgefahr.

Kielmansegg, JohannAdolf, Graf von

EIN NAZISTISCHER AGGRESSIONSOFFIZIER BEFEHLIGT NATO-VERBÄNDE

Nach dem Kriegsverbrecher Speidel steht heute mit General Johann Adolf Graf von Kielmansegg ein Offizier an der Spitze der NATO-Landstreitkräfte Europa-Mitte, der sich an den Hitlerüberfällen führend beteiligte.

Von Kielmansegg ging durch die Schule des faschistischen Generalstabes. Als 3. Generalstabsoffizier (Ic) - Abwehr - der 1. Panzerdivision nahm er am Überfall auf Polen, als 2. Generalstabsoffizier (Ib) - Nachschub - der gleichen Division gegen Frankreich teil. Später wurde er 1. Generalstabsoffizier (Ia) - Operation - der 6. Panzerdivision, kam in die Operationsabteilung des Generalstabes des Heeres unter Kriegsverbrecher Heusinger und übernahm schließlich als Oberst das Panzergrenadierregiment 111.

Über den ersten Teil seiner Karriere schrieb von Kielmansegg mehrere Abhandlungen, von denen sein im Jahre 1941 im Verlag „Die Wehrmacht“ herausgegebenes Buch „Panzer zwischen Warschau und Atlantik“ eine umfassende Charakteristik seiner faschistischen Gesinnung ist. (Siehe Tafel 33)

Fanatischer „Blitzkrieger“

Auf den ersten Seiten seines Machwerks offenbart er, daß er „dreizehn Jahre hindurch nichts anderes getan hatte, als das Kriegshandwerk zu lernen und die Erscheinungsformen des Krieges theoretisch zu studieren . Nun brannte er darauf, daß es endlich losginge: „Wir hielten den Atem an, als wir des Führers letztes Angebot an Polen hörten … Und wir wären keine deutschen Soldaten gewesen, wenn wir nicht gewünscht hätten, daß Polen nicht annähme.“

Dann war es soweit:

„Ich zünde mir eine Zigarette an - wenn sie verlischt, wird Krieg sein. Noch zwei Minuten, und der Krieg beginnt. Sonderbares und erregendes Gefühl, einen geschichtlichen Augenblick, dessen Tragweite gar nicht abzusehen ist, so bewußt, so unmittelbar zu erleben! 4.45 Uhr!… Der Krieg hat begonnen!… Aber dieser Krieg würde ja auch anders werden als der Weltkrieg. Nicht nur im Ausgang, daran gab es keinen Zweitel, auch sonst.“

Nach der Okkupation Polens bedauerte von Kielmansegg, daß vor den weiteren Aggressionen eine Kampfpause eingelegt wurde: „Wir hätten am liebsten gleich ‚weitergesiegt’…“

Als neun Monate später die faschistische Kriegsmaschine im Westen in Bewegung gesetzt wurde, frohlockte er: „Deutsches soldatisches Können und Organisation hatten es wirklich dahin gebracht, daß nur auf den berühmten Knopf gedrückt zu werden brauchte, und es ging los.“

Nachdem die faschistischen Aggressionsarmeen am Nordkap, am Kanal und an der Biskaya standen, brannte er darauf, unbedingt bei der „Erringung des Endsieges“ dabeizusein.

„Wir können melden, daß wir den Auftrag, den die Geschichte, Deutschland und der Führer uns gestellt haben, durchführten bis zum letzten, und wir können melden, daß wir bereit sind, genau so den Auftrag durchzuführen, der als einziger noch zwischen uns und der Freiheit steht, die Vernichtung Englands.“

„Über Gräber vorwärts!“

Tod und Vernichtung, brennende Städte und Dörfer markierten den Weg der in Polen eingefallenen Armeen. Das Vernichtungswerk war so gründlich, „daß man auch bei schnellem Durchfahren glaubte, versengt zu werden“. Hand in Hand damit begann der Terror der faschistischen Okkupanten gegen die Zivilbevölkerung. „In diesem Dort Polichno führten wir übrigens zum erstenmal ein Verfahren zur unmittelbaren Sicherung der Nachtruhe durch, was dann später zur Regel wurde und sich sehr bewährt hat. Sämtliche Dorfbewohner, die zurückgeblieben waren, wurden in einem großen Hof zusammengetrieben und für die Nacht eingesperrt…“

Von Kielmansegg rekelte sich im Amtssessel des früheren polnischen Staatspräsidenten und triumphierte:

„Ich saß auf dem Stuhl des Oberhauptes eines Staates, den wir nicht nur einfach militärisch besiegt hatten, sondern der durch unseren Sieg ausgelöscht war aus der Geschichte, entgegen deren Sinn er, künstlich ins Leben gerufen, zwanzig Jahre lang versucht hatte, zu existieren…“

Als es gegen Luxemburg, Belgien, die Niederlande und Frankreich „endlich losging“, jubelte er über die Bombardierung von Sedan:

„Vier Stunden dauerte dieses großartige, überwältigende Schauspiel… Ein wunderbares Bild entwickelt sich vor unseren Augen. An dem brennenden Avancon vorbei, auf dem noch das Feuer der deutschen Artillerie liegt, walzen die Panzer jeden Widerstand vor sich nieder …“

Von Kielmanseggs Devise lautete: „‚Über Gräber vorwärts!’ In diesem Augenblick können wir uns mit berechtigtem Stolz und in tiefer Freude sagen, daß wir im Begriff sind, dieses Wort in einem wunderbaren Sinn wahrzumachen.“ Im Siegestaumel des faschistischen Aggressors triumphierte Kielmansegg nach der Kapitulation des „Erbfeindes Frankreich“: „Keine zehn Jahre war es her, daß noch die Trikolore auf dem Ehrenbreitstein flatterte. Daß es seit dem Tag, wo sie dort niederging, nur zehn Jahre weniger zehn Tage sein würden, wo Frankreich zerschmettert und besiegt den Waffenstillstand des Jahres 1940 im Walde von Compiegne unterzeichnen würde, das ahnte allerdings keiner von uns an diesem 11. Mai.“

Vom Rassenwahn getrieben

Rassenwahn und Herrenmenschentum ziehen sich wie ein roter Faden durch das Machwerk des Grafen Kielmansegg. So schrieb er im „Stürmer“-Jargon auf Seite 61 über eine polnische Ortschaft: „Die Häuser starrten vor Schmutz, die Luft war kaum zu atmen. Erklärlich wurde das, wenn man die fast durchweg jüdischen Einwohner sah.“

In Frankreich, meinte er, herrsche „eine Atmosphäre der Verwahrlosung und der Verkommenheit“. Es mache den „Eindruck eines stehengebliebenen Volkes“ und sei ein „leeres Land“. Deshalb: „‚Raum ohne Volk’ - Frankreich… ‚Volk ohne Raum’ - Deutschland.“

Das Rezept zur Änderung dieses Zustandes gab Kielmansegg auf den Seiten 246/47, als er die Besetzung der französischen Stadt Beifort beschrieb: „Am Nachmittag endlich ist das Hotel de Ballon … selbst in unserer Hand und wird damit nach 22 Jahren und diesmal unwiderruflich wieder zum deutschen ‚Belchen’.“

Als „osterfahrener Panzerspezialist“ im Generalstab

Als 1. Generalstabsoffizier (Ia) der 6. Panzerdivision der Heeresgruppe Nord brach von Kielmansegg in die Sowjetunion ein. Sein Ziel war die rasche Eroberung von Leningrad. Nach dem Scheitern dieses Planes entwarf er den Divisionsbefehl Nr. 50 vom 18. September 1941, in dem es demagogisch heißt: „Das Schicksal Petersburgs ist besiegelt und nur noch eine Frage der Zeit.“ Die Losung sei: „Für Führer und Vaterland alles daran zu setzen, bis die endgültige Entscheidung errungen und Deutschlands Zukunft gesichert ist.“

Anfang 1944 wurde von Kielmansegg auf Grund seiner „Osterfahrungen“ als 2. Generalstabsoffizier in die Operationsabteilung des Generalstabes des Heeres geholt, deren Chef der Kriegsverbrecher Heusinger war. Dort wertete er die „Lagemeldungen“ aus, stellte sie zu Gesamtberichten zusammen und gab sie „als Anleitung zum Handeln“ an die Heeresgruppen heraus.

In einigen durch von Kielmansegg unterzeichneten „Geheimen Kommandosachen“ (Siehe auch Tafel 34) heißt es:

„Stand 3.4.44, 12.00 Uhr

I. Frankreich

… 80 Einwohner erschossen, 20 festgenommen… Mehrere Lager und Häuser zerstört, 24 Terroristen erschossen, 107 festgenommen.“ (IMT, Dok. NO. NOKW - 1557 CONT’D, S. 17)

„Stand 4.4.44,12.00 Uhr

I. Frankreich

Fortsetzung Säuberungsunternehmen Department Dordogne, mehrere Lager und Häuser zerstört, 19 Terroristen erschossen. Beute an Kfz. und Waffen.“ (A. a. O., S. 19)

„Stand 12. 2. 44, 06.00 Uhr…

b) Serbien:

Im Banat Sühneerschienen von 40 Kommunisten.“ (A. a. O., S. 34)

„I. Frankreich, Stand 13.7.44, 06.00 Uhr …

A.O.K. 1:18 Terroristen erschossen, umfangreiche Beute …

A.O.K. 19:… 15 Terroristen erschossen …

Mil. Befh. F..-156 Terroristen erschossen.“ (A. a. O., S. 37 f.)

Sein erstes Gebot: „Vorwärtsstrategie“

Unter Heusinger und Speidel war von Kielmansegg einer der ersten militärischen Berater Adenauers und maßgeblich am Aufbau der Bonner Aggressionsarmee beteiligt. Für ihn ist die „Vorwärtsstrategie“ ebenso wie das Atommachtstreben erstes Gebot.

Bereits am 6. Januar 1955 schrieb er in einem Leitartikel der „Welt“: „Wer die Verteidigung der Bundesrepublik bejaht, muß fordern, daß diese an der Zonengrenze, und zwar operativ wirksam beginnt.“

Heute befiehlt dieser faschistische Aggressionsoffizier über alle NATO-Landstreitkräfte zwischen Hamburg und den Alpen. Neben westdeutschen, niederländischen, belgischen, britischen, amerikanischen und kanadischen Soldaten sind es Angehörige des großen französischen Volkes, das vor 25 Jahren durch den Chauvinisten und Rassenfanatiker von Kielmansegg in gemeinster Weise beleidigt und entwürdigt wurde.

Heusinger, Adolf

VOM CHEFPLANER HITLERS ZUM CHEFPLANER ADENAUERS

Als Fahnenjunker trat Heusinger 1915 in das Kaiserliche Heer ein und nahm am Krieg gegen Frankreich teil. Nach dem ersten Weltkrieg wurde er in die Reichswehr übernommen und erwarb als Oberleutnant in den Lehrgängen für „Führergehilfen“ der illegalen Kriegsakademie die Spezialkenntnisse für seine spätere Tätigkeit im Generalstab. 1929 kam er in das Reichswehrministerium.

Im „Führungsstab der Heeresleitung“, Tarnbezeichnung des verbotenen Generalstabes, half er mit, den deutschen Imperialisten wieder eine schlagkräftige Armee in die Hände zu geben.

Mit der Machtergreifung der Hitlerfaschisten begann Heusingers Karriere. Von 1935 bis 1937 sammelte er als Generalstabschef der 11. Division „Erfahrungen in der Truppenführung“ und wurde danach zum 1. Generalstabsoffizier der Operationsabteilung des Oberkommandos des Heeres berufen.

Von nun an plante und bestimmte er alle militärischen Operationen der faschistischen Wehrmacht mit und erwarb sich das besondere Vertrauen Hitlers. 1940 wurde er Chef der Operationsabteilung des Generalstabes des Oberkommandos des Heeres und 1943 stellvertretender Chef des Generalstabes des Heeres.

Während seiner Tätigkeit im Generalstab des Heeres entstanden - größtenteils bereits im Frieden - unter aktiver Mitwirkung Heusingers und anderer die Aggressionspläne gegen die Tschechoslowakei, Polen, Norwegen und Dänemark, gegen Holland, Belgien, Luxemburg und Frankreich, gegen Griechenland und Jugoslawien, Afrika, Sowjetunion, Ägypten, Italien, Ungarn, Rumänien, England, Schweiz, Portugal und Spanien.

Auf Grund dieser Überfallpläne wurden unter Heusingers Leitung in vielen „Geheimen Kommandosachen“ die verschiedenen Angriffsoperationen des faschistischen Heeres bis ins einzelne festgelegt.

So wurden zum Beispiel in der „Geheimen Kommandosache“ Nr. 4402/39 der Operationsabteilung des Generalstabes des Heeres vom 7. Oktober 1939 Vorbereitungen zum Einfall in Holland und Belgien getroffen. In dem von Heusinger unterzeichneten Dokument heißt es:

„Gleichzeitig hat Heeresgruppe B entsprechend besonderer Anweisung alle Vorbereitungen zu sofortigem Einrücken in holländisches und belgisches Gebiet zu treffen, falls die politische Lage es erfordert. Den Befehl zum Einrücken gibt OKH. Bis dahin ist jede Grenzverletzung holländischen oder belgischen Gebiets peinlichst zu vermeiden.“

Die Praktiken der faschistischen Kriegführung unterstützte Heusinger auch bei der Vorbereitung des Überfalls auf Jugoslawien, der den Decknamen „Marita“ trug. In einer „Geheimen Kommandosache“ vom 27. März 1941 über eine Lagebesprechung zu Jugoslawien, an der Heusinger teilnahm, heißt es:

„Führer ist entschlossen, ohne mögliche Loyalitätserklärungen… alle Vorbereitungen zu treffen, um Jugoslawien militärisch und als Staatsgebilde zu zerschlagen… Es kommt darauf an, daß so schnell wie möglich gehandelt wird … Politisch ist es besonders wichtig, daß der Schlag gegen Jugoslawien mit unerbittlicher Härte geführt und die militärische Zerschlagung in einem Blitzunternehmen durchgeführt wird… In diesem Zusammenhang muß der Beginn der Barbarossa-Unternehmung bis zu 4 Wochen verschoben werden.“ (H. A. Jacobsen, 1939-1945, Der zweite Weltkrieg in Chronik und Dokumenten, Wehr und Wissen, Verlagsgesellschaft Darmstadt 1959, S. 202)

Heusinger plante aber nicht nur die Überfälle der Faschisten, sondern leitete unmittelbar auch den Einsatz der faschistischen Wehrmacht gegen unschuldige Frauen, Kinder und Greise in den überfallenen Ländern im Rahmen der „Bandenbekämpfung“' und bei der Anwendung der „Taktik der verbrannten Erde“.

So ließ die Operationsabteilung des Heeres, deren Chef Heusinger war, als „Vergeltung“ für einen am 28. August 1942 erfolgten Angriff sowjetischer Partisanen gegen die Eisenbahnstation Slawnoje und die dort stationierte Garnison der faschistischen Polizei und Gestapo über 100 Geiseln, darunter Frauen, Greise, Kinder und Jugendliche, ermorden. In dem Telegramm Nr. 11 027/42 ss der Operationsabteilung des Heeres an das Oberkommando der Heeresgruppe Mitte heißt es:

„Der Führer fordert Vergeltungsmaßnahmen mit Anwendung schärfster Abschreckungsmaßnahmen wegen des Überfalls der Partisanen auf Slawnoje. Über die getroffenen Maßnahmen ist zu berichten.“

Heusinger, Mitwisser des Sprengstoff-Attentats auf Hitler, wurde nicht etwa wie alle anderen auch nur entfernt Beteiligten erschossen oder dem Henker ausgeliefert, sondern nach seiner kurzen Haft von Hitler persönlich empfangen und rehabilitiert. Über eine von Heusinger während seiner Haftzeit verfaßte „Denkschrift“ äußerte Hitler:

„Ich habe Ihre Denkschrift aus der Haft studiert. Ich danke Ihnen dafür.“ (A. Heusinger, Befehl im Widerstreit, Tübingen, S. 236)

In dieser Denkschrift für den „Endsieg“ empfahl Heusinger, als neues Kanonenfutter die 15- und 16jährigen sowie alle älteren Jahrgänge bis zu 60 Jahren einzuziehen. Ende September 1944 wurde Heusinger „rehabilitiert“ - Mitte Oktober 1944 befahl Hitler die Aufstellung des Volkssturmes.

Während seiner „Kriegsgefangenschaft“ war Heusinger ständiger Ratgeber der kriegshistorischen Abteilung der US-Armee, wertete „Erfahrungen“ aus und bereitete sich so für zukünftige Aufgaben vor.

Nach seiner Entlassung wurde aus dem Günstling Hitlers der Günstling Adenauers. Zusammen mit Speidel wurde Heusinger dessen Berater in militärischen Fragen. So wie Heusinger einst für Hitler unentbehrlich war, wurde er es nunmehr auch für Adenauer.

1950 wurde er offizieller Berater der Bundesregierung für „Sicherheitsfragen“ und „Angestellter“ der „Dienststelle Blank“, dem illegalen Kriegsministerium. Hier plante er den Aufbau der neuen Wehrmacht und nahm an allen wichtigen Beratungen teil. 1952 wurde Heusinger Chef der Militärabteilung im „Amt Blank“.

„Die harten Jahre im ‚Amt Blank’ - Jahre selbstloser, umstrittener, Ungewisser Warte- und Vorbereitungsarbeit -, die an alle Beteiligten große Anforderungen stellten -, wurden schließlich, nachdem die Deutschland-Verträge eine neue Form der Sicherheitspolitik auf nationaler Basis innerhalb der NATO ermöglichen, 1955 belohnt durch den Neuaufbau deutscher Streitkräfte, an dem Heusinger und Speidel führenden Anteil nahmen.“ (Das neue Journal, 26. Februar 1958)

Im November 1955 übernahm Heusinger den Ständigen Vorsitz im Militärischen Führungsrat der Bundeswehr und wurde am 1. März 1957 ihr erster Generalinspekteur. Vom 1. April 1961 bis 29. März 1964 war dieser ehemalige stellvertretende Heeres-Generalstabschef Hitlers Vorsitzender des „Ständigen Militärausschusses der NATO“ in Washington und damit praktisch deren Generalstabschef. Damit hatten die westdeutschen Imperialisten drei Jahre lang eine der wichtigsten Stellen der NATO besetzt, in der Heusinger entscheidenden Einfluß auf die strategische Konzeption der NATO ausübte, den Griff der Bonner Hitlergenerale nach Atomwaffen vorbereitete und in steigendem Maße westdeutsche Generale auf einflußreiche NATO-Posten lancieren half.

Wie der Kriegsverbrecher Speidel trat auch sein Komplice Heusinger nach seiner Pensionierung nicht in den Ruhestand. Die führende Partei der westdeutschen Monopole, die CDU/CSU, machte ihn zu ihrem militärischen Berater. In dieser Position erarbeitet Heusinger heute unter Adenauer, Erhard und Barzel wieder die Pläne zur totalen Militarisierung, wie er es sogar während seiner „Haftzeit“ für Hitler tat. Verwirklichung der atomaren „Vorwärtsstrategie“, Drängen nach Atomwaffen, Massenmobilisierung und Notstandsgesetze sind untrennbar mit seinem Wirken verbunden. Der Kriegsverbrecher Heusinger war und ist d e r militärische Exponent und einer der Hauptverfechter der aggressiven, volksfeindlichen Politik des Bonner Staates.

Speidel, Hans

KRIEGSVERBRECHER UND MILITÄRBERATER DER BONNER REGIERUNG

Dr. Hans Speidel steht seit 1914 im Dienste des deutschen Militarismus. Nach dem ersten Weltkrieg trat er zur Reichswehr über, wurde als „Führergehilfe“ (Generalstabsoffizier) ausgebildet und 1930 als Hauptmann in das Frankreich-Referat der 3. Abteilung des illegalen Generalstabes übernommen. Mit der Machtergreifung Hitlers im Jahre 1933 kam Speidel als Gehilfe des Militärattaches zur deutschen Botschaft nach Paris und organisierte dort die Spionage gegen Frankreich. Anschließend wurde er Leiter der Abteilung „Fremde Heere West“ im Generalstab des Heeres, in der er die militärischen Unterlagen für den Überfall auf die westeuropäischen Länder beschaffte, auswertete und die entsprechenden Pläne mit ausarbeitete. An der Vorbereitung und Durchführung des Überfalls auf Frankreich war Speidel als 1. Generalstabsoffizier des IX. Armeekorps bzw. der Heeresgruppe B unmittelbar beteiligt. Am 14. Juni 1940 wurde er Chef des Generalstabes beim Militärbefehlshaber in Paris und am 1. August 1940 Chef des Generalstabes beim Militärbefehlshaber in Frankreich. Als solcher ist er mitschuldig an der Errichtung des grausamen Terrorregimes in Frankreich und an zahlreichen Verbrechen an der französischen Zivilbevölkerung. Die Ergebnisse dieser verbrecherischen Tätigkeit faßte Speidel in seinen Meldungen über „Stimmung und innere Sicherheit“ zusammen, in denen er über die barbarischen „Sühnemaßnahmen“ unter seiner Aufsicht gegen die französische Zivilbevölkerung berichtete.

So heißt es in seinem am 28. Februar 1942 verfaßten Lagebericht an den Kriegsverbrecher Keitel:

„Folgende Sühnemaßnahmen wurden in der Berichtszeit befohlen: 100 Kommunisten und Juden wurden nach Compiegne zwecks Deportation nach dem Osten überführt.

In Rouen wurden umfangreiche Razzien auf Kommunisten und Juden durchgeführt, die zu zahlreichen Verhaftungen führten. In Zusammenhang mit den Maßnahmen … wurde für das gesamte besetzte Gebiet die Überführung von 1000 Kommunisten und Juden in deutsche Halt angeordnet. Diese sind zur Deportation nach dem Osten bereitgestellt.“

Im März 1942 kam Speidel zunächst als Chef des Generalstabes des V. Armeekorps und später als Chef des Generalstabes der 8. Armee nach der Sowjetunion. Dort setzte er seine Verbrechen in großem Ausmaß fort. Er gehörte mit zu den Hauptplanern und Vollstreckern der „Taktik der verbrannten Erde“, die in seinem Bereich in der grausamsten Weise verwirklicht wurde. Ganze Landschaften wurden von der faschistischen Wehrmacht in tote Zonen verwandelt.

Im April 1944 tauchte der inzwischen zum Generalleutnant beförderte und für seine Verbrechen in der Sowjetunion mit dem Ritterkreuz dekorierte Speidel wieder in Frankreich auf. Diesmal als Chef des Generalstabes der von Rommel geführten Heeresgruppe B. Hier wollte er seine beim Rückzug der geschlagenen Hitlerarmeen in der Sowjetunion gesammelten „Erfahrungen“ erneut praktizieren. So gab er im August 1944 ohne Skrupel den Befehl weiter, wonach Paris in ein Trümmerfeld verwandelt werden sollte. Daß dieser Befehl später nicht ausgeführt wurde, ist nicht Speidels Verdienst.

Im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 wurde Generalfeldmarschall Rommel von den Nazis zum Selbstmord getrieben. Sein Stabschef und Vertrauter Speidel blieb ungeschoren.

Nach 1945 ließ sich Speidel in Süddeutschland als „Geschichtsforscher“ nieder, bis Adenauer ihn und seinen Komplicen Heusinger im Jahre 1950 zu seinen militärischen Beratern ernannte.

Speidel wurde westdeutscher „Sachverständiger“ bei den Verhandlungen über einen „Sicherheitsbeitrag Westdeutschlands“ und Chefdelegierter bei den EVG-Verhandlungen. Nach dem Scheitern dieses Projekts durch das Veto der französischen Nationalversammlung war Speidel einer der Hauptverfechter der Aufnahme Westdeutschlands in den aggressiven NATO-Pakt und einer der militärischen Verhandlungsführer.

Nachdem Westdeutschland Mitglied der NATO geworden war und das Kriegsministerium offiziell gebildet wurde, wurde Speidel Leiter der „Abteilung Streitkräfte“. Bereits dort und unmittelbar danach als Befehlshaber der NATO-Landstreitkräfte Europa-Mitte setzte Speidel alles daran, die Konzeption des wiedererstandenen faschistischen Generalstabes und dessen Einflußmöglichkeiten in der NATO durchzusetzen und zu erweitern.

Aus dem Anlaß der Pensionierung Speidels am 31. März 1964 bestätigte das Militaristenorgan „Wehrkunde“, München, Heft 4/1964:

„Ihm ist es zu danken, daß sich die Verteidigungsvorstellungen bei SHAPE im Laufe der Jahre entscheidend wandelten, um schließlich zur Formung der Vorwärtsstrategie zu führen, die das Gesamtgebiet der Bundesrepublik in das Konzept einer nachhaltigen Verteidigung einbezieht.“

Die Pensionierung bedeutete für Speidel jedoch nicht die Versetzung in den Ruhestand. Nachdem Speidel die atomare „Vorwärtsstrategie“ bei der NATO durchgesetzt hat, ist er nunmehr „Sonderberater der Bundesregierung in NATO-Fragen“ und einer der Hauptdrahtzieher bei dem Griff der Bonner Militaristen nach Atomwaffen, zur Durchsetzung der totalen Kriegsvorbereitung und der Errichtung der Notstandsdiktatur. Sein Einfluß ist nicht kleiner, sondern größer geworden.

Rogge, Bernhard

KAPERKAPITÄN UND SOLDATENMÖRDER

heute:
Militärberater in Schleswig-Holstein.

Nachdem Rogge von 1915 bis 1917 in der kaiserlichen Marine am ersten Weltkrieg teilgenommen hatte, trat er 1920 in die Reichsmarine ein und wurde Spezialist für die Erziehung der Seeoffiziere. So war er Ausbildungsleiter auf dem Segelschulschiff „Niobe“ und übernahm 1930 das Kommando als Kadettenausbildungsoffizier auf dem Kreuzer „Emden“. Danach wurde er militärischer Referent bei der Inspektion des Bildungswesens in Kiel und Kommandant der Segelschulschiffe „Gorch Fock“ und „Albert Leo Schlageter“.

Bei Beginn des faschistischen Raubkrieges war er als Kapitän zur See Kommandant des Hilfskreuzers „Atlantis“, mit dem er fast zwei Jahre auf allen Weltmeeren ohne jede Rücksicht auf die Regeln des Seekriegsrechts Piratenstreifzüge durchführte. Unter den verschiedensten Tarnungen und sogar unter fremden Flaggen versenkte und kaperte Rogge mit seinem Hilfskreuzer insgesamt 22 Handelsschiffe. Von Hitler erhielt er dafür das Ritterkreuz und das Eichenlaub.

In den Jahren 1942/44 war Rogge Chef des Stabes bzw. Inspekteur des Bildungswesens der Marine. Als die in den baltischen Sowjetrepubliken vernichtend geschlagenen faschistischen Truppen zurückfluteten, wurde Rogge als Vizeadmiral zum Befehlshaber des Ausbildungsverbandes der Flotte ernannt, der als „Kampfgruppe Rogge“ in der Ostsee eingesetzt wurde. Mit seinem Flaggschiff, dem schweren Kreuzer „Prinz Eugen“, beschoß er rücksichtslos die baltischen und ostpreußischen Städte. Diese Einsätze vergrößerten und verlängerten das sinnlose Blutvergießen der deutschen Soldaten und die Leiden der gepeinigten Bevölkerung in diesen Gebieten.

Als die Reste des Kriegsschiffsverbandes Rogge in Schleswig-Holstein angekommen waren, die Auflösung der Wehrmacht große Ausmaße annahm und die faschistische Führung bereits bedingungslos kapituliert hatte, bestätigte Rogge als „Gerichtsherr“ noch am 6. bzw. 10. Mai 1945 mindestens vier Mordurteile gegen deutsche Marineangehörige. So wurden die Hauptgefreiten Willi Albrecht, Karl-Heinz Freudenthal und Günther Källander am 6. Mai 1945 zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Am 11. Mai 1945, also drei Tage nach der Kapitulation, wurde der Gefreite Christian Lüß im Hauptquartier des Hitlernachfolgers und Kriegsverbrechers Dönitz in Flensburg-Mürwik erschossen, weil der Soldat sich „aufsässig geäußert“ habe.

Obwohl sich die Angehörigen der Gemordeten ständig um die Aufklärung des Schicksals der Soldaten bemühten, schwieg Rogge 20 Jahre lang und gab sich als Biedermann.

Nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft wurde er durch den damaligen Oberpräsidenten von Schleswig-Holstein, den CDU-Politiker und Adenauer-Freund Theodor Steltzer, mit Zustimmung der britischen Militärregierung kommissarischer Landrat des Landkreises Schleswig. Bald jedoch hielt er es für angebracht, zunächst aus dem öffentlichen Leben zu verschwinden und in der westdeutschen Industrie unterzutauchen, bis er 1957 als Konteradmiral in der Bundeswehr eingestellt wurde.

Rogge war bis zu seiner Pensionierung im März 1962 Befehlshaber im Wehrbereich I für Schleswig-Holstein und Hamburg. Seit dieser Zeit fungiert er als Berater für „zivile Verteidigungsfragen“ der Landesregierung Schleswig-Holstein.

Gericke, Walter

TRETTNER-KOMPLICE BAUTE DIE BONNER FALLSCHIRMTRUPPE AUF

bis 31. März 1965
Kommandeur der 1. Luftlandedivision der Bundeswehr.

Gerickes militärische Karriere begann im Jahre 1929 auf der erzreaktionären preußischen Polizeischule in Brandenburg. Als Angehöriger des aus der faschistischen Polizeiabteilung Wecke entstandenen „Regiments General Göring“ wurde der damalige Oberleutnant Gericke 1935 Luftwaffenoffizier und einer der ersten Ausbilder und Kommandeure der göringschen Fallschirmtruppe. Seine Hauptsorge bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges war: „Ja, wenn es doch wirklich einmal Ernst würde!“ (W. Gericke, Fallschirmjäger hier und da. Schützen-Verlag, Berlin 1941, S. 46)

Nach der Teilnahme am Überfall der faschistischen Truppen auf Polen erfolgte sein erster Fallschirmeinsatz bei der Besetzung Dänemarks, für den Hitlers getreuer Stabsoffizier Trettner die Pläne ausarbeitete. Mit Trettner fiel er in Holland ein. Als Bataillonskommandeur im Fallschirmjägersturmregiment landete er auf Kreta. Kein Dokument könnte besser die verbrecherische und menschenverachtende Einstellung dieses Erzfaschisten zeigen, als seine eigene Schilderung des Überfalls auf die Mittelmeerinsel:

„Warte, Du Schwein! Und am Weinberg erwischen sie ihn. Eine geballte Ladung fliegt. Qualm und Eisensplitter wirbeln hoch empor. Erledigt… Wie doch die Jäger die Gesichter unter den flachen Helmen hassen! Und sie feuern hinein, was das Zeug hält… Eine Matratze ‚ohne’ habe ich auch, nur kein Bettlaken, also muß die blauweiße Griechenflagge, die in einem Regal gefunden wird, dazu herhalten…“ (W. Gericke, Von Malemes bis Chania, Verlag Die Wehrmacht, Berlin 1943, S. 52 ff.)

Nach längerem Einsatz in der Sowjetunion kam er nach Italien und löste dort in enger Zusammenarbeit mit dem Kriegsverbrecher Trettner „Sonderaufgaben“ bei der Vernichtung italienischer Freiheitskämpfer. Als Kommandeur einer Sonderkampfgruppe versuchte er vergeblich, den vom faschistischen Deutschland abgefallenen italienischen Generalstab gefangenzunehmen.

Mehrmals wurde Gericke für spezielle Ausbildungsaufgaben eingesetzt; so als Ausbildungsleiter an der Fallschirmjägerschule Stendal, Lehrgangsleiter für Kompanie- und Bataillonsführer an der Erdkampfschule der Luftwaffe in Mourmelon und La Courtine (Frankreich) und als Leiter der Führerschule beim I. Fallschirmjägerkorps in Verona.

Gericke führte jeden Auftrag der faschistischen Führung ohne Skrupel aus. Wegen seines eigenen Ruhmes trieb er zuletzt als Oberst und Kommandeur der 11. Fallschirmjägerdivision am Niederrhein Soldaten und Zivilisten in den Tod. Dafür erhielt er von Hitler höchste faschistische Orden.

Die totale Niederlage des deutschen Faschismus und Militarismus waren für Gericke kein Grund, seiner faschistischen Gesinnung zu entsagen. 1955 setzte er seine in der Nazi-Zeit begonnene Buchserie zur Verherrlichung der faschistischen Fallschirmtruppe unter dem Titel „Da gibt es kein Zurück“ fort.

Ebenso emsig widmete er sich als „Textilkaufmann“ besonders der Sammlung ehemaliger Fallschirmjäger. Als Schriftleiter des Mitteilungsblattes der Fallschirmjägervereinigung „Der deutsche Fallschirmjäger“ sorgte er für die Verbreitung militaristischen Gedankengutes, bis er als einer der ersten Fallschirmjägeroffiziere der ehemaligen Hitlerwehrmacht in die Bundeswehr eintrat.

In Anerkennung seiner rücksichtslosen Kampfesweise und faschistischen Abrichtemethoden wurde Gericke zum Kommandeur der Luftlandeschule der Bundeswehr ernannt und bildete, wie unter Hitler, Fallschirmjäger aus. Als Generalmajor und Kommandeur der 1. Luftlandedivision wurde er am 31. März 1965 in den „einstweiligen Ruhestand“ versetzt.

Maizière, Ulrich de

VERTRAUENSPERSON IM FÜHRERBUNKER

heute:
Inspekteur des Bonner Heeres, Generalleutnant.

Ulrich de Maiziere ist ein Offizier, der durch die Schule des faschistischen Generalstabs ging. Nachdem er als Regimentsadjutant am Überfall auf Polen teilgenommen hatte, kam er zur Generalstabsausbildung an die Kriegsschule Dresden. Danach wurde er 1. Ordonnanzoffizier im Stab der Heeresgruppe C und beim Einfall in die Sowjetunion 2. Generalstabsoffizier (Ib) der 18. Infanteriedivision (mot).

Seine ersten „Osterfahrungen“ wertete de Maiziere in den Jahren 1942/43 als Referent in der Organisationsabteilung des Generalstabes des Heeres unter Leitung des späteren Bundeswehrgenerals Müller-Hillebrand aus. Ab 1. Mai 1943 begann er, als 1. Generalstabsoffizier (Ia) der 10. Panzergrenadierdivision den sich abzeichnenden Zusammenbruch der Heeresgruppe Süd in der Ukraine und in Rumänien aufhalten zu helfen.

De Maiziere genoß das besondere Vertrauen Hitlers und der faschistischen Wehrmachtsführung. Er wurde noch im Februar 1945 in den „Führerbunker“ geholt. Dort berichtete er als Oberstleutnant i.G. und 1. Generalstabsoffizier (Ia) der Operationsabteilung des Generalstabes des Heeres regelmäßig vor Hitler über die Lage und sorgte für die Arbeitsfähigkeit dieses eingeschlossenen „Befehlsstandes“ Hitlers, Bormanns und Goebbels.

So berichtete er am Abend des 23. März 1945:

„Es ist jetzt schon so, daß weite Teile, soweit die Anlage oben noch nicht wieder instand gesetzt ist, unten arbeiten. Zum Beispiel General Krebs, der Chef der Operationsabteilung, arbeitet an sich unten. Für den Apparat, der jetzt da ist, geht es also, auch wenn die Gebäude über der Erde zerstört sind.“ (H. Heiber, Lagebesprechungen im Führerhauptquartier, Deutscher Taschenbuchverlag GmbH, München 1964)

Als die Zerschlagung der letzten Widerstandsnester in Berlin durch die Sowjetarmee ihrem Ende entgegenging, wurde de Maiziere zu Hitlernachfolger Dönitz geschickt, der sich in Schleswig-Holstein befand. Dort sollte er als 1. Generalstabsoffizier (Ia) der Einsatzabteilung Heer die Operationsabteilung des Generalstabes in Gang halten und das Intrigenspiel des Kriegsverbrechers Dönitz auf Separatabsprachen mit den Alliierten unterstützen.

Nach der totalen Niederlage des Faschismus und seiner Kriegsmaschine gehörte de Maiziere mit zu den ersten Hitleroffizieren, die die Kriegsverbrecher Heusinger und Speidel zum Aufbau einer neuen Aggressionsarmee in das „Amt Blank“, das illegale Kriegsministerium, holten. Dort ist de Maiziere von Anfang an einer der eifrigsten Verfechter der Bonner „Vorwärtsstrategie“, der Atombewaffnung und der Notstandsgesetze.

In der „Wehrwissenschaftlichen Rundschau“, Westberlin-Frankfurt a. M., Heft 3/1964, schrieb er, „daß die in Verwirklichung stehende ‚Vorwärtsverteidigung’ vorwiegend einem ständigen deutschen Drängen zu verdanken sei… Die Forderung, auf Planung und Auslösung des A-Waffeneinsatzes Einfluß zu erhalten, ist ein weiterer wichtiger Schritt in dieser Richtung (die Verwirklichung der Vorwärtsstrategie - d. Hrsg.) …“

Panitzki, Werner

DER LUFTKRIEGSEXPERTE

heute:
Chef der Bonner Luftwaffe, Generalleutnant.

Werner Panitzki gehörte zu den Operationsspezialisten der Nazi-Luftwaffe und war einer der Vertrauten des Kriegsverbrechers Göring. Nach dem Besuch der Luftkriegsakademie wurde er 1. Generalstabsoffizier der Luftflotte 1 unter dem Kriegsverbrecher Kesselring. Als Staffelkapitän im „Edelweißgeschwader“ nahm Panitzki an den Raubzügen gegen Norwegen, Frankreich und an den Terrorangriffen gegen England teil.

1942/43 plante Panitzki als 1. Generalstabsoffizier die Einsätze der Luftflotte 3 und ist damit mitverantwortlich für die barbarische Bombardierung britischer Städte. Ab Herbst 1944 holte Göring Panitzki als 1. Generalstabsoffizier der Operationsabteilung in seinen Generalstab.

In amerikanischer Kriegsgefangenschaft, einem „Speziallager für höhere Offiziere“, befaßte er sich mit der Auswertung „kriegsgeschichtlicher Erfahrungen“ und arbeitete an Plänen für die Remilitarisierung Westdeutschlands.

1952 wurde er von der Adenauer-Regierung in das „Amt Blank“ berufen. Als Leiter der Planungsgruppe der Luftwaffe sowie als Mitglied des Bonner militärischen Führungsstabes baute er den neuen westdeutschen Luftwaffenstab auf. 1957 war Panitzki unter Kriegsverbrecher General Heusinger Chef des Stabes im Führungsstab der Bundeswehr. Heute ist er als Inspekteur der Bonner Luftwaffe einer der gefährlichsten Scharfmacher in der Bundeswehrführung, die seit Jahren nach Atomwaffen strebt.

Im September 1964 forderte Panitzki erneut weitreichende Atomraketen für die Bundeswehr, denn „ohne eine an Zahl und Reichweite ausreichende Rakete könne die (west-)deutsche Luftwaffe auf die Dauer nicht die ihr von der NATO gestellte Aufgabe erfüllen“. (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurt a.M., 19. September 1964)

Zenker, Karl-Adolf

MIT HITLER GEGEN NORWEGEN, DÄNEMARK UND HOLLAND

heute:
Inspekteur der Bonner Kriegsmarine, Vizeadmiral.

Karl-Adolf Zenker ist der dritte Admiral in den Generationen der Zenker, die im Dienste des deutschen Imperialismus standen, dessen militärische Raubzüge planten und an ihrer Durchführung entscheidenden Anteil hatten. Der Großvater war kaiserlicher Admiral und Flaggoffizier; der Vater Chef der Marineleitung der Reichswehr und damit Vorgänger des Kriegsverbrechers Raeder.

Von 1939 bis 1941 war Karl-Adolf Zenker 3. Admiralstabsoffizier im Stab der Marine-Gruppenkommandos West bzw. Nord und arbeitete dort an den Plänen für die Überfälle auf Dänemark, Norwegen und die Niederlande, insbesondere für die Minenkriegführung in der Nordsee, mit. Nach verschiedenen Bordkommandos kam Zenker im Januar 1944 als Referent in die Operationsabteilung der Seekriegsleitung und war dort einer der treuesten Gefolgsleute Hitlers, Raeders und Dönitz’.

Im Juli 1951 wurde Zenker im „Amt Blank“ Marine-Referent bzw. Kommissarischer Leiter der Marineabteilung und hat in dieser Position die Pläne zum Aufbau der Bonner Kriegsmarine ausgearbeitet und durchgeführt. Diese Planung ist unmittelbar auf eine Aggression im Ostseeraum ausgerichtet. Bereits im Jahre 1954 schrieb Zenker: „Ist auch die Ostsee ein Randmeer, so führt sie doch weit in den Raum eines möglichen Gegners hinein und bildet für ihn eine offene Flanke, an der er verletzlich bleibt.“ (Bulletin der Bundesregierung, Bonn, 11. Februar 1954)

Nicht nur in der Zielsetzung, sondern auch in seinem Geist ist Zenker der alte faschistische Aggressionsoffizier geblieben. Das bewies er bei der ersten Rekrutenverpflichtung der Bundesmarine am 16. Januar 1956 in Wilhelmshaven, als er die Kriegsverbrecher Dönitz und Raeder zu Vorbildern für die Bonner Marine erklärte. Zenker sagte:

„Jeder von uns alten Marineleuten, die unter der Führung der beiden Großadmirale Dienst getan haben, weiß, daß … kein Makel an der Person unserer ehemaligen Oberbefehlshaber ist… Es hat sich für mich und alle meine Mitarbeiter in Bonn zuerst und ausschließlich die Frage erhoben, ob wir unsere Arbeit aufnehmen dürfen, solange unsere ehemaligen Oberbefehlshaber in Haft gehalten werden. Nur unter dem deutschen Gesichtspunkt der lebensnotwendigen Aufgabe der Verteidigung der gemeinsamen Freiheit kann man vertreten, daß wir uns über das Schicksal unserer alten Kameraden hinweggesetzt haben … In der Kenntnis des Charakters unserer alten Oberbefehlshaber, die immer die Pflichterfüllung und die Aufgabe vor die Person gestellt haben, war ich mir sicher, daß auch sie diese Haltung billigen würden. Ich habe die Freude gehabt, daß Großadmiral Raeder mir diese Einstellung nach seiner Freilassung bestätigt hat.“ (Leinen los, Nr. 2, Bremen, Februar 1956, S. 228)

Zenker verherrlicht damit nicht nur die Kriegsverbrecher Raeder und Dönitz, sondern holte sich von seinem Vorbild Raeder faktisch nachträglich die Erlaubnis zum Eintritt in die Bundeswehr - von jenem Raeder, der anläßlich einer Gedenkfeier für Hindenburg und Ludendorff in den ersten Jahren des „Dritten Reiches“ erklärte:

„Das deutsche Volk hat den aus dem Geiste des deutschen Frontsoldaten geborenen Nationalsozialismus zu seiner Weltanschauung gemacht und folgt den Symbolen seiner Wiedergeburt mit ebenso heißer Liebe wie fanatischer Leidenschaft. Es hat den Nationalsozialismus erlebt und nicht, wie so viele hilflose Kritiker draußen glauben, erlitten. Darum die klare und schonungslose Kampfansage an den Bolschewismus und an das internationale Judentum, deren völkervernichtendes Treiben wir zur Genüge am eigenen Volkskörper zu spüren bekommen haben.“ (Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 6, Köln, 20. Juni 1958)

Und in gleicher Richtung hetzte Dönitz am 12. Mai 1944:

„Was wäre aus unserer Heimat heute, wenn der Führer uns nicht im Nationalsozialismus geeint hätte! Zerrissen in Parteien, durchsetzt von dem auflösenden Gift des Judentums und diesem zugänglich, da die Abwehr unserer jetzigen kompromißlosen Weltanschauung fehlte, wären wir längst der Belastung dieses Krieges erlegen und der erbarmungslosen Vernichtung unserer Gegner ausgesetzt worden.“ (Ebenda.)

Maeder, Hellmuth

ABGEURTEILTER KRIEGSVERBRECHER

heute:
Leiter des Truppenamtes des Heeres, Generalmajor.

Hellmuth Maeder, Hitlergeneral und Kommandeur der Elitedivision „Großdeutschland“, wurde als Kriegsverbrecher abgeurteilt. Als Ordonnanzoffizier der 34. Infanteriedivision beteiligte er sich am Überfall auf Polen und als Bataillons-, Regiments- und Divisionskommandeur auf die Sowjetunion. Unter seinem Kommando standen zeitweilig litauische SS-Freiwilligenverbände. Als „Kampfkommandant“ von Schaulen wurde er von Hitler mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz dekoriert und zum Generalmajor befördert. Dann versuchte er als Kommandeur der Panzergrenadierdivision „Großdeutschland“ die Tage des Faschismus zu verlängern.

Maeder ist für unzählige Verbrechen der von ihm befehligten Einheiten verantwortlich und wurde dafür zu 25 Jahren Haft verurteilt. Als Bataillonskommandeur in der 297. Infanteriedivision nahm er in den Jahren 1941/42 an Greueltaten gegen sowjetische Bürger teil. Wider alles Kriegs-, Völker- und Menschenrecht wütete das von Maeder befehligte Bataillon besonders in den ersten Monaten nach dem Überfall in den von den faschistischen Truppen zeitweise okkupierten Gebieten. Einige Beispiele beweisen, mit welcher Brutalität und Grausamkeit das geschah. So raubten Ende Oktober 1941 die Soldaten des Bataillons Maeder den Bewohnern des Dorfes Wwedenko, Rayon Tschuguew, Hab und Gut. Später verschleppten Angehörige des Bataillons Maeder 20 sowjetische Einwohner nach Deutschland. Im November 1941 wurde die Bürgerin Tarussina bestialisch geschlagen und schließlich ermordet, da sie sich gegen eine Vergewaltigung wehrte. Der Bürger Michnew wurde mißhandelt, weil er versucht hatte, Widerstand gegen die Plünderungen zu leisten.

Maeders Soldaten verhafteten auch den Bewohner des Dorfes Wwedenko, Pastuchow. Er wurde verdächtigt, der Kommunistischen Partei anzugehören. 13 Tage hielt man ihn in einem kalten Raum gefangen und mißhandelte ihn. Am 14. Tag setzte man ihn auf einen glühendheißen Ofen. Dann führten die Faschisten ihn, an den Händen gefesselt, durchs Dorf. Auch im Dorf Gawrilowka des Tschuguewer Rayons wurden die Einwohner von den Angehörigen des Bataillons Maeder geplündert.

Dieser Kriegsverbrecher wurde nach seiner vorzeitigen Übergabe an die westdeutschen Behörden in die Bundeswehr eingestellt und leitet seit 1960 eine der wichtigsten Befehlsstellen des Bonner Heeres.

Übelhack, Friedrich

VERBRANNTE NORWEGENS ERDE

heute:
Befehlshaber der ausschließlich unter westdeutschem Befehl stehenden „Territorialarmee“, Generalleutnant.

Als Generalstabsoffizier der faschistischen Gebirgstruppe war Friedrich Übelhack an fast allen Aggressionen der Wehrmacht, angefangen vom Überfall auf Polen bis zum Einfall in die Sowjetunion, führend beteiligt.

Am 10. Dezember 1941 kam er als 1. Generalstabsoffizier (Ia) zum XXXV. (Gebirgs-)Armeekorps nach Nordfinnland und wurde später Ia der 20. (Gebirgs-)Armee bzw. beim „Wehrmachtsbefehlshaber Norwegen“. Dort plante er nach dem Ausscheiden Finnlands aus dem faschistischen Block besonders die „Absetzbewegungen „Birke“ und „Nordlicht“. Das war der von langer Hand vorbereitete Rückzug aus Nordfinnland und Nordnorwegen und hatte für diese Gebiete barbarische Zerstörungen zur Folge.

Am 21. Oktober 1944 wurden unter anderem das Nickelwerk und die Siedlung Kolosjoki sowie die Stadt Rovaniemi völlig zerstört und auch in Petsamo „die erforderlichen Zerstörungen durchgeführt“.

Der ehemalige Befehlshaber der 20. Armee, der abgeurteilte Kriegsverbrecher Rendulic, berichtete, daß seine Soldaten und Offiziere aus dem Gebiet nördlich des Lyngenfjords die Bevölkerung (etwa 40000 Menschen) nach Süden evakuierten und dort den Organen des faschistischen Reichskommissars Terboven übergaben.

Im „freigemachten Gebiet“ wurden alle Unterkünfte und Verkehrseinrichtungen, die Straßen, Brücken, Schiffe und Hafeneinrichtungen sowie ganze Städte, darunter Hammerfest, völlig zerstört.

Nach diesen Zerstörungen wurde Übelhack noch am 1. Januar 1945 zum Oberst i.G. befördert und zum 1. Generalstabsoffizier des Wehrmachtsbefehlshabers in Norwegen ernannt. Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Unterdrückung der norwegischen Widerstandsbewegung.

Seit dem 1. Mai 1956 ist Übelhack in der Bundeswehr und bekleidet seit dem 1. April 1964 eine Schlüsselstellung bei der totalen Militarisierung Westdeutschlands.

Er gehört ebenso wie der Kriegsverbrecher Trettner zur Clique ehemaliger Generalstäbler, die schon im zweiten Weltkrieg Planer des Todes und der „verbrannten Erde“ waren.

Gerlach, Heinrich

PREIST DIE FASCHISTISCHE DIKTATUR

heute:
Befehlshaber der Bonner Flotte, Vizeadmiral.

Vor Beginn des faschistischen Raubkrieges war Heinrich Gerlach Mitarbeiter im Stab des Oberkommandos der Kriegsmarine unter der Leitung des Kriegsverbrechers Raeder. Als 2. Admiralstabsoffizier im Stab des Führers der Torpedoboote bzw. der Zerstörer war Gerlach danach an der Vorbereitung und Durchführung der Marineoperationen bei den Überfällen auf Polen, Dänemark, Norwegen und Frankreich beteiligt. Während der Operation „Weserübung“, Überfall auf die nordischen Staaten, tat er sich besonders bei der faschistischen Besetzung Narviks hervor.

Danach wurde Gerlach 1. Admiralstabsoffizier der Operationsabteilung der Seekriegsleitung und arbeitete dort von Juni 1941 bis Dezember 1943 in entscheidender Position die Pläne zur weiteren Seekriegführung der Faschisten aus. Nach verschiedenen Flottenkommandos wurde Gerlach als Kapitän zur See zu Kriegsverbrecher Dönitz geholt und noch im Mai 1945 zum Chef des Stabes beim Oberbefehlshaber der Kriegsmarine ernannt.

Im Mai 1951 veröffentlichte Gerlach unter dem Titel „Über die ethischen Grundlagen einer neuen Wehrmacht“ eine Denkschrift, in der er das faschistische Führerprinzip verherrlicht und seine nazistische Gesinnung offen kundgibt. Er schreibt: „Alle Gewalt geht vom Volke aus - das bedeutet in der Praxis nicht etwa, daß die einzelnen Bürger in den öffentlichen Dingen einen unmittelbaren Einfluß ausüben. Die Masse der kleinen Leute ist überhaupt nicht fähig, sich ein eigenes Urteil zu bilden und selbständig zu handeln. Sie will regiert werden.“

Und das sind Gerlachs „Lehren“:

„Wie aber soll nun dieses neue Deutschland aussehen, für das es sich lohnt, zu leben und zu sterben? Selbstverständlich muß und soll das neue Gebäude auf den Fundamenten der Vergangenheit errichtet werden, ein Grundsatz, der nirgends so sehr zu betonen ist wie gerade beim Neuaufbau einer Wehrmacht … Wenn wir aus diesen Erfahrungen Nutzen ziehen wollen, ist es zunächst einmal notwendig, den Nationalsozialismus und das ganze Geschehen um das dritte Reich als ein Stück unserer deutschen Geschichte anzuerkennen. Ich mache gar keinen Hehl daraus, daß für mich nicht alles, was aus der Zeit des dritten Reiches herrührt, darum verwerflicher Irrtum ist…“

Und das sind seine „Schlußfolgerungen“:

„Bei allen Fehlern, die gemacht wurden, war doch vieles so vorbildlich, so sehr den Bedingungen der Zeit wie dem Charakter des Volkes angemessen, daß man es mit als gute Zukunft nehmen kann. Alle diese Mängel haben meines Erachtens ihre entscheidende Ursache darin, daß Adolf Hitler sich leider nicht auf die alte Führungsschicht unseres Volkes stützte… Man stelle sich einmal vor: Die ersten tausend Anhänger eines Parteiführers vom Format eines Hitlers überwiegend aus den Kreisen des guten alten Bürgertums, der Kirche, des Offizierskorps! Ich bin überzeugt, mit einer solchen Partei und diesen Alten Kämpfern hätte unsere Geschichte einen völlig anderen Verlauf genommen.“

Dieser Faschist befiehlt heute die Bonner Flotte.

Thilo, Karl-Wilh.

WÜTETE AUF DEM BALKAN

heute:
Kommandeur der 1. Gebirgsdivision, Generalmajor.

Der Hitleroberst und ehemalige Chef der Operationsabteilung beim Führungsstab Süd, Karl-Wilhelm Thilo, wütete besonders grausam auf dem Balkan. Der Weg seiner Einheit war von Brutalität und Terror, von massenhaften Erschießungen einheimischer und völlig unschuldiger Zivilisten gekennzeichnet.

Im April 1943 traf die 1. Gebirgsdivision von Bulgarien kommend in Jugoslawien ein. Bereits am 8. April erging der Befehl über die „Sühnemaßnahmen gegen Aufständische“ an alle Einheiten der Division. Dieser Befehl ist unterzeichnet vom Divisionskommandeur, Generalleutnant Stettner, und dem 1. Generalstabsoffizier Thilo.

ImBefehl heißt es:

„l. Wer

a) bei Kampfhandlungen mit der Waffe in der Hand

b) als Helfer von Aufständischen oder

c) bei Sabotageakten

betroffen wird, ist grundsätzlich an Ort und Stelle zu erschienen oder zu erhängen.

Führer, pol. Kommissare und Kuriere sind Div./Ic zuzuführen und werden nach Vernehmung erschossen …

5. b) Sühnequoten:

Für einen getöteten Deutschen oder Bulgaren fallen 50 Sühnegefangene.

Für einen verwundeten Deutschen oder Bulgaren fallen 25 Sühnegefangene.

Für eine getötete, sonst geschützte Person fallen 10 Sühnegefangene.

Für eine verwundete, sonst geschützte Person fallen 5 Sühnegefangene.

Für jeden Anschlag gegen geschützte Objekte fallen je nach Schwere des Falles bis zu 1000 Sühnegefangene …“ (NG, Fall VII, Bd. 4, Dok. NOKW-978)

Über Geisel-Erschießungen und das Niederbrennen ganzer Ortschaften geben die von Thilo abgezeichneten Berichte der „Marschgruppe Salminger“ Aufschlug (Siehe Tafel 31, NG, Fall VII, Bd. 4, Dok. NOKW-1032)

Thilo zeichnete darüber hinaus auch für die Erschießung italienischer Offiziere verantwortlich, wie es aus einem seiner Berichte an das XXII. Armeekorps vom 9. Oktober 1943 eindeutig hervorgeht. (Siehe Tafel 34, NG, Fall VII, Bd. 6, S. 1901)

Thilo kennt auch heute keine Skrupel und rühmt sich seiner Verbrechen:

„Die Verschärfung des Partisanenkrieges macht es dringend erforderlich, in das Wespennest Montenegro hineinzustoßen und die Kernverbände des wachsenden kommunistischen Volksheeres in den Wurzeln zu vernichten. Die Regimenter der Edelweiß-Division durchziehen das westlich Niv gelegene Kopaonik-Gebirge, um ihre Ausgangsräume für die Operation ‚Schwarz’, das Ibartal bei Novi Pazar und Mitrovica zu erreichen. Wo es vereinzelt zu Zusammenstößen mit Aufständischen kommt, wird der Widerstand nach Jägerart im schnellen Zupacken gebrochen.“ (H. Lanz, Gebirgsjäger - Die 1. Gebirgsjäger-Division 1935/1945, Bad Nauheim 1954, S. 245)

Trautloft, Johannes

MILITARIST AUS BERUFUNG

heute:
Kommandierender General der Luftwaffen-Gruppe Süd, Generalleutnant.

Johannes Trautloft gehörte zu den ersten sechs Jagdfliegern, die Hitler im Juli 1936 zur Unterstützung der Franco-Faschisten und zur Erprobung seiner neuen Mordwaffen nach Spanien schickte. Als „Freiwilliger“ der „Legion Condor“ ließ er seine Maschinengewehrsalven auf wehrlose spanische Bürger, darunter Frauen und Greise, niederhageln. Er flog Jagdschutz für faschistische Bombengeschwader. Von den Flugplätzen Tablada und Sevilla stiegen damals die Maschinen auf, die mit ihren Bomben die Stadt Badajoz in Trümmer legten. Über einen dieser Einsätze, den Trautloft am 15. September 1936 über der Talavera-Front flog, schrieb er in seinem Buch „Als Jagdflieger in Spanien“ auf Seite 91 im Landsknechts-Jargon:

„Wir dürfen kämpfen, und das genügt, das befriedigt uns vollauf. Hier, scheint’s, sind uralte Instinkte, die lange verschüttet gewesen, die Instinkte des Jägers plötzlich wieder durchgebrochen. Wir haben zurückgefunden zu den Anfängen der Menschlichkeit, eine Verheißung, daß die Zeit unserer weißen Rasse noch lange nicht um ist. Wie spießig ist das Gezeter, wir seien in die Barbarei zurückgefallen.“

Den barbarischen Angriff auf das Dörfchen Olalla in der Provinz Toledo verherrlicht er mit den Worten:

„Im Tiefflug jagen wir unsere MG-Garben in den Feind, sehen, wie Lastkraftwagen, jäh des Führers beraubt, seitwärts sausen und sich überschlagen. Menschen kriechen hervor, viele torkeln, fallen, bleiben liegen … Wohl nichts vermag den Soldaten tiefer zu befriedigen, als der Anblick einer kopflosen, panischen Flucht des Feindes… Vor dem Rückflug nach Caceres trinken wir noch etliche ‚Helle’, mit ziemlichem Schwung fliegen wir dann nach Hause.“ (A. a. O., S. 75 f.)

Auch am Angriff auf Getafe am 30. Oktober 1936, bei dem Hunderte Spanier getötet wurden, waren deutsche Piloten beteiligt. Zwei Drittel der Ortschaft wurden völlig zerstört, darunter das Krankenhaus und die Schule. Unter den wehrlosen Opfern dieses Bombardements befanden sich 63 Kinder. Sie wurden von den Trümmern ihrer getroffenen Schule erschlagen oder auf dem Schulhof zerfetzt. Dieses Verbrechen ist als „Kindermord von Getafe“ in der Welt gebrandmarkt worden.

Voller Begeisterung schrieb Trautloft in sein Tagebuch: „Die Arbeit, die hier geleistet wurde, ist gewaltig.“

Einen weiteren Beweis dafür, daß Trautloft ein Erzfaschist ist, lieferte er auf Seite 215 seines Machwerkes:

„20. Januar - Reichsgründungsfeier. Um 10 Uhr traten wir an. Der Kommandeur hält eine längere Ansprache, umreißt klar die Ereignisse seit der Machtübernahme und erinnert daran, daß wir auch hier unsere Pflicht zu erfüllen haben. Anschließend hören wir im großen Saal des Schlosses die Führerrede, hören die Heilrufe, die sie auslöst, und fallen kräftig ein: ‚Deutschland, Deutschland über alles...’“

Als sein Einsatz in Spanien beendet war, stellt er bedauernd fest:

„‚Der Abschied vom Kriege fällt mir doch schwer’, brummele ich vor mich hin. Wie seltsam! Ich soll heimwärtsfliegen, als ob der Krieg hier nicht weiterginge, als ob er zu Ende sei. Der Soldat in mir bäumt sich auf, ein bitteres Gefühl steigt hoch. Nur mit Mühe zwinge ich es nieder.“ (A. a. O., S. 243)

Zur Belohnung dieser unmenschlichen Tätigkeit erhielt Trautloft von Göring das Spanienkreuz in Gold und wurde Lehrer und Lehrgangsleiter an der faschistischen Jagdfliegerschule in Bad Aibling. Als Staffelkapitän nahm er am Überfall auf Polen und als Gruppenkommandeur im Jagdgeschwader 51 an der Aggression gegen Frankreich teil. Von 1940 bis 1943 war er Major und Kommandeur des Jagdgeschwaders 54. Für seine Einsätze beim Überfall auf die Sowjetunion erhielt er bereits am 27. Juli 1941 von Hitler das Ritterkreuz. Inspizient Ost der Jagdflieger, Inspizient der Tagjagdverbände, Kommandeur der 4. Flieger-(Schul-)division waren Stationen der weiteren Karriere Trautlofts, der inzwischen zum Oberst befördert worden war.

Nach 1945 widmete sich dieser Militarist dem Aufbau neuer militaristischer Organisationen. Als einer der Organisatoren der ersten internen Tagung der Traditionsgemeinschaft der „Legion Condor“ erklärte er 1956 auf der Burg Klopp in Bingen: „Das Wirken der ‚Legion Condor’ in Spanien muß der bundesdeutschen Jugend als Vorbild dienen.“

Wichmann, Heinz

IM „REICHSKOMMISSARIAT OSTLAND“ BEWÄHRT

heute:
Oberster Personalchef der Bundeswehr, Ministerialdirektor.

Heinz Wichmann war lange Zeit nicht nur der höchste Chef der Bundeswehrverwaltung in Schleswig-Holstein, dem Eldorado der Nazi- und Kriegsverbrecher, sondern als aktiver Hitlerfaschist enger Vertrauter des jetzigen Bonner Kriegsministers von Kassel. Das „Taschenbuch für Wehrfragen 1960/1961“ verschweigt bewußt wichtige Tatsachen und enthält lediglich folgende Angaben über seinen Werdegang vor 1945:

„1931 bis 1934 Richter und Staatsanwalt. Seit 1939 im Außendienst des Reichswirtschaftsministeriums (Wehrwirtschaft) in Hamburg und Kiel. 1942 als Oberregierungsrat stellv. Leiter des Landwirtschaftsamtes Schleswig-Holstein. Von 1942 bis Kriegsende Angehöriger der Wehrmacht, verwundet, zuletzt Leutnant und stellv. Batterieführer.“

Tatsache aber ist, wie aus dem Vorschlag zur Ernennung zum Oberregierungsrat am 21. April 1942 hervorgeht, daß Wichmann am 2. November 1933 der NSDAP beitrat (Mitglieds-Nr. 2726400) und dem NSRB als Zellenobma angehörte. Am 1. August 1940 ging er als Persönlicher Referent des Reichskommissars in das „Reichskommissariat Ostland“ nach Riga.

Zu den Aufgaben des „Reichskommissariats Ostland“ gehörte unter anderem die Durchführung von Repressalien gegen die Bevölkerung, die Ausarbeitung von geheimen „Richtlinien für die Behandlung von Juden im Gebiet des Reichskommissars Ostland“ in enger Zusammenarbeit mit der Sicherheitspolizei.“ Am 20. November 1941 berichtete der „Generalkommissar in Riga“, Abt. IIa, dem „Reichskommissar Ostland“: „Das flache Land im ganzen Generalkommissariat Lettland ist judenfrei.“ (Siehe Tafel 41, Lettisches Zentralarchiv Riga, Bestand: Reichskommissar Ostland)

Der damalige Persönliche Referent, Heinz Wichmann, hatte nicht nur genaue Kenntnis von den in diesem Gebiet begangenen Verbrechen, sondern war als enger Mitarbeiter des „Reichskommissars“ Lohse an der Vorbereitung und Durchführung der Judenvernichtung und anderer Verbrechen unmittelbar beteiligt. Was Dr. Globke als Bürokrat des Todes in Gesetzen, Verordnungen und Kommentaren niederlegte, praktizierte Wichmann während seines Einsatzes im „Reichskommissariat Ostland“. (Siehe Tafel 35, Lettisches Zentralarchiv Riga, Bestand: Reichskommissar Ostland)


Zurück zum Inhaltsverzeichnis