Braunbuch

Diplomaten Ribbentrops im Auswärtigen Dienst Bonn

Sie besetzen Bonns Auslandsvertretungen

Noch deutlicher wird der bestimmende Einfluß der Ribbentrop-Diplomaten, wenn man die Besetzung der Auslandsvertretungen der Bundesrepublik untersucht. Nicht weniger als 60 Außerordentliche und Bevollmächtigte Botschafter (und der ihnen gleichgestellten Leiter einiger diplomatischer Missionen bei zwischenstaatlichen Vereinigungen) sind ehemalige Nazi-Diplomaten.

15 der 25 Auslandsvertretungen der Bundesrepublik in Asien werden von Außerordentlichen und Bevollmächtigten Botschaftern geleitet, die sich im Dienst des Hitlerregimes bewährten, darunter Dr. Luitpold Werz, Botschafter in Indonesien, Ferring, Botschafter in Südkorea, Dr. Böhling, Botschafter in Malaysia, Dr. Munzel, bisher Botschafter im Libanon, und der ehemalige SS-Untersturmführer Dr. Schmidt-Horix, bisher Botschafter im Irak und inzwischen Sonderbotschafter in Bonn. Bei der westdeutschen Botschaft in Indien sind neben dem Botschaftsrat Lüders auch die Leiter der wichtigsten Generalkonsulate - Dr. Heinrich Köhler in Bombay und Elgar von Randow in Kalkutta - ehemalige Ribbentrop-Diplomaten.

Von den 21 Auslandsvertretungen in Lateinamerika werden 16 von ehemaligen Nazi-Diplomaten als Außerordentliche und Bevollmächtigte Botschafter geleitet. Darunter befindet sich ein solch eingefleischter Antisemit wie der Botschafter in Argentinien, Dr. Ernst-Günther Mohr, und der Botschafter in Peru, Dr. Northe. 1940 denunzierte Northe die Schwiegertochter eines deutschen Diplomaten wegen „antinazistischer“ Äußerungen in einer schriftlichen Notiz an den dortigen NSDAP-Ortsgruppenleiter Wobser, der heute ebenfalls als Diplomat im Dienste Bonns steht. Der langjährige Bonner Botschafter in Brasilien, Dr. Seelos, betrieb 1939 als Konsul in Lemberg Spionage zur Vorbereitung des zweiten Weltkrieges. Dabei wirkte er mit dem damaligen Leiter des Geheimdienst-Referates im Auswärtigen Amt, Heyden-Rynsch, eng zusammen. Der heutige Botschafter Bonns in Chile, Dr. von Nostitz, war eine Zeitlang Vertreter von Heyden-Rynsch im Ribbentrop-Amt. Der ehemalige SS-Obersturmführer Dr. Georg Vogel ist Botschafter in Venezuela. Dr. Günter Motz, ein Mann, nach dessen Ansicht nur „Bekenner des Nationalsozialismus“ Beamte sein dürften und der selbst im faschistischen Reichsinnenministerium tätig war, ist heute Botschafter in Bolivien.

In Afrika sind - nach bisherigen Feststellungen - 10 ehemalige Nazi-Diplomaten tätig. Selbst seine Repräsentanten bei zwischen- bzw. überstaatlichen Organisationen wählte Bonn aus dem Kreis der ehemaligen Ribbentrop-Diplomaten, z. B. Sigismund von Braun bei der UNO, Dr. Rupprecht von Keller beim UNO-Europa-Büro, Dr. Grewe (vor 1945 aktiver „Ost-Forscher“) und Dr. Sahm bei der NATO.

Zieht man außer den Botschaftern auch das leitende Botschaftspersonal in Betracht - die Stellvertretenden Leiter der Botschaften, die wichtigsten Attachés, die Ersten Botschaftssekretäre -, so ergibt sich, daß über 40 weitere Auslandsvertretungen der westdeutschen Bundesrepublik mit ehemaligen NS-Diplomaten an leitender Stelle besetzt sind. Insgesamt bleibt von den annähernd 120 Auslandsvertretungen Westdeutschlands kaum ein Dutzend, das nicht unter dem bestimmenden Einfluß von Nazi-Diplomaten steht.

Mohr, E.-Günther

NAZI-PROPAGANDIST UND SPION

heute:
Außerordentlicher und Bevollmächtigter Botschafter in Argentinien.

Während seiner Tätigkeit als Legationssekretär im Bereich der Gesandtschaft Peking war Dr. E.-Günther Mohr einer der „politischen Leiter“ der NSDAP-Ortsgruppe Peping. Hier wirkte er außerordentlich aktiv als Nazi-Propagandist und bei der Verbreitung antijüdischer Machwerke. Einige Jahre später, als Gesandtschaftsrat in Den Haag (Holland), beteiligte er sich mit seinem Vorgesetzten, dem Gesandten Bene, an den Judendeportationen. Bei einer Aktion wurden 600 Juden in Konzentrationslager verschleppt. Nur wenige von ihnen überlebten. (Siehe Tafel 40)

Mohr leistete auch Spionagearbeit, besonders zu jener Zeit (1943), als er beim Konsulat in Tanger tätig war. Es handelt sich hier um die von Spanien besetzte „neutrale“ Tanger-Zone, die nach der Vertreibung der Faschisten aus Nordafrika zum Zentrum der faschistischen Spionage- und Sabotagetätigkeit im westlichen Mittelmeerraum wurde. (Siehe Tafel 40)

Bei alledem verwundert es nicht, daß Mohr zu jenen Durchhaltepropagandisten gehörte, die noch wenige Wochen vor der Niederlage des Faschismus von „Abwehrerfolgen“, vorgesehener „Gegenwehr großen Stils“ usw. faselten. Mohr war zu jener Zeit zum Leiter des Sonderreferates Pol. IM im Auswärtigen Amt avanciert, war mit der Attaché-Abteilung des OKW für den Einsatz von Militärattaches verantwortlich und verfaßte für sie auch die „Sprachregelungen“ zur militärischen Lage.

Schwarzmann, Hans

VERTRAUENSPERSON RIBBENTROPS

heute:
Leiter der Protokollabteilung im Auswärtigen Amt.

Dr. Hans Schwarzmann war bis 1942 als Legationssekretär im Büro Ribbentrop tätig. Er wirkte als Verbindungsmann zwischen Ribbentrop und dem berüchtigten Nazi-Botschafter in Paris, Abetz. In dieser Eigenschaft war er an Repressalien und Geiselerschießungen beteiligt, die damals die Faschisten in Frankreich inszenierten.

Schwarzmann, der eng mit dem Reichssicherheitshauptamt zusammenwirkte, hatte seine Hände auch bei der Vorbereitung von Maßnahmen zur Deportation und Liquidierung in Frankreich lebender Juden im Spiel. In einem Arbeitsvorgang, der von Dr. Schwarzmann, Büro Reichsaußenminister Ribbentrop (RAM) geführt wurde, heißt es:

„3. In der Frage der Gründung eines zentralen Judenamtes für Frankreich hat Darlan Bereitschaft gezeigt, die französische Regierung Trägerin einer solchen Einrichtung sein zu lassen, jedoch darauf aufmerksam gemacht, daß die Einstellung Marschall Petains zur Judenfrage große Schwankungen zeige … Trotz dieser Einstellung Petains, die kein sehr aktives Wirken eines von seiten der französischen Regierung gegründeten zentralen Judenamtes erwarten läßt, ist es empfehlenswert, die Gründung durch die französische Regierung vornehmen zu lassen. Das zentrale Judenamt erhält dadurch eine gesetzlich gültige Grundlage, und es kann durch deutschen Einfluß im besetzten Gebiet derart aktiviert werden, daß das unbesetzte Gebiet gezwungen ist, sich den getroffenen Maßnahmen anzuschließen.“ (NG, Fall XI, Bd. CCCXXIII, S. 139)

Auch im Handelspolitischen Ausschuß des Auswärtigen Amtes spielte Schwarzmann als „Fachmann für französische Fragen“ bei der Ausplünderung Frankreichs eine aktive Rolle. Das beweist unter anderem ein Sitzungsprotokoll vom 29. Juli 1941:

„WHA 806                                                                                                    Streng vertraulich!

Im mündlichen und schriftlichen Verkehr mit Privaten soll der Handelspolitische Ausschuß nicht erwähnt und auf seine Entscheidung nicht Bezug genommen werden.

Sitzung des Handelspolitischen Ausschusses am 29. Juli 1941

Nr. 26

Anwesend:

Auswärtiges Amt:                                          Ministerialdirektor Wiehl

Vortr. Legationsrat Dumont

Vortr. Legationsrat Sabath

Legationssekr. Schwarzmann

Beauftragter für den Vierjahresplan:            Min. Dir. Gramsch

Oberkommando der Wehrmacht

Wehrmachtshaushalt:                                               Min. Dir. Tischbein

Oberstintendant Teichert

Oberkommando der Wehrmacht

Wi-Rü-Amt:                                                    Generalmajor Becker

Oberkommando der Wehrmacht

Wehrmachtsverwaltung:                               Regierungsrat Grams

Reichswirtschaftsministerium:                      Min. Rat Schnitze-Schlutius

Reg. Rat Dr. Joerges“

In dieser Sitzung, an der auch Vertreter der Reichsbank und des Finanzministeriums teilnahmen, ging es unter anderem um den Raub des in Frankreich liegenden polnischen Goldes.

Nüßlein, Franz

GÜNSTLING VON BORMANN UND HEYDRICH

heute:
Generalkonsul in Barcelona.

Dr. Franz Nüßlein war einer der Nazi-Blutjuristen, die sich wegen ihrer Brutalität bei der Aburteilung tschechoslowakischer Patrioten der ganz besonderen Gunst des SD-Chefs Heydrich und des Nazi-Reichsleiters Bormann erfreuten. Nach der Okkupation der CSR sorgte er als Staatsanwalt erst in Brno, dann in Prag für zahlreiche Todesurteile gegen tschechoslowakische Bürger. Deshalb gehörte er schnell zu jenen faschistischen Blutjuristen, zu denen Heydrich als Stellvertretender Reichsprotektor besonderes Vertrauen hatte. Heydrich lobte sein „Verständnis für die Notwendigkeit einer entschlossenen Bekämpfung“ aufrechter tschechoslowakischer Bürger. Unter Hinweis darauf sorgte Bormann durch persönliches Eingreifen vom Führerhauptquartier aus für die bevorzugte Beförderung Nüßleins zum Oberstaatsanwalt. (Von Ribbentrop bis Adenauer, Berlin 1961)

Nüßlein war insgesamt an der Ermordung von über 900 tschechoslowakischen Patrioten beteiligt.

In der CSR zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt, wurde er 1955 als nichtamnestierter Kriegsverbrecher der Bundesregierung übergeben. Seine „alten Freunde“, die inzwischen wieder die Personalpolitik im Bonner Auswärtigen Amt bestimmten, sorgten für eine glänzende Karriere des Bormann-Heydrich-Günstlings: Er wurde als „Spätheimkehrer“ behandelt und war vor seiner Berufung nach Spanien Referatsleiter in der Personalabteilung des Bundesaußenministeriums!

Melchers, Wilhelm

SPEZIALIST FÜR 5. KOLONNEN

bis Ende 1964:
Botschafter in Griechenland, seitdem Berater und Pensionär.

Wilhelm Melchers war einer jener Ribbentrop-Diplomaten, die sich vor allem mit der „Ab- und Einsetzung“ von Regierungen in den Staaten des Nahen und Mittleren Ostens beschäftigten. Als Leiter der Abteilung Pol VII („Vorderer Orient“) befaßte er sich mit Plänen, die neutrale Regierung Afghanistans - dort existierte eine deutsche Gesandtschaft - zu stürzen und eine profaschistische Regierung einzusetzen:

„Durchdruck Geheime Reichssache!

Aufzeichnung

1. Unternehmen Afghanistan.

Geplant ist, die derzeitige englandhörige Regierung Mohamed Haschim Khan zu stürzen und Amanullah wieder einzusetzen.

Zweck:

Gewinnung einer Basis für Operationen jeder Art gegen Indien, Bindung englischer Streitkräfte, Unterstützung der Aufstandsbewegung in Waziristan.

Durchführung:

Ghulam Siddi Khan, der frühere Außenminister und engste Vertraute Amanullahs, entwickelten im Einvernehmen mit dem König folgenden Plan …

2. Unternehmen Tibet.

Geplant ist, den SS-Hauptsturmführer Dr. Schäfer, der bereits dreimal in Tibet war und erst im Juli d. Js. von seiner letzten Forschungsreise zurückgekommen ist, mit einer kleinen Truppe von etwa 30 Mann und einer Waffenausrüstung für 1000 bis 2000 Mann nach Tibet zu entsenden. Dort soll er mit Hilfe seiner Verbindungen…“ (Deutsches Zentralarchiv Potsdam, Bestand: Auswärtiges Amt, Nr. 61179)

Als Vertrauensperson des Reichssicherheitshauptamtes wirkte Melchers an der Bildung 5. Kolonnen mit und half, die militärische Besetzung und politische Kolonisierung der arabischen Staaten vorzubereiten. In einem Dokument vom 16. September 1943 heißt es: „Gestern besuchten mich nacheinander SS-Hauptsturmführer Schuback vom Amt VI des Reichssicherheitshauptamtes und Korvettenkapitän Schüler von Abwehr I. Beide Herren unterhielten sich mit mir über die Lage in Iran. Es ergab sich aus den Unterhaltungen, daß in Iran drei deutsche Aktionszentren gebildet wurden…“ (A. a. O., Nr. 61138)

In einem anderen Schreiben avisiert Melchers drei faschistische Agenten beim Generalkonsulat in Istanbul:

Durchdruck als Konzept                                                                   Berlin, den 2. Juni 1943

_____schrift 1b (KZ)

_____: LR Melchers                                                                          Geheime Reichssache

PolVlI 1033 gRE.

Abschriftlich dem Deutschen Generalkonsulat in Istanbul mit Kurier!

zur Kenntnis übersandt.

Es handelt sich um 3 in Berlin lebende iranische Nationalisten, die für OKW, Abwehr II, tätig sind. Die Brüder Ghaschghai sind, wie Herr Hauptmann Leverkuehn mitteilt, dem Generalkonsulat bereits bekannt.

Im Auftrag

gez. Ref. Melchers“ (Ebenda)

(Der in diesem Schreiben genannte Leverkuehn zog nach Errichtung der Bundesrepublik als Abgeordneter der CDU in den Bundestag ein.)

Melchers war auch - zusammen mit dem „Sonderstab von Grobba“ und dem „Sonderstab F“ - einer der Initiatoren bei der Aufstellung des „Deutschen Orientkorps“, jener von General Felmy auf die Eroberung des „arabischen Raumes“ vorbereiteten Sondereinheit. (Siehe Tafel 41)

Wie Melchers über die Araber dachte, geht aus seiner Notiz für Woermann hervor. Darin beurteilt Melchers am 16. November 1942 die Lage in den arabischen Staaten:

„Nicht genügend herausgebracht ist die politische Urteilslosigkeit der primitiven arabischen Masse, die als Bewohnerin einer sehr armen Wüstenheimat wie kaum ein anderes Volk neben vielen guten die uns abstoßenden Charaktereigenschaften der Verschlagenheit, der Habgier, des Hanges nach Reichtum und Schätzen (Tausend und eine Nacht) und der Sucht nach persönlichem Vorteil besitzt, weil Reichtum hier mehr als anderswo Macht bedeutet. In dieser Masse ist nicht viel Platz für eine blühende Vaterlandsliebe. Die Begriffe Patriotismus und Nationalismus sind europäische Importware. Es ist daher irreführend, zu behaupten, die arabischen Stämme seien von der Hoffnung auf eine Einigung aller arabischen Gebiete beseelt.“ (Deutsches Zentralarchiv Potsdam, Bestand: Auswärtiges Amt, Nr. 61124)

Nachfolger von Melchers als westdeutscher Botschafter in Griechenland wurde ein anderer Ribbentrop-Diplomat - Dr. Oskar Schütter.

Schlitter, Oskar

MITORGANISATOR DER AGGRESSION GEGEN DÄNEMARK

heute:
Außerordentlicher und Bevollmächtigter: Botschafter in Griechenland.

Wenige Tage vor dem heimtückischen Überfall der Faschisten auf Dänemark führte Staatssekretär von Weizsäcker mit sieben besonders ausgewählten und vertrauenswürdigen Offizieren und Diplomaten eine streng geheime Besprechung durch. Es ging an diesem 6. April 1940 um die letzten Vorarbeiten für die auf den 9. April 1940 festgesetzte Aggression gegen das neutrale Dänemark. Und neben Staatssekretär Gaus, Generalmajor Himer, Oberstleutnant i.G. Pohlmann, Oberstleutnant Boehme (vom OKW) sowie zwei anderen Beamten des Wilhelmstraßen-Amtes gehörte auch der damalige Legationssekretär Dr. Oskar Schütter zu diesem eng begrenzten, sorgfältig überprüften Teilnehmerkreis. Als er wenig später nach Kopenhagen fuhr, hatte er nicht nur die Uniform General Himers - der inzwischen als „Oberregierungsrat“ in Kopenhagen weilte - im Kuriergepäck, sondern vor allem die Geheimaufträge der Nazi-Führung zur Vorbereitung der Aggression.

Schütter, seit 1934 Mitglied der Nazi-Partei, enttäuschte das Vertrauen seiner faschistischen Vorgesetzten nicht. General Himer äußerte sich, daß „das Unternehmen in jeder Hinsicht vorbildlich vorbereitet war. Die Geheimhaltung als Grundbedingung des Erfolges wurde vollkommen gewährleistet, die Kenntnis von dem Unternehmen war auf einen Personenkreis beschränkt, der unbedingt eingeweiht werden mußte.“ (NG, Fall XI, Bd. CCCLXXIX, S. 225ff.)

So wie bei diesem Völkerrechtsverbrechen „bewährte“ sich der dann schnell zum Legationsrat beförderte Schütter auch weiterhin. Als Mitarbeiter der Abt. Pol II arbeitete er eng mit Schwarzmann und Abetz zusammen, vor allem bei der Verschärfung des faschistischen Terrors in Frankreich, bei Geiselerschießungen usw. (Deutsches Zentralarchiv Potsdam, Bestand: Auswärtiges Amt, Nr. 61113, 147)

Schütter war es auch, der zusammen mit dem Nazi-Gesandten in Sofia, Beckerle, dafür sorgte, daß der damalige französische Gesandte in Bulgarien, „Blondel, der mit einer Jüdin verheiratet“ war, entfernt und „durch eine zuverlässige deutschfreundliche Persönlichkeit“ ersetzt wurde (A. a. O., Nr. 61133, 115)

Später, als Mitarbeiter der Handelspolitischen Abteilung des Ribbentrop-Amtes (für Italien), betrieb er - besonders auch im Rahmen des schon genannten Handelspolitischen Ausschusses - aktiv die wirtschaftliche Ausplünderung des „verbündeten“ Italien.

Gerade das war offensichtlich für die Bonner Regierung Grund genug. Schütter vor seiner Berufung nach Griechenland jahrelang als leitenden Beauftragten für Vertragsverhandlungen und Ministerialdirigenten in der Handelspolitischen Abteilung des Bundesaußenministeriums einzusetzen.

Ferring, Franz

GOEBBELS-PRAHLHANS ÜBELSTER SORTE

heute:
Außerordentlicher und Bevollmächtigter Botschafter in Südkorea.

Zu den gelehrigsten Schülern des Kriegsverbrechers und Nazi-Propagandaministers gehörten die Mitarbeiter der Rundfunkpolitischen Abteilung des Ribbentrop-Amtes. Einer der großsprecherischsten von ihnen war der damalige Legationssekretär Dr. Franz Ferring. Er war seit 1941 als Ostasien-Referent in der Rundfunkpolitischen Abteilung tätig. Auf primitivste Art und Weise bemühte er sich, seinen Herrn und Lehrmeister zu überbieten, die ostasiatischen Völker gegen die Alliierten zu hetzen und das faschistische Mordregime zu verherrlichen. Einige Auszüge aus den von ihm verfaßten Rundfunkreden, die größtenteils in den Akten des faschistischen Auswärtigen Amtes erhalten blieben, zeigen, wes Geistes Kind Ferring ist.

In einer Rede vom 8. Januar 1941 erklärte er:

„Es scheint bei den Plutokraten und Imperialisten Britanniens durch die unaufhörlichen Schläge der deutschen Luftwaffe und Kriegsmarine eine Gedächtnisschwäche eingetreten zu sein, sonst könnten sie nicht dummdreist behaupten, sie wollten die Arbeiter befreien, in einem Moment, da einerseits die indischen Arbeiter die meisten Streiks durchführen, um sich von dem englischen Imperialismus zu befreien, und andererseits soziale Ideen und die Hochschätzung des Arbeiters gerade in Deutschland und Italien sehr gepflegt werden, und die Arbeiter hier im wahrsten Sinne des Wortes von der imperialistischen Unterdrückung befreit worden sind.“

Und am 6. Februar 1941 verkündete Ferring unter anderem:

„Die schottischen Berge als letzte Zuflucht für die Engländer. Für die britische Plutokratie und ihr Weltreich hat die letzte Stunde geschlagen.

Jedem, der die Rede des Führers zum 8. Jahrestag der nationalsozialistischen Erhebung gehört hat, wird es klar sein, was das Jahr 1941 für die Briten bringen wird. Mögen die Briten in großsprecherischen Propagandareden, die einmal für das indische, das andere Mal für das amerikanische Volk gehalten werden, sagen, was sie wollen, die letzte Stunde für Britannien hat geschlagen.“

In einer Rede vom 1. Februar 1941 machte Ferring Hitler zum „populärsten und machtvollsten Menschen der Welt“!

Und am 10. Februar 1941 erklärte Ferring unter anderem:

„Als Antwort auf die epochemachende Rede des großen Führers des deutschen Volkes, Adolf Hitler, fühlte sich auch Churchill als Hauptsündiger des mit Kriegsverbrechen befleckten Regimes der Engländer veranlaßt, eine Gegenrede zu halten. Vergleicht man einerseits die großen staatsmännischen Aufgaben, die Adolf Hitler sich stellte, mit dem ängstlichen Gestottere Churchills, so kann man nicht umhin, etwa an einen Ringkampf in den Straßen Bombays zu denken, nach welchem der Geschlagene mit einer fürchterlichen Schimpfkanonade den verlorenen Kampf noch zu retten versucht. Churchill hat Angst. Er hat ausgesprochene Angst; denn der Verlauf des Krieges hat mit aller Deutlichkeit gezeigt, daß weder propagandistische Rednerkünste noch unverschämte Lügen den Untergang Britanniens aufhalten können.

Die neue Zeit mit ihrem revolutionären Drang überwältigt die satten und alt gewordenen Plutokratien, die immer noch glauben, die Entwicklung aufhalten zu können. Die neuen Ideen der Wirtschaft und Technik finden ihren Ausdruck in dem Aufstieg des deutschen Reiches unter Adolf Hitler.“ (Deutsches Zentralarchiv Potsdam, Bestand: Auswärtiges Amt, Nr. 48007)

Grewe, Wilhelm

„OSTFORSCHER“ UND „NEUORDNUNGSTHEORETIKER“

heute:
Botschafter der Bundesrepublik bei der NATO, Paris.

Zu den Leuten, die das Gesicht des Bonner Auswärtigen Amtes wesentlich mitbestimmten und mitbestimmen, gehört Prof. Dr. Wilhelm Grewe. Vor 1945 gehörte Grewe zu den wichtigsten intellektuellen Urhebern und Vertretern der faschistischen Aggressions- und Gewaltpolitik. Als ständiger Mitarbeiter zahlreicher prominenter Nazi-Zeitschriften verherrlichte er hemmungslos die Völkerrechtsbrüche und Kriegsverbrechen der Nazis.

So schrieb er in der „Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft“ (Bd. 103):

„Der Kampf geht jetzt nur noch darum, ob wir in ein ‚amerikanisches Jahrhundert’ eintreten, in dem den Vereinigten Staaten die Lenkung der Welt zufällt - oder ob sich die von den Mächten des Dreier-Paktes verkörperte Neuordnung der Welt durchsetzt.“

Und 1940 forderte Grewe in der „Zeitschrift für Politik“ (S. 233):

„Zerstörung aller Pariser Kirchen, Paläste, Theater, Hospitäler, Akademien, Konservatorien, Gerichtsgebäude, Hallen, Triumphbögen, Kolonaden, der Börse, der Bank, des Stadthauses und der Brücken als Folgerung .realistischen Denkens.“

Die systematische und rücksichtslose Verletzung aller Regeln des Völkerrechts „begründete“ Grewe im September 1941 in den „Monatsschriften für Auswärtige Politik“:

„Dieser Krieg läßt sich in der Tat nicht mehr in die Kategorien des auf den nationalen Staatenkrieg zugeschnittenen überlieferten Kriegs- und Neutralitätsrechts einordnen.“

Und den verbrecherischen Überfall auf die UdSSR feierte er in der gleichen Zeitschrift (Jahrg. 1941, S. 749) mit folgenden Worten:

„Niemand wird behaupten wollen, daß die Entscheidung des 22. Juni nicht aus sehr realen Erwägungen erwachsen sei. Nach aller geschichtlichen Erfahrung pflegen große wellgeschichtliche Missionen, die nicht im Stadium der Utopie und der unverbindlichen Planung steckenbleiben, in solcher Weise ihren Anfang zu nehmen.“

Obwohl Grewes intellektuelle Urheberschaft an den Kriegs- und Naziverbrechen des Hitlerreiches durch die DDR mehrfach enthüllt wurde (zuletzt 1959 und 1961), gehört er seit 1951 zu den profiliertesten Vertretern des Bonner Auswärtigen Dienstes. Von 1953 bis 1955 leitete er die Rechtsabteilung, dann die Politische Abteilung des Bonner Auswärtigen Amtes. Anschließend, ab 1958, war er westdeutscher Botschafter in den USA, und seit 1964 ist er schließlich Vertreter Bonns bei der NATO in Paris. Können Ziele und Personalpolitik eines Amtes deutlicher entlarvt werden, als durch die Verwendung eines solchen Mannes in solchen Schlüsselfunktionen?

Etzdorf, Hasso von

KOMPLICE DER WAFFEN-SS

heute:
Bis vor kurzem Botschafter in Großbritannien, jetzt im Ruhestand.

Hasso von Etzdorf war von Kriegsbeginn (September 1939) bis 1945 Vertreter des Auswärtigen Amtes (VAA) beim Oberkommando des Heeres. Über diese Verbindungsleute stellte der Gerichtshof im Wilhelmstraßen-Prozeß fest:

„Die Aufgaben eines Verbindungsmannes zwischen zwei so wichtigen Regierungsstellen wie das AA und der Generalstab sind allgemein wohlbekannt. Zu diesen Aufgaben gehört die Pflicht, sich über die Ziele, Pläne und Arbeiten der Dienststelle zu unterrichten, der er zugeteilt ist, seinen Vorgesetzten in allen einschlägigen Fragen zu informieren und zu beraten, in seinem Auftrag mit den Amtsstellen, denen er zugeteilt ist, zu verhandeln, etwa auftauchende Schwierigkeiten zu bereinigen und in allen Punkten nach den von seinem Chef festgelegten Richtlinien zu handeln. Dies sind nicht die Aufgaben eines Laufjungen oder eines Boten, sie erfordern ein hohes Maß an Scharfblick, Fleiß, Intelligenz …und Gewandtheit.“ (NG, Fall XI, Bd. CCXLIV, S. 28038)

Als Major, SA-Obersturmbannführer und Vortragender Legationsrat war von Etzdorf über alle Angriffspläne informiert und in sie einbezogen. Er kannte z. B. früher als der damalige Staatssekretär im Auswärtigen Amt, von Weizsäcker, den Fall „Barbarossa“, den Plan für den Überfall auf die Sowjetunion, und das „Unternehmen Marita“, den Plan für den Überfall auf Jugoslawien.

In krassem Gegensatz zu seinen Erklärungen vor dem Nürnberger Gerichtshof, er habe keinen Einfluß auf Befehlserlasse und Anweisungen gehabt (NG, Fall XI, Bd. XCV, S. 677 ff.) erwirkte er in zahlreichen Fällen Erlasse des Auswärtigen Amtes oder Befehle des OKH - beispielsweise einen Befehl zur Einsetzung von Vertretern des Auswärtigen Amtes bei den Armeen, die am Überfall auf Jugoslawien und an der Besetzung des Landes beteiligt waren.

Von Etzdorf war auch mitverantwortlich für die Tätigkeit des Sonderkommandos der Waffen-SS unter Leitung des SS-Sturmbannführers von Künsberg. Im Auftrage des Auswärtigen Amtes raubte von Künsberg in den zeitweilig besetzten West- und Ostgebieten Archivgut und Kunstschätze. Er schrieb in einer „Geheimen Kommandosache“ vom 7. Juli 1941:

„Deshalb habe ich sofort nach Kenntnis der Schwierigkeiten, die einzelnen VAA’s durch den genannten OKH-Befehl entstanden, den VAA beim OKH, Rittmeister v. Etzdorf, gebeten, den Erlaß eines Befehls zu erwirken, in dem die AOK’s darauf hingewiesen werden, daß die Arbeitsgebiete und Zuständigkeiten der VAA’s und der ‚Gruppe Künsberg’ voneinander unabhängig sind, sowie daß die Tätigkeit der VAA’s durch den genannten OKH-Befehl, der die Tätigkeit der ‚Gruppe Künsberg’ regelt, nicht eingeschränkt wird. Darüber hinaus ist es jedoch im Interesse der von den VAA’s und der ‚Gruppe Künsberg’ gemeinsam ausgeübten Tätigkeit für das Auswärtige Amt notwendig, eine engere Zusammenarbeit zu schaffen, um zu gewährleisten, daß alles erreichbare Feindmaterial, das für das Amt von Interesse ist, erfaßt wird …“

In einer Notiz vom 26. August 1940, die durch von Etzdorf als VAA beim Oberbefehlshaber des Heeres gestempelt und abgezeichnet wurde, wird geschrieben:

„Handsch.                                                     Kunstschätze

Abetz hat Weisung vom R.A.M. fortzufahren, d. h. jüdischen und öffentlichen Kunstbesitz weiterhin … zu erfassen. (Abtransport werde nur nach vorheriger Fühlungnahme mit OKH erfolgen.) Lammers Erlaß betreffe nicht Frankreich, wofür Abetz ausdr. Auftrag Führers habe.“ (Deutsches Zentralarchiv Potsdam, Bestand: Nürnberger Gericht, Nr. 090) Ein weiteres Dokument besagt:

„Für Protokoll von Künsberg (Sonderempfang Gruppe Künsberg)

Kunstschätze im Schloß Chambon sind sichergestellt. Umfang 410 Kisten, 139 sonstige Gemälde, 67 Ballen Tapisserien, 216 Stück Möbel. Verbringung der Gegenstände nach Berlin nur auf Grund einer schriftlichen Verfügung der Militärverwaltung in Frankreich möglich. Entsprechenden Antrag habe ich gestellt. Er wird beschleunigt behandelt. Für Abtransport sind unsere LKW ungeeignet. Bitte Fachunternehmen dort für Ausführung vorsehen. Nitsch“ (Deutsches Zentralarchiv Potsdam, Bestand: Nürnberger Gericht, Nr. 3662)

Der Nazi-Diplomat von Etzdorf ging im Mai 1965 in den Ruhestand, aber nur, um seinen Platz einem anderen Mitarbeiter Ribbentrops freizumachen. Der Nazi-Diplomat Blankenhorn, seit 1. Dezember 1936 Mitglied der NSDAP, bis 1943 an Auslandsvertretungen des faschistischen Auswärtigen Amtes in Athen, Washington und Bern, dann als Legationsrat in der Politischen Abteilung Ribbentrops tätig, wurde Bonns Botschafter in Großbritannien. Ein weiteres Beispiel dafür, daß Bonn ohne Nazi-Diplomaten nicht mehr auskommt.


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