Braunbuch

Geistige Väter des Völkermords


vergiften wieder die Öffentlichkeit

Sie prägen das geistige Gesicht des Bonner Staates

Gerstenmaier, Eugen

NAZI-PROPAGANDIST IN GEHEIMER MISSION

heute:
Präsident des westdeutschen Bundestages, Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands, Mitglied des Präsidiums der CDU, Präsident der Deutschen Afrika-Gesellschaft, Mitglied des Europarates.

Schon lange vor der Errichtung der faschistischen Diktatur bekannte sich Dr. Eugen Gerstenmaier zur Nazi-Bewegung. Als Hitler im Jahre 1923 gegen die Weimarer Republik putschte, trat Gerstenmaier in die SA ein. Seit 1931 war er „Amtsleiter“ in der Reichsführung der „Deutschen Studentenschaft“ im „Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund“. Gerstenmaier war einer der exponierten Verfechter des „Führergedankens“ und des Nazismus in der evangelischen Kirche.

Nach der Errichtung der faschistischen Diktatur erhoben sich im Ausland, nicht zuletzt unter der christlichen Bevölkerung, immer machtvoller die Stimmen des Protestes gegen die Vernichtungs- und Unterdrückungspolitik der Nazi-Führung. Der Theologe Gerstenmaier wurde in dieser Zeit zu einem wertvollen Propagandisten des Hitlerregimes. Er reiste, oft getarnt, in die skandinavischen und vor allem in die südosteuropäischen Länder. Dokumente aus der damaligen Zeit beweisen eindeutig, daß der Auftraggeber das faschistische Auswärtige Amt war und die Reisen der Nazi-Propaganda dienten. (Siehe Tafel 48, Deutsches Zentralarchiv Potsdam, Bestand: Auswärtiges Amt, Nr. 48 050/1)

Als nach dem Überfall auf die Sowjetunion der Widerstandskampf der Völker auf dem Balkan immer stärker wurde, fuhr Gerstenmaier im Auftrage des faschistischen Auswärtigen Amtes in diese Gebiete, um mit Hilfe der Orthodoxen Kirche die Volksbewegung zu spalten und zu zerschlagen. In einem Bericht über diese Reise, die vom 2. bis zum 22. September 1941 dauerte, schreibt Gerstenmaier:

„Im Einvernehmen mit Herrn Gesandten Benzler schlage ich vor, möglichst rasch eine geeignete kirchliche Führung wieder herzustellen. Da der z.Zt. die Patriarchatsgeschäfte ohne Mandat verwaltende Metropolit Jossif mir als absolut deutschfeindlich dargestellt würde…, halte ich es … (für) geboten, mit Bischof Nikolai von Zica einen Versuch zu machen … und ihn für die antibolschewistische Propaganda und zur Unterstützung der Regierung Naditsch einzusetzen.“ (A. a. O., Nr. 31)

Am Schluß dieses Berichtes heißt es: „Größere propagandistische Aktionen scheinen mir bei einer Überprüfung der Gesamtlage zunächst wieder in Bulgarien notwendig zu werden. Die antibolschewistische Propaganda muß dort intensiver durchgeführt werden, und zwar erneut über den bis in das letzte Dort reichenden Apparat der orthodoxen Kirche. Die Ansätze und Vorbereitungen dafür habe ich, soweit mir das in der kurzen Zeit noch möglich war, geschaffen.“ (Ebenda)

Eine andere Seite der Tätigkeit Gerstenmaiers war die Abfassung von faschistischen Propagandaschriften vor allem gegen Frankreich. So beteiligte er sich an der Schriftenreihe „Frankreich gegen die Zivilisation“ unter einem Pseudonym. Das Heft Nr. 12 dieser Reihe schrieb Gerstenmaier unter dem Titel „Frankreichs Protestantismus im Kriege“. Über diese Broschüre schreibt der Leiter des Kirchlichen Außenamtes, Bischof Heckel:

„Aus amtlichen Rücksichten ist die Broschüre pseudonym erschienen… Auch in dieser Schrift beweist sich ebenso wie in seiner übrigen Arbeit das klare Urteil und der charaktervolle entschlossene Einsatz Gerstenmaiers für das Reich.“ (Spandauer Volksblatt, Westberlin, 20. November 1964)

Zu der Tätigkeit Gerstenmaiers für die Nazi-Führung gehört auch die Denunziation antifaschistischer Geistlicher, wie die des als Pionier der ökumenischen Bewegung bekannten Professors Siegmund Schultze.

In dem Bericht über seine Skandinavienreise aus dem Jahre 1939 an das faschistische Auswärtige Amt schreibt Gerstenmaier: „Als eine Störung dieser zweifellos deutschfreundlich angelegten Arbeit muß die in Aussicht genommene, etwa dreimonatige Tätigkeit von Prof. Siegmund Schultze in Zürich betrachtet werden. Prof. S. Schultze ist für das kommende Jahr im Besitz der Olaus-Petri-Stiftung und hat in dieser Eigenschaft etwa drei Monate in Upsala zu tun… Bei der negativen Haltung des jetzigen Stipendiaten der O.-P.-Stiftung muß mit einer Erschwerung jeder sinnvollen deutschen Arbeit in Skandinavien gerechnet werden. Ich glaube darum… die vertrauliche Bitte aussprechen zu sollen, von seiten des Reiches das zu veranlassen, was geschehen kann, um Prof. S. Schultze die Einreise in Schweden, ohne daß es auffällt, unmöglich zu machen…“

Das Auswärtige Amt reagierte prompt. Am 30. November 1939 wies es die deutschen Vertretungen in Kopenhagen, Oslo, Stockholm, Bern und Zürich sowie in Genf an, Prof. S. Schultze in Zürich keinen Aus- oder Durchreisevermerk zu erteilen.

Am 10. August 1942 wurde Dr. habil. Eugen Gerstenmaier als Konsistorialrat in das Kirchenbeamtenverhältnis auf Lebenszeit übernommen. Für die Dauer des Krieges wurde er u. k. gestellt.

Clobke, Hans-Maria

INTELLEKTUELLER JUDENMÖRDER

heute:
Bis Juli 1963 Staatssekretär im Bundeskanzleramt; auf Grund der durch die DDR veröffentlichten Dokumente und Beweismaterialien im Prozeß 1962 gegen Globke vor dem Obersten Gericht der DDR mußte er von dieser Funktion zurückgezogen werden; dennoch bezieht er eine hohe staatliche Pension und tritt als Sachverständiger und Entlastungszeuge in Prozessen gegen Kriegs- und Naziverbrecher auf.

Vom ersten bis zum letzten Tage der Nazi-Herrschaft war Dr. Hans-Maria Globke Beamter des Reichsinnenministeriums. In dieser Eigenschaft verfaßte er eine große Anzahl von Gesetzen und Verordnungen, die zur Errichtung der nazistischen Diktatur führten, die die Ächtung und Aussonderung der jüdischen Bürger beinhalteten, und solche, die die „Germanisierung“ oder Ausrottung der unterjochten Bevölkerung bezweckten.

Am 24. März 1933 beschloß der Reichstag das Ermächtigungsgesetz, das der Hitlerregierung unbeschränkte Diktaturvollmachten einräumte. In Ergänzung dazu bereitete das Preußische Innenministerium das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Land“ vor. Verfasser dieses Diktaturgesetzes war Regierungsrat Globke. Aus seiner Feder stammten außerdem das Gesetz über die Auflösung des preußischen Staatsrates vom 10. Juli 1933 und das preußische Provinzialratsgesetz vom 17. Juni 1933, die alle parlamentarischen Körperschaften Preußens gleichschalteten.

Als zuständiger Mitarbeiter im Reichsinnenministerium hat Globke fast das gesamte Gesetzes- und Verordnungswerk für die Verfolgung der Juden mitverfaßt.

Er gehört mit zu den Verfassern der Nürnberger Rassengesetze, die im Eichmann-Prozeß als die „Grundgesetze für die Endlösung der Judenfrage“ bezeichnet wurden.

Er ist derjenige, der die zwangsweise Kenntlichmachung der Juden mit den zusätzlichen Vornamen „Sara“ und „Israel“ erdachte und durch Gesetz einführte.

Im Juli 1940 beauftragte Frick seinen damaligen Referenten für die besetzten Westgebiete, Dr. Globke, Bedingungen für einen Diktatfrieden für Frankreich auszuarbeiten. Darin forderte Globke unter anderem den Raub weiterer französischer Gebiete, die Deportation aller Juden und Zigeuner in die Vernichtungslager.

Globke war an der Ausarbeitung der 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 25. November 1941 beteiligt. Diese Verordnung schuf die gesetzliche Grundlage für die rücksichtslose Verfolgung und Vernichtung aller jüdischen Menschen.

Innerhalb des Reichsinnenministeriums arbeitete Globke das nazistische Staatsangehörigkeitsrecht aus, das den Okkupationsbehörden die Richtlinien für die „Germanisierung“ oder Ausrottung ganzer Volksgruppen lieferte. Er veranlagte, daß die Masse der Bürger der okkupierten Staaten zu „Schutzangehörigen“ oder „Protektoratsangehörigen“ degradiert wurde. Für Polen erfolgte dies durch die von Globke ausgearbeitete „Verordnung über die Deutsche Volksliste und die deutsche Staatsangehörigkeit in den eingegliederten Ostgebieten“. Ähnliche Gesetze erarbeitete Globke für die Tschechoslowakei, Litauen, Frankreich, Belgien, Luxemburg und Jugoslawien.

Für seine Verdienste um die Durchsetzung der Ziele des Nazi-Staates wurde Globke mehrfach befördert und erhielt er hohe Orden und Auszeichnungen.

In der Bundesrepublik konnte dieser Mann zum ranghöchsten und mächtigsten Beamten avancieren. Als graue Eminenz im Bundeskanzleramt hatte er seine Hand immer und überall dort im Spiele, wo gegen die demokratischen Freiheitsrechte vorgegangen wurde. Er lancierte mit Hilfe des 131er Gesetzes belastete Nazi-Beamte - seine Gesinnungsfreunde von einst - in höchste Positionen des Bonner Staates.

Eckardt, Felix von

AUTOR FASCHISTISCHER HETZFILME

heute:
Bevollmächtigter der Bundesregierung“ in Westberlin bis Juni 1965, dann wegen seiner Tätigkeit als CDU-Kandidat für den Bundestag von dieser Funktion freigestellt; als Verantwortlicher für Pressearbeit ins Präsidium der CDU berufen.

Unmittelbar nach Hitlers Machtantritt im Jahre 1933 wurde Felix von Eckardt Drehbuchautor für Spielfilme. Bis 1945 schrieb er 19 Drehbücher oder war ihr Mitautor. Im Jahre 1936 wurde der antisowjetische Film „Weiße Sklaven“ (Panzerkreuzer Sewastopol) aufgeführt. Über die Tendenz und den Charakter dieses Streifens, dessen Mitautor von Eckardt war, gibt folgende Rezension Auskunft:

„Da krachen Schüsse, in der rasenden Garbe des Maschinengewehrs, das verhetzte Matrosen auf der Schanze in Stellung gebracht haben, brechen unbewaffnete Offiziere und wehrlose Frauen zusammen. Blitzschnell fegt der Mordterror der roten Revolte über Stadt und Hafen, brutal und hemmungslos alles dahinschlachtend, was nur irgendwie verdächtig erscheint… Ein Film, der durch seine packende Gestaltung bis zum letzten Meter fesselt und der manchen Unbelehrbaren im In- und besonders im Ausland die Augen über die bolschewistische Weltpest öffnen dürfte.“ (Potsdamer Tageszeitung, 16.117. Januar 1937)

Als der Überfall auf die Sowjetunion unmittelbar bevorstand, erschien der Film „Kopf hoch, Johannes“. Er verherrlichte die faschistische Jugenderziehung und sollte Deutschlands Jugend für den Kampf gegen die Sowjetunion reif machen. Mitautor des Drehbuches war wiederum Felix von Eckardt. Bezeichnend für die Zielstellung dieses Filmes ist folgender Dialog:

„Eine neue Zeit ist gekommen, für uns alle! Jeder muß bereit sein, einzustehen für Führer und Reich: Wenn einer von uns fallen sollt, der andere steht für zwei, denn jedem Kampier gibt ein Gott den Kameraden bei.“ (Goebbels-Journalisten in Bonner Diensten, Nationalrat der Nationalen Front, Berlin 1962)

Ebenfalls im Jahre 1941 erschien der Film „Menschen im Sturm“. Er behandelte das „Schicksal“ der deutschen Minderheit in Jugoslawien und rechtfertigte den militärischen Überfall Hitlerdeutschlands als „Befreiung der Volksdeutschen“. Zwei Stellen aus dem Textbuch mögen die Absicht der Autoren - unter anderen Felix von Eckardt - und Produzenten verdeutlichen:

„Serben, das sind ja keine Menschen. Diese Hunde!… Die Serben werden noch alle Deutschen wegschleppen. Sie werden noch alle umbringen. Warum? Danach tragen sie nicht, die Hunde!… Den Schmied haben sie auch schon erschossen .. „ (Ebenda) An anderer Stelle wird gefordert: „Wir müssen in Europa alle Grenzen einreihen!“ (Ebenda)

Im Jahre 1942 erhielt Eckardt vom Goebbels-Ministerium für den Film „Die Entlassung“, der die reaktionäre Politik Bismarcks verherrlichte und Hitler de facto als Vollstrecker des Bismarckschen Erbes feierte, das Prädikat „Film der Nation“. Im Jahre 1961 wurde dieser faschistische Streifen in Bonn wiederaufgeführt.

Nach 1945 verboten die alliierten Behörden zunächst alle Filme von Eckardts. Die Karriere dieses Mannes konnte jedoch nicht unterbrochen werden. Nachdem er kurze Zelt als Chefredakteur des „Weser-Kurier“ tätig war, ernannte ihn Adenauer 1952 zum Leiter des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung im Range eines Staatssekretärs. 1955/56 war er westdeutscher Beobachter bei der UNO, kehrte aber bald wieder ins Presse- und Informationsamt zurück. 1962 erhielt von Eckardt die höchste westdeutsche Auszeichnung: Das große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband. Nach dem Kanzlerwechsel im Jahre 1963 entsandte Erhard ihn in die Frontstadt Westberlin. Er versprach sich von diesem Nazi eine straffere Anleitung der illegal in Westberlin etablierten Bundesbehörden und eine bessere Überwachung des Westberliner Senats, um so die Grundlagen für verstärkte Provokationen gegen die DDR zu schaffen.

Maunz, Theodor

LEGALISIERTE DEN GESTAPO-TERROR

heute:
Lehrt seit 1952 öffentliches Recht an der Universität München, ist Mitglied im Vorstand des Instituts für Politik und öffentliches Recht; von 1957 bis 1964 Kultusminister in Bayern.

Während der Nazi-Zeit war Dr. Theodor Maunz Professor für öffentliches Recht in Freiburg/Br. In dieser Zeit entwickelte er sich zu einem führenden Vertreter des faschistischen Verwaltungs- und Polizeirechts. Im Jahre 1934 legte er ein Bekenntnis zum Nazi-Staat und zur faschistischen Rechtsauffassung ab. Er schrieb, „daß das neue Staatsdenken mit einem solchen Anspruch auf Ausschließlichkeit auftritt, daß es nicht sagt, das jeweilige Staatsdenken sei für die Ermessensentscheidung maßgebend, sondern nur das nationalsozialistische Staatsdenken“. (Neue Grundlagen des Verwaltungsrechts, Hamburg 1934)

Weiter heißt es: „Nicht der Staat setzt die Gesamtheit des Rechtes, sondern , die völkische Lebensordnung wächst aus Blut und Boden hervor.“ (Ebenda)

Im Jahre 1937 legte er dar: „Der Grundsatz der Rechtmäßigkeit der Verwaltung geht aber weiterhin von einem völlig neuen Gesetzesbegriff aus. Gesetz ist geformter Plan des Führers und damit Ausdruck der völkischen Lebensordnung. Der geformte Plan des Führers ist oberstes Rechtsgebot.“ (Verwaltung, 1937)

Maunz war einer jener führenden faschistischen Verwaltungsrechtler, die den „Rassegedanken“ auf diesem Gebiet durchsetzten. Im Oktober 1936 fand in Berlin die Tagung des faschistischen Rechtswahrerbundes zum Thema „Das Judentum in der Rechtswissenschaft“ statt. Maunz hielt dort eines der Hauptreferate mit dem Titel: „Das Judentum im Verwaltungsrecht“. In einer Pressemeldung über diesen Vortrag heißt es:

„Prof. Dr. Maunz … erläuterte … vor allem die verhängnisvolle Neigung jüdischer Verwaltungsrechtler zur liberalistischen Rechtsstaatsdoktrin… Die inhaltliche Entleerung der Verwaltungsrechtswissenschaft zeigte M. im einzelnen an den Lehren der bekanntesten jüdischen Theoretiker auf.“ (Deutsche Juristenzeitung, 1936, Sp. 1230)

Besonders widmete sich Maunz der rechtlichen Stellung der faschistischen Polizei und Gestapo. 1935 schrieb er: „Die Beschränkung auf die Gefahrenabwehr wird allmählich gesprengt werden durch die Erstreckung des polizeilichen Aufgabenkreises auf alle die Eingliederung eines einzelnen in eine Gemeinschaft durch Zwang erforderlichen Handlungen.“ (Deutsches Recht, 1935, S. 397)

Zur Gestapo heißt es bei Maunz: „Eine gesetzliche Aufzählung der Mittel, die der politischen Polizei für ihre vorbeugende Tätigkeit zur Verfügung stehen, ist nicht erfolgt. Neben dem Auftrag, alle staatsgefährlichen Bestrebungen zu bekämpfen und ihnen zuvorzukommen, bedarf es keiner besonderen Ermächtigung, alle zu diesem Zweck erforderlichen Mittel anzuwenden … für die politische Polizei des nationalsozialistischen Staates hat es keinen Sinn, in der bisherigen Weise Auftrag und Ermächtigung zu trennen.“ (Verwaltung, 1932, S. 253 f.)

Im Jahre 1943 ließ sich Maunz über die „Schutzhaft“ in den Konzentrationslagern aus: „Die geheime Staatspolizei hat ihrem Wesen nach die Aufgabe, alle staatsgefährdenden Bestrebungen zu erforschen und zu bekämpfen. Eines der Kampfmittel ist der Entzug der Freiheit… Gerichte können die Schutzhaftbefehle, ihre Erfordernisse und Wirkungen, ihren Inhalt und ihre Rechtmäßigkeit nicht zum Gegenstand ihrer Prüfung machen.“ (Gestalt und Recht der Polizei, 1943)

Weiter heißt es über die Rolle der Polizei: „Die deutsche Polizei ist nicht unvorbereitet in den Krieg eingetreten. Der Krieg und seine Erfordernisse haben vieles klar hervortreten lassen, was in der Vorkriegszeit an polizeilicher Arbeit geleistet werden mußte und geleistet worden ist… Die Polizei ist nach der Machtergreifung zu einem überragenden Bestandteil des deutschen Staates aufgestiegen.“ (Ebenda)

Mit seinen Staats- und verwaltungsrechtlichen Arbeiten gehörte Maunz zu den maßgeblichen Stützen des faschistischen Systems in Deutschland. Nach 1945 hatte und hat er in Westdeutschland, vor allem in Bayern, größten Einfluß auf die Erziehung der jungen Generation.

Am 9. Juli 1964 unterbreitete die Friedrich-Schiller-Universität Jena der Öffentlichkeit exaktes Beweismaterial über die faschistische Vergangenheit von Maunz. Nur einen Tag später mußte er seinen Rücktritt beantragen, zumal auch der Widerstand westdeutscher Friedenskräfte immer stärker geworden war.

Pölnitz, Götz von

DIE BRAUNE MAGNIFIZENZ

heute:
Im November 1964 berief die Bayrische Landesregierung den in Erlangen tätigen Historiker und Schriftsteller Prof. Dr. Götz Freiherr von Pölnitz zum Gründungsrektor der neuzugründenden Regensburger Universität.

Im Jahre 1938 veröffentlichte Prof. Götz von Pölnitz die pseudobiographische Arbeit „Emir - das tapfere Leben des Freiherrn von Biberstein“. Dieses Buch, das das Leben eines fanatischen Faschisten und SA-Schlägers im Stile eines Wild-West-Romans schildert, ist voll von Begriffen wie „unvermischte Rasse“, „ostjüdisches Gewimmel“, „Erhaltung der deutschen Art“. Den Hitlerputsch gegen die Weimarer Republik nannte von Pölnitz einen „rechtsetzenden Akt“ usw. Über die Weimarer Republik schrieb er in diesem Buch, daß „die junge Republik … von zugewanderten Juden und , volksbeauftragten' Kriegsdienstverweigerern“ regiert werde.

In einem Aufsatz aus dem Jahre 1940 für den Nazi-„Schulungsbrief“ rechtfertigte von Pölnitz den Überfall Hitlerdeutschlands auf den „Erbfeind“ Frankreich damit, daß die eroberten Gebiete „mit dem Recht des Blutes von den alten Franken auf die Deutschen“ übergegangen seien. Am Ende dieses Artikels heißt es: „Das deutsche Volk steigt zu neuer Macht und Größe empor. Die uralte Sehnsucht der gesamtgermanischen Idee nähert sich im Großdeutschen Reich ihrer Erfüllung.“ (Der Schulungsbrief - das zentrale Monatsblatt der NSDAP, 1940 - Herausgeber dieses Blattes war der Nazi-Kriegsverbrecher Robert Ley)

1942 erschien ein Festband zur Geschichte der Münchner Universität. In dieser Schrift verherrlichte von Pölnitz - wie zwei Jahre zuvor in seinem „Emir…“ - den faschistischen Putsch von 1923:

„Dem Rufe des Führers versagte sich die Münchner Studentenschaft nicht, trat, dem Appell Hermann Görings folgend, in die Sturmabteilungen ein und nahm, seinem hinreißenden Beispiele nacheifernd, heißen Anteil an der nationalsozialistischen Erhebung von 1923. Erst brutale Gewalt konnte sie von ihrem stolzen und freiheitlichen Widerstande abbringen.“ (Denkmale und Dokumente zur Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universität Ingolstadt - Landshut-München, 1942)

Die Unterordnung der Wissenschaft und ihrer Institutionen unter die Ziele des Faschismus feierte von Pölnitz mit den Worten:

„Als eine in der Weltanschauung gefestigte, durch Forschung erprobte und mit der unübersehbar tortwirkenden Leistung der aus der Lehre hervorgegangenen Armee ihrer Schüler wahrhaft bewährte Kraft steht sie (die Münchner alma mater - d. Hrsg.) aufrecht, streitbar und treu wie vor Jahrhunderten im Kampf für Führer, Volk und Reich, um ein neues und besseres Europa.“ (Ebenda)

Dieser Parteigänger Hitlers, der Antisemit und Franzosenhasser von Pölnitz, erscheint der CSU-Führung unter Nazi-Führungsoffizier Strauß als der geeignete Mann, an der neuen „Ost-Universität“ Regensburg im Dienste der revanchistischen Bonner Politik gegen die östlichen Nachbarvölker zu wirken.

Rauch, Georg von

AKTIV IN HITLERS 5. KOLONNE

heute:
Mitglied des „Wissenschaftlichen Prüfungsamtes für das Lehramt an höheren Schulen in Schleswig-Holstein“ - dieser Ausschuß entscheidet über die Lehrbefähigung aller Lehrer für Oberschulen und Gymnasien dieses Bundeslandes; von Rauch ist ferner Direktor des Seminars für osteuropäische Geschichte und ordentlicher Professor an der Christian-Albrechts-Universität, Kiel, Mitglied des „Johann-Gottfried-Herder-Forschungsrates“, des „Baltischen Forschungsinstitutes“ in Bonn, des „Ostkollegs“ der „Bundeszentrale für politische Bildung“ und der „Baltischen Historischen Kommission“.

Prof. Georg von Rauch stammt aus einer deutsch-baltischen Adelsfamilie. Von 1936 bis 1939 war er Dozent am philosophisch-theologischen Luther-Institut an der Universität Dorpat. Er gehörte dort zu den „Ostforschern“, die als faschistische 5. Kolonne wirkten. Von Rauch arbeitete an den Zeitungen „Jomsburg“ und „Deutsches Archiv für Landes- und Volksforschung“ mit. Sie wurden von der „Nord- und Ostdeutschen Forschungsgemeinschaft“ herausgegeben - einem Zentrum des Kampfes gegen die östlichen Nachbarvölker Deutschlands. In den letzten Kriegsjahren stand die Forschungsgemeinschaft unter direkter Leitung des Reichssicherheitshauptamtes. Mit Artikeln wie „Eine Polemik zur Judenfrage in Kurland“ (in: Jomsburg, 1941) und „Zur Judenfrage in Rußland“ (in: Deutsche Post aus dem Osten, Nr. 11, 1941) unterstützte und rechtfertigte von Rauch die Judenvernichtung der deutschen Faschisten.

Von 1943 bis 1945 war er Dozent an der „Reichsuniversität“ in Posen (Poznan). Dort arbeitete von Rauch aktiv in der „Reichsstiftung für die deutsche Ostforschung“ mit und setzte seine ganze Kraft zur Rechtfertigung des Vernichtungsfeldzuges gegen die Völker der Sowjetunion ein. In diesem Sinne schrieb er auch sein Buch „Die Universität Dorpat und das Eindringen der frühen Aufklärung in Livland 1690 bis 1710“. Darin beschwört er mit „historischen“ Argumenten eine russische Gefahr und den „kulturvernichtenden Charakter der russischen Nachbarschaft“.

In seinem Lebenslauf aus dem Jahre 1942 schrieb von Rauch: „Nachdem ich in den Jahren 1928/29 im Reich an Versammlungen der NSDAP teilgenommen hatte, schloß ich mich 1933 der nationalsozialistischen Bewegung in Estland an und habe mich am Aufbau der Ortsgruppe Dorpat beteiligt. Ich gehörte zur Kreisleitung Dorpat und war zeitweilig - noch ehe die Bewegung legal arbeiten konnte - stellvertretender Kreisleiter in Dorpat… Als Parteianwärter habe ich mich 1939 am Aufbau der Parteiorganisation in Posen beteiligt und bin Presseamtsleiter einer Posener Ortsgruppe. Außerdem bin ich Mitglied des NS-Dozentenbundes und des NS- Altherrenbundes…“ (Archiv der Universität Posen, Bestand: Reichsuniversität)

Wilhelm, Theodor

EIN RASSENHETZER

heute:
Mit Georg von Rauch gehört er zu den Mitgliedern des „Wissenschaftlichen Prüfungsamtes für das Lehramt an höheren Schulen in Schleswig-Holstein“; Ordinarius und Direktor des Instituts für Pädagogik an der Kieler Universität.

Ebenso wie Rauch trat Prof. Theodor Wilhelm in der Zeit des Faschismus als Antisemit und Rassenhetzer auf. So forderte er 1944, „Judentum und Freimaurerei gänzlich aus dem nationalen Leben auszusperren … Die grundlegende Bedeutung dieser Tatsache für das europäische Geistesleben liegt auf der Hand. Sie wird noch dadurch unterstrichen, daß sich, je länger der Krieg dauert, um so unheimlicher der innere Zusammenhang zwischen dem jüdischen Weltbild und der vom Bolschewismus angestrebten Weltordnung offenbart.“ (Die kulturelle Kraft Europas im Kriege, 1944)

Der SA-Mann und Akteur der NSDAP Wilhelm wurde 1934 als Redakteur der „Internationalen Zeitschrift für Erziehung“ eingesetzt, nachdem der Kölner Professor Friedrich Schneider wegen seiner demokratischen Gesinnung aus der Redaktion entfernt worden war. Wilhelm wurde vom neuen Herausgeber dieser Zeitschrift, Alfred Baeumler, in die Redaktion berufen.

Baeumler war an der Berliner Universität Professor für politische Bildung und gleichzeitig „Reichsamtsleiter“ beim „Beauftragten des Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Erziehung der NSDAP“. Er war der Initiator der faschistischen Bücherverbrennung. Wilhelm rechtfertigte das Vertrauen, das „Reichsamtsleiter“ Baeumler in ihn setzte, und trat als radikaler Verfechter der faschistischen Erziehungsziele in der Zeitschrift auf. Im Jahre 1935 erklärte er in einem Artikel:

„Die führende Rolle in der (national-)sozialistischen Erziehung des deutschen Volkes kommt jedoch der SA und dem Arbeitsdienst zu… Die Schule ist immer noch mit liberalen Erziehungszielen belastet. Im Gegensatz dazu erwachsen die SA und der Arbeitsdienst direkt aus dem Kampf der deutschen Jugend und jener Generation, die um eine Volkseinheit rang.“ (Internationale Zeitschritt für Erziehung, 1935)

Mit Artikeln wie „Ziele und Ergebnisse der nationalsozialistischen Erziehung“ (1939) und „Rasse als Grundbegriff der Erziehungswissenschaft“ beeinflußte er die faschistische und antisemitische Erziehung in den Schulen.

Redeker, Martin

ANTISEMIT IM TALAR

heute:
Mit Georg von Rauch und Theodor Wilhelm ist er der dritte Nazi-Ideologe im „Wissenschaftlichen Prüfungsamt für das Lehramt an höheren Schulen in Schleswig-Holstein“'; ferner Ordentlicher Professor und Prodekan der Theologischen Fakultät, Direktor des Theologischen Seminars und Direktor des Sozialethischen Instituts an der Kieler Universität.

Der in Bielefeld geborene Martin Redeker zeichnete sich während der Nazi-Zeit als Antisemit im Talar des Priesters aus. Besonders bekannt wurde er durch seine Predigten im goebbelsschen Rundfunk, in denen er beispielsweise 1939 verkündete:

„Was im Weltjudentum und im Materialismus an satanischer Kraft der Zersetzung sich zusammenballt, sehen wir allzu deutlich.“ (Rundfunkpredigten an der Universitätskirche Kiel, 1939)

Auch solche Schriften wie „Germanische Religion und der Religionsunterricht in der Schule“ (1935) zeigen die geistige Haltung des „Theologen“ Redeker als einen Ideologen des Hitlerregimes. Mit den Professoren von Rauch und Wilhelm übt er heute einen bestimmenden Einfluß auf den Lehrernachwuchs und damit auf das Bildungswesen Schleswig-Holsteins aus.

Diehl, Günther

BRAUNER REGIERUNGSSPRECHER

heute:
Staatssekretär, Leiter des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung; Sprecher der Bundesregierung.

Seit 1939 war Diehl Verbindungsmann des Auswärtigen Amtes zum „Büro Concordia“. Dieses Büro wurde vor allem für die psychologische Vorbereitung und Durchführung der Aggression Hitlerdeutschlands gegen Frankreich mit Hilfe der Rundfunkpropaganda geschaffen. Es unterstand sowohl dem Propaganda-Ministerium als auch dem Auswärtigen Amt. Die Propagandafeldzüge gegen das französische Volk und die Resistance wurden vor allem mit Geheimsendern durchgeführt, die, unter fremder Flagge sendend, Nazi-Propaganda betrieben. Das Projekt der Geheimsender wurde mit dem Kennwort „Concordia“ bezeichnet. Ministerialdirigent Berndt vom Propaganda-Ministerium nannte als Aufgabe der Schwarzsender, vor und während des militärischen Überfalls, „auf allen Lebensgebieten Verwirrung (zu) stiften“. (Deutsches Zentralarchiv, Potsdam, Bestand: Propaganda-Ministerium Nr. 827 S. 21 f.)

Für den psychologischen Krieg gegen Frankreich wurden zwei Geheimsender mit dem Decknamen „Concordia West“ und „Concordia Ost“ geschaffen.

Über die besonderen Aufgaben des Verbindungsmannes vom Auswärtigen Amt zum „Büro Concordia“ heißt es in einem Schreiben des Auswärtigen Amtes vom 18. Dezember 1939 an das Propaganda-Ministerium:

„Herr Diehl wird… an den täglichen Redaktionssitzungen teilnehmen und dafür Sorge tragen, daß vom Auswärtigen Amt geeignetes Material zur Verfügung gestellt wird und daß Überschneidungen und Ähnlichkeiten mit den offiziellen Nachrichten nach Tendenz und Themen vermieden werden.“ (A.a.O., S. 124)

Auf der gleichen Seite werden dann der Schwarzsender und seine Aufgaben näher charakterisiert:

1.) Während es sich bei den amtlich gekennzeichneten Nachrichtendiensten um eine überredende Propaganda handelt, betreibt der Geheimsender eine offene zersetzende Propaganda“. (Ebenda.)

Zu den Themen, die diese Sender zu behandeln haben, heißt es an gleicher Stelle:

„b) England muß als Kriegshetzer und Kriegsinteressent und damit als Gegner des französischen Volksinteresses, unter Heranziehung sozialer Themen aller Art gekennzeichnet werden …

d) Das zweifellos in Frankreich vorhandene Mitleid mit Polen ist mit der Feststellung zu bekämpfen, daß der moderne polnische Staat ein imperialistischer Raubstaat gewesen ist...“ (A.a.O., S. 125)

Nach der Besetzung Frankreichs war Diehl zunächst als Beauftragter der Abteilung Kultur des Auswärtigen Amtes in der „Einsatzstelle Brüssel“ und anschließend bei der Zweigstelle Vichy der deutschen Botschaft in Paris tätig. Seine Aufgabe bestand nun im wesentlichen darin, die faschistischen Sender in Frankreich und Monaco anzuleiten. Diese Sender richteten sich in erster Linie gegen die französische Widerstandsbewegung. Das Ziel bestand darin, den Maquis vom Volke zu isolieren und den blutigen Terror der deutschen Besatzungsmacht zu rechtfertigen. Ab 1943 war „Pg“ Diehl vorübergehend wieder in der Zentrale des Auswärtigen Amtes eingesetzt (NSDAP seit 1938). Danach kam er zur Dienststelle des Gesandtschaftsrates Struve. Dort war er für die Betreuung des vor dem französischen Volk geflohenen Faschisten Doriot und dessen Anhang verantwortlich.

Mit der Ernennung Diehls zum Leiter des Presse- und Informationsamtes im November 1967 wurde ein Nazi-Experte für psychologische Kriegführung und verbrecherische Diversionspropaganda Chef des staatlichen Zentrums der Meinungsmanipulation. Kanzler Kiesinger sicherte sich mit Diehl, einem ihm aus gemeinsamer Tätigkeit im Ribbentrop-Ministerium ergebenen Propagandisten, gleichzeitig auch die Kontrolle über Konrad Ahlers, den von der SPD in dieses Amt lancierten Stellvertreter Diehls; denn Diehl und Ahlers sind befreundet.

Gehlen, Arnold

VERHERRLICHT DEN MARSCH INS MASSENGRAB

heute:
Ordinarius für Soziologie an der Technischen Hochschule Aachen.

Im Jahre 1934 wurde der zum Ordentlichen Professor ernannte Arnold Gehlen „Amtsleiter“ der faschistischen Dozentenschaft an der Leipziger Universität. In seiner Antrittsvorlesung verherrlichte er die „nationalsozialistische Bewegung, die diesem Volke neue Auftriebe des Lebens und neue Ordnungen seines Daseins gegeben hat“. (Der Staat und die Philosophie, Leipzig, 1935)

Das von Gehlen entwickelte philosophische System vom „Elan vital“ - der Leidenschaft, das Leben aufs Spiel zu setzen - eignete sich vorzüglich zur Vorbereitung der deutschen Jugend auf den Marsch in die Massengräber des zweiten Weltkrieges. In diesem Sinne forderte er die Soldaten der Hitlerwehrmacht 1940 auf, tapfer zu kämpfen und ihr Leben zu wagen:

„Die Tapferkeit ist die erste der germanischen Tugenden, die Gefahr ist Lockung, und die anderen Tugenden, zumal Treue und Selbstbeherrschung sind nach ihr ausgerichtet.“ (Der Mensch. Seine Natur und Stellung in der Welt, Berlin 1940)

Das Eroberungsziel des deutschen Imperialismus, für das die Soldaten tapfer kämpfen und mit Leidenschaft sterben sollten („Elan vital“), formulierte Gehlen im Jahre 1935 in seiner Schrift „Deutschtum und Christentum bei Fichte“. Dort forderte er eine neue „Weltepoche … unter Führung der Deutschen“.

Gehlens Hauptwerk der Nazi-Zeit, „Der Mensch“, in dem er sein menschenverachtendes philosophisches System vom „Elan vital“ darlegte, erschien 1950, 1955 und 1958 in nur unwesentlich veränderten Neuauflagen im Bonner Staat.

Mehnert Klaus

RIBBENTROPS PROPAGANDASPEZIALIST

heute:
Ordinarius und Direktor des Instituts für politische Wissenschaft an der Technischen Hochschule Aachen; Mitglied des „Beirates für Entwicklungshilfe“ beim „Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit“, Chefredakteur der Zeitschriften der „Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde“ (eine direkte Nachfolgeorganisation der „Deutschen Gesellschaft zum Studium Osteuropas“) „Osteuropa“, „Osteuropa-Recht“, „Osteuropa-Naturwissenschaft“, „Osteuropa-Wirtschaft“.

Klaus Mehnert gehörte schon vor der Machtergreifung des Faschismus zu den anerkannten „Osteuropaexperten“. Er war von 1931 bis 1933 Generalsekretär der „Deutschen Gesellschaft zum Studium Osteuropas“ und Schriftleiter der Zeitschrift „Osteuropa“. Bis zum Ende des Jahres 1933 arbeitete Mehnert eng mit dem Goebbels-Ministerium und dem faschistischen Auswärtigen Amt zusammen.

Da Mehnert in einigen taktischen Fragen des Kampfes gegen den Sozialismus und vor allem gegen die Sowjetunion andere Auffassungen hatte, fiel er zeitweilig bei den faschistischen Machthabern in Ungnade. Doch bald wieder wurde er zu einem wertvollen Propagandisten des faschistischen Deutschlands.

In einem Schreiben des faschistischen Auswärtigen Amtes vom 19. Februar 1942 heißt es: „Klaus Mehnert… ging im Zusammenhang mit den gegen ihn gerichteten Vorwürfen ins Ausland. Dort hat er in hohem Maße für uns gearbeitet.“ (Deutsches Zentralarchiv Potsdam, Bestand: Auswärtiges Amt Nr. 60 532)

Mehnert arbeitete als Korrespondent für extrem faschistische Blätter wie „Angriff“ und „Braune Post“. Im Jahre 1941 wurde er an die Botschaft Shanghai in die Informations- und Propaganda-Abteilung berufen. Auch die Gestapo wußte seine Arbeit für den deutschen Faschismus zu würdigen. Legationssekretär Baßler schrieb am 19. Februar 1942: „Wie ich von der Abteilung Int. hörte, sind von der Geheimen Staatspolizei gegen seine Betätigung bei unserer Mission keine Bedenken erhoben worden.“ (Ebenda)

Mehnert entwickelte sich mehr und mehr zu einem Vertrauensmann des faschistischen Auswärtigen Amtes im Fernen Osten. „Da der Zweck der Tätigkeit von Klaus Mehnert bei der Informationsabteilung darauf gerichtet war, der englischen und amerikanischen Propaganda entgegenzuarbeiten und für den deutschen Standpunkt zu werben, kann jetzt… eine so hochqualifizierte Kraft wie Klaus Mehnert zweckmäßiger eingesetzt werden.“ (Ebenda)

Als der kühne antifaschistische Kundschafter, der Vertreter der .Frankfurter Zeitung“, Dr. Richard Sorge, in Japan verhaftet wurde, suchte die oberste Nazi-Führung einen zuverlässigen Nationalsozialisten für diesen Korrespondentenposten - er hieß Klaus Mehnert. Im April 1942 wurde er im Einverständnis mit dem „Reichspressechef“ und der besonderen Fürsprache des Auswärtigen Amtes zum Ostasienkorrespondenten der „Frankfurter Zeitung“ ernannt und blieb gleichzeitig faschistischer Propagandaspezialist in der Shanghaier Vertretung des Ribbentropschen Auswärtigen Amtes.

Für seine Verdienste als Vertrauensmann des faschistischen Auswärtigen Amtes und als Goebbels-Journalist wurde Mehnert noch am 5. März 1945 „auf Vorschlag des Reichsaußenministers“ mit dem Kriegsverdienstkreuz dekoriert.

Mehnert nutzt heute seine im Sold der Nazi-Führung gesammelten Erfahrungen besonders zur Unterstützung der neokolonialistischen Politik des westdeutschen Imperialismus in den jungen Nationalstaaten Asiens.

Raschhofer, Hermann

DIE RECHTE HAND DES KRIEGSVERBRECHERS FRANK

heute:
Stellvertretender Vorstand des Instituts für Völkerrecht und internationale Beziehungen der Universität Würzburg und Mitglied des Bremischen Staatsgerichtshofes; Leiter des „Rechts- und Staatswissenschaftlichen Arbeitskreises“ im Collegium Carolinum - einem Zentrum der imperialistischen Ostforschung und eine Einrichtung der „Sudetendeutschen Landsmannschaft.“

Prof. Dr. Hermann Raschhofer war einer der engsten Mitarbeiter des „Staatsministers für Böhmen und Mähren und Reichsprotektors“ K. H. Frank. Vielfältige Veröffentlichungen über Fragen des Nationalitätenrechts und der nationalen Minderheiten, vor allem in der ČSR und in Osteuropa, mit denen Raschhof er seit Ende der zwanziger Jahre in Erscheinung trat, galten als beste Empfehlung für diese Tätigkeit. Damals wurde er zu einem der wichtigsten Propagandisten des Faschismus in Österreich und der Henlein-Bewegung im Sudetenland. Nach 1939 wurde er auf persönlichen Wunsch Franks an die Karls-Universität berufen und dort 1940 als Direktor des Instituts für Völkerrecht und Reichsrecht eingesetzt.

Raschhofer bemühte sich, in seiner Arbeit für Frank die völkerrechtlichen Grundlagen zur Vernichtung des tschechoslowakischen Staates und für dessen endgültige Einverleibung in das faschistische Deutschland zu schaffen. Auch für die Regierung des Satellitenstaates Slowakei verfaßte er völkerrechtliche Arbeiten, unter anderem für „Staatspräsident“ Tiso.

Im August 1941 erhielt Raschhofer von seinem Duzfreund Frank folgende Beurteilung, die als Begründung für die Verleihung des Kriegsverdienstkreuzes geschrieben wurde:

„Raschhofer zeichnet sich als Völker- und Staatsrechtler durch eine umfangreiche publizistische Tätigkeit aus und hat wertvolle Beiträge nicht nur zur Auseinandersetzung mit der Feindpropaganda, sondern auch zur Bekämpfung der tschechoslowakischen Staats- und Geschichtsauffassung geliefert.“ (Zentrales Staatsarchiv der ČSSR, Prag)

In den Jahren 1942/43 gehörte Raschhofer der berüchtigten Einheit „Bergmann“ an, die unter Führung Oberländers stand, mit dem Raschhofer seit längerer Zeit bekannt war. (Über Oberländer siehe Kapitel: Hitlers 5. Kolonne in Bonner Diensten). Diese Sondertruppe wurde zu Diversionsakten im sowjetischen Hinterland und zu Massenhinrichtungen der sowjetischen Zivilbevölkerung eingesetzt.

1943 erhielt Raschhofer von Rosenberg den Auftrag, ein Studienmaterial über die bisherige Ostpolitik der faschistischen Besatzungsbehörden auszuarbeiten. In diesem Material ging Raschhofer davon aus, daß die Vergrößerung des „deutschen Lebensraumes“ gesichert werden müßte. Um den Widerstand der unterjochten Völker abzufangen, empfahl Raschhofer demagogischere Methoden in der Besatzungspolitik.

Anschließend wurde er von Frank zurückberufen, um eine Propagandakampagne anläßlich des 5. Jahrestages des Münchner Abkommens vorzubereiten. Die beiden nachfolgenden Dokumente zeigen, welche Bedeutung Raschhofer für die Spitzen des faschistischen Besatzungsregimes, den Reichsminister für die okkupierten Ostgebiete und Kriegsverbrecher, Rosenberg, und den Henker des tschechoslowakischen Volkes, K. H. Frank, hatte:

„An Herrn                                                                                                                1. April 1943
Professor Raschhofer

Prag XII
Schwerinstraße 9

Lieber Raschhofer!

Anbei übersende ich Dir einen Durchschlag meines Briefes an Reichsminister Rosenberg zur Kenntnisnahme. Ich hoffe, daß wir Erfolg haben.

Im Kaiserhof zeigte mir Herr Hübel eine von Dir ausgearbeitete gedankliche Disposition über Fragen der Behandlung fremden Volkstums in Europa, die auf zwei Schreibmaschinenseiten niedergelegt war. Ich wäre Dir dankbar, wenn Du für mich persönlich eine Abschrift davon so rasch als möglich nach Prag senden würdest.

Heil Hitler!

Dein (Signum von Frank)“

(Ebenda)

„SS-Gruppenführer

St. S. 136/43                                                                                                             1. April 1943

1.) An Herrn

Reichsminister Rosenberg

BerlinW35

Kurfürstenstraße 134

Sehr verehrter Herr Reichsminister!

Ihr Ministerium hat für den bei der hies. Deutschen Karls-Universität tätigen Professor Dr. Raschhofer einen Antrag auf Bewilligung von Arbeitsurlaub zur Bearbeitung rechtlicher Grundfragen der zwischenvölkischen Ordnung des besetzten Ostens eingereicht. Professor Raschhofer, der zu meinen langjährigen Mitarbeitern zählt, hat mir anläßlich seines Urlaubs die Ideen seiner Arbeit entwickelt. Die Arbeit wird unter anderem die nationalitätenrechtlichen Erfahrungen aus den böhmischen Ländern, für die Raschhofer auf Grund seiner bisherigen Tätigkeit als Experte gilt, verwerten und berührt durch die Problemstellung und die in Vorschlag gebrachte Lösung Fragen meines Arbeitsbereiches. Ich nehme deshalb die Gelegenheit wahr, um Ihnen, sehr verehrter Herr Reichsminister, mein besonderes Interesse an dem Zustandekommen des Arbeitsurlaubes zum Ausdruck zu bringen und Sie zu bitten, sich der Angelegenheit im Sinne einer raschen Entscheidung anzunehmen.

Heil Hitler!

Ihr sehr ergebener

(Signum von Frank)“

(Ebenda)

1944 fuhr Raschhofer im Auftrag der berüchtigten Einsatzgruppe H des SD in die Slowakei, um Propagandamaterial für die Niederschlagung des Volksaufstandes vom 29. August 1944 zu erarbeiten. Um eine Ausbreitung des Volksaufstandes auf die anderen Gebiete der ČSR zu verhindern, gab Raschhofer die Empfehlung, der Slowakei eine formale Selbständigkeit zu geben und die prodeutschen und antisowjetischen Elemente zu stärken.

Während SS-Gruppenführer und „Reichsprotektar“ Frank nach der Zerschlagung des Faschismus vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt wurde, entging Raschhofer seiner gerechten Bestrafung. Ihm wurde in Westdeutschland die Möglichkeit gegeben, als Hochschullehrer zu wirken und getreu seiner Vergangenheit die juristische Begründung für das neue Eroberungsprogramm gegen unsere östlichen Nachbarvölker zu erarbeiten.

Raschhofer hat einen großen Einfluß auf die „Sudetendeutsche Landsmannschaft“. Die Führung dieser Revanchistenorganisation um den Bundesminister Seebohm und den Bundestagsabgeordneten und Präsidenten des „Bundes der Vertriebenen“ Wenzel Jaksch fordert die Annexion tschechoslowakischen Staatsgebietes und ein „Großdeutsches Reich“ in den Grenzen von 1939. Grundlage dieser Forderung sind nicht zuletzt die Irrlehren Raschhof ers.

v. d. Heydte, Friedr.-Aug.

TRIEB DEUTSCHE SOLDATEN IN DEN TOD

heute:
Ordentlicher Professor für Staats- und Völkerrecht an der Universität Würzburg.

Bekannt wurde Friedrich-August von der Heydte als Initiator der Polizeiaktion gegen den „Spiegel“. Am 1. Oktober 1962 erstattete der Strauß-Intimus von der Heydte „private“ Strafanzeige gegen das westdeutsche Nachrichtenmagazin wegen „Verrats von Staatsgeheimnissen“. Damit gab er den unmittelbaren Anstoß für die vom Bonner Kriegsministerium unter Leitung Strauß’ durchgeführte „Nacht- und Nebelaktion“ gegen diese Zeitschrift. Als Belohnung wurde von der Heydte am 22. Oktober 1962 als erster Reserveoffizier der Bundeswehr zum Brigadegeneral befördert. Im Mai 1965 mußte selbst der westdeutsche Bundesgerichtshof die völlige Haltlosigkeit der Anzeige von der Heydtes feststellen.

Ein politischer Denunziant war von der Heydte schon während der Nazi-Zeit. Durch sein radikales faschistisches Auftreten machte er sich bei den Nazi-Behörden bemerkbar und spekulierte auf eine große Karriere. Er unterschrieb beispielsweise 1936 einen Brief an den Studienassessor Pulke und drohte ihm „andere Maßnahmen“ für den Fall an, daß nicht in den nächsten Tagen das Zentralorgan der SS „Das Schwarze Korps“ im Katholischen Studentenheim in Münster ausgelegt würde.

Im Jahre 1937 meldete sich von der Heydte freiwillig zur faschistischen Wehrmacht. Als Leutnant nahm er am Überfall auf Frankreich teil. Für seine barbarische Kriegführung als Kommandeur einer Fallschirmjägereinheit erhielt er 1941 von Göring das Ritterkreuz und für seine Kriegsverbrechen in der Sowjetunion, besonders vor Leningrad, das „Deutsche Kreuz in Gold.“

Im Jahre 1944 kam für den inzwischen zum Oberstleutnant beförderten von der Heydte die große Stunde. Während der faschistischen Ardennenoffensive leitete von der Heydte den Sprungeinsatz der Fallschirmtruppen. Bei diesen Einsätzen kamen noch kurz vor Ende des Krieges Tausende deutscher Soldaten ums Leben. Er wurde von Hitler mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz dekoriert. Selbst der eingefleischte Militarist und heutige Leiter der „Kameradschaft Frankfurt“ des „Bundes ehemaliger Fallschirmjäger“, K. H. Wilhelms, bestätigte die militärische Sinnlosigkeit der Ardennenoffensive und die barbarische Truppenführung von der Heydtes: „Obwohl er schon vorher klar erkennen mußte, daß dieser Einsatz eine Katastrophe werde, führte er den Befehl ohne Rücksicht durch…“. (Frankfurter Neue Presse, 21. September 1954)

Von der Heydte, der deutsche Soldaten rücksichtslos in den Tod jagte, brachte sich selbst in Sicherheit. Obwohl es von der Heydte mehrfach geleugnet hat, geht aus den im Bayrischen Justizministerium liegenden Dokumenten eindeutig hervor, daß er eifriges und aktives Mitglied der SS war.

Seraphim, Peter-Heinz

EIN SCHREIBTISCHMÖRDER

heute:
Studienleiter an der „Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie des Industriebezirkes Bochum“; führender Volkswirtschaftler in der „Schlesischen Landsmannschaft“.

Prof. Dr. Peter-Heinz Seraphim stammt aus einer Familie, die sich seit Generationen mit der „wissenschaftlichen“ Begründung der Eroberungspolitik des deutschen Imperialismus beschäftigt.

1937 wurde er in Königsberg Dozent und Stellvertretender Direktor des Instituts für osteuropäische Wirtschaft. Dieses Institut unterstand nominell der Königsberger Universität, betrieb in Wirklichkeit jedoch Spionage- und Wühltätigkeit in den osteuropäischen Nachbarstaaten. 1941 rief man Seraphim an die Universität Greifswald. 1943 wurde er geschäftsführender Direktor des auf seine Initiative gegründeten „Oder-Donau-Instituts“. Das Institut hatte die Aufgabe, genaue Unterlagen über die Wirtschaft Südeuropas in Form „vertraulicher Berichte“ zur besseren Versorgung der faschistischen Wehrmacht zu beschaffen. Mit einer großen Anzahl von Aufsätzen und Büchern unterstützte Seraphim die faschistische Rassentheorie. 1938 veröffentlichte er ein groß aufgemachtes antisemitisches Werk: „Das Judentum im osteuropäischen Raum“. In diesem Buch nimmt er zur gesamten jüdischen Bevölkerung im osteuropäischen Teil der Sowjetunion, in Polen, Lettland, Litauen, Ungarn, Rumänien und in der ČSR Stellung. Statistiken gaben darüber Auskunft, wie sich die jüdische Bevölkerung altersmäßig, sozial und beruflich zusammensetzte. In umfangreichem Kartenmaterial wurde der genaue „Standort“ der Juden festgestellt. Seraphim lieferte damit detaillierte Unterlagen zur „Endlösung der Judenfrage“. Mit diesem Buch hatte er sich als Experte für „jüdische Probleme“ qualifiziert und hielt als einer der ersten am neugegründeten „Institut für deutsche Ostarbeit“ in Krakau (Krakow) einen Vortrag über „Die Juden in Polen“. Er beeinflußte wesentlich den Charakter dieses Instituts, dessen Präsident der Kriegsverbrecher Hans Frank war. Als 1941 das „Institut zur Erforschung der Judenfrage“ von Alfred Rosenberg als Außenstelle der „Hohen Schule der NSDAP“ in Frankfurt a. M. gegründet wurde, trug Seraphim als Korrespondierendes Mitglied dieses Instituts auf einer Arbeitstagung (26. bis 28. März 1941) seine Thesen zur Judenfrage vor. Hier prägte er den Begriff „jüdischer Volkstod“ und bot drei Thesen zur Durchsetzung seiner Theorie an:

1. Die Dissimilierung ohne räumliche Ausgliederung aus dem Gastvolk.

2. Die Ghettoisierung in einem Teil Europas.

3. Ihre Entfernung aus Europa durch eine planmäßige Umsiedlungsaktion. Bei der Begründung seiner Thesen ging Seraphim von der wirtschaftlichen

Überlegung aus, daß „in Osteuropa … der Jude durch Rechtsprechung und Verwaltungsmaßnahmen in dem Tempo in den Städten durch Nichtjuden zu ersetzen sei, als qualifizierte Nichtjuden für diesen Einsatz zur Verfügung stehen“. (Weltkampf, 1941, 1/2, S. 44 f.)

Alle diese Pläne gingen von der Überlegung aus, die Juden zu beseitigen, und leisteten ihrer physischen Vernichtung Vorschub.

1941 arbeitete Seraphim als Oberkriegsverwaltungsrat der Rüstungsinspektion Ukraine an der „Endlösung der Judenfrage“ mit. Zur gleichen Zeit war er Chefredakteur der Zeitschrift „Weltkampf“, dem zentralen Organ des Antisemitismus in Deutschland.

Seraphim gehört wie Globke zu jenen Schreibtischmördern, die in Bonn straffrei ausgehen. Bis heute hat er sich noch nicht von seinen antisemitischen Theorien und Praktiken distanziert. In seiner Funktion als Studienleiter hat er maßgeblichen Einfluß auf die Erziehung der künftigen Beamten des Bonner Staates.

Höhn, Reinhard

SS-FÜHRER UND KRONJURIST HIMMLERS

heute:
Geschäftsführender Präsident der „Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft“, Bad Harzburg, mit einem Jahresgehalt von 64000 DM; außerdem ist er Geschäftsführender Präsident der „Deutschen Volkswirtschaftlichen Gesellschaft e. V.“

Während der Zeit des Faschismus war Prof. Dr. Reinhard Höhn einer der engsten Mitarbeiter des „Reichsführers SS“ und Hauptkriegsverbrechers Himmler für staatsrechtliche Fragen.

Im Oktober 1935 wurde Höhn Direktor des Instituts für Staatsforschung der Universität Berlin und gleichzeitig bis 1938 Abteilungsleiter 2 der Hauptabteilung II des SD-Hauptamtes im berüchtigten Reichssicherheitshauptamt. In dieser Stellung zeichnete er für die totale Bespitzelung aller Bereiche des öffentlichen Lebens in Hitlerdeutschland verantwortlich.

Über die Aufgaben des Instituts für Staatsforschung schreibt Höhn am 7. Juni 1939: „Mein Institut hat von maßgebenden Staats- und Parteistellen die Aufgabe erhalten, die praktische Rechtsgestaltung im NS-Staat von der wissenschaftlichen Seite näher zu unterstützen.“ (Archiv der Humboldt-Universität Berlin)

Die Erarbeitung staatsrechtlicher Grundlagen für das Okkupationsregime in den faschistisch besetzten Gebieten gehörte ebenfalls zum Aufgabenbereich dieses Instituts. Das geht aus einer Beurteilung Hohns über seinen Mitarbeiter Hofmann hervor, der vor dem Überfall auf die Sowjetunion ein „umfangreiches Gutachten über Organisation und Aufbauprobleme der Verwaltung der UdSSR“ ausgearbeitet hatte. Dort heißt es: „Er (Hofmann - d. Hrsg.) konnte ausgezeichnete Lösungen der Wege und Probleme entwickeln, mit denen die deutsche Militär- und Zivilverwaltung nach der militärischen Besetzung zu rechnen hätte.“ (Ebenda)

Seit 1939 arbeitete dieses Institut fast ausschließlich für Himmler. In einem Schreiben der Reichsführung-SS heißt es: „Der Direktor des Instituts für Staatsforschung an der Universität Berlin und sein wissenschaftliches Personal sind zur Dienstleistung im Rahmen der wissenschaftlichen Aufgaben des Institutes für den Reichsführer-SS und Chef der deutschen Polizei während des Krieges beordert worden.“ (Ebenda)

Aus einem Arbeitsbericht Hohns vom 22. Juni 1940 geht die große Bedeutung dieses Instituts für den faschistischen Terrorapparat hervor:

„Auf Grund dieser Beorderung bearbeitet das Institut seit dem l. September 1939 eine Reihe vom Reichsminister des Innern und vom Chef der Sicherheitspolizei und des SD übertragener Aufgaben. Bisher sind zur Erledigung gelangt:

l Entwurf eines Gesetzes mit ausführlicher Begründung,

3 Entwürfe von Verordnungen mit ausführlicher Begründung,

6 ausführliche Untersuchungen über den Aufbau der Staatsorganisation fremder Staaten,

20 Berichte aus dem Arbeitsbereich des Chefs der Sicherheitspolizei auf dessen Anforderung,

16 Berichte aus dem Aufgabenbereich des Reichsführers SS,

12 eingehende Berichte zu Einzeltragen der Kriegsverwaltung.“ (Ebenda)

Höhn war auch für den Initiator, Autor und Kommentator der Judengesetze, Stuckart, unentbehrlich. (Siehe Tafel 48)

In ungezählten Veröffentlichungen trat Höhn als faschistischer Staats- und Verwaltungsrechtler auf. So schrieb er über das Wesen des faschistischen Staates: „Es wird nicht mehr regiert, es wird geführt… In unserem Staat als Organ des Führers wird befohlen und gehorcht… Parlamentsbeschlüsse und Abstimmungen sind überholt, es werden Entscheidungen getagt und ausgeführt.“ (Die Wandlung im staatsrechtlichen Denken, Hamburg 1934)

Noch 1944 legte er seine Ansicht über den Eid auf den Führer dar: „Im Schwur auf den Führer kommt nicht nur der Gedanke zum Ausdruck, daß der Soldat ähnlich wie in der Monarchie einen Herrn besitzt, sondern die Verpflichtung auf die nationalsozialistische Idee, als deren Exponent der Führer dem Soldaten entgegentritt. Als politischer Willensträger seines Volkes schwört der Soldat dem Führer, militärisch diese Weltanschauung zu verteidigen… Der Eid auf den Führer verpflichtet nicht nur zu Lebzeiten des Führers, sondern über dessen Tod hinaus zu Treue und Gehorsam gegenüber der nationalsozialistischen Idee und damit gegenüber dem neuen von der Bewegung gestellten Führer.“ (Das Reich, Berlin, 1. Oktober 1944)

Höhn war Vorsitzender des Ausschusses für Polizeirecht an der von dem Kriegsverbrecher H. Frank gegründeten Akademie für Deutsches Recht. Für seine „Verdienste“ machte Höhn auch als SS-Mann Karriere: Er war SS-Brigade-Führer, Träger des „Ehrendegens des Reichsführers SS“ und wurde 1945 zum Generalleutnant der Waffen-SS ernannt.


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