Braunbuch

Geistige Väter des Völkermords


vergiften wieder die Öffentlichkeit

Neofaschismus in Millionenauflage

Bei der ideologischen Beeinflussung der westdeutschen Bevölkerung gewinnen die neonazistischen und militaristischen Zeitschriften, Zeitungen, Bücher und Filme sowie die Sendungen des Rundfunks und Fernsehens immer größere Bedeutung. Wenn der heutige Bonner Innenminister Höcherl erklärt, der Einfluß der neofaschistischen Propaganda sei zurückgegangen, so ist das eine bewußte Irreführung der Öffentlichkeit.

Der gefährliche Einfluß dieser Publikationsmittel läßt sich nicht allein an den Höhen der Auflagen einiger Verlage messen. Er ist vor allem in den Blättern solcher Monopole der „öffentlichen Meinungsbildung“ wie des Springer-Konzerns, in den Programmen von Funk und Fernsehen sowie in der westdeutschen Filmproduktion deutlich sichtbar. Die westdeutschen Massenmedien haben sich die Theorien der Neonazisten längst zu eigen gemacht. Tagtäglich ist die westdeutsche Bevölkerung dieser Flut des Chauvinismus und Revanchismus ausgesetzt.

Die nachfolgenden Beispiele sind nur eine kleine Auswahl aus der Zahl von weit über 100 militaristischen, faschistischen und revanchistischen Verlagen Westdeutschlands.

Einige Verlage und Zeitschriften haben sich auf die Erhaltung und Verbreitung militaristischen und faschistischen Gedankengutes spezialisiert.

VERHERRLICHT HITLERS RAUBZÜGE

Im G.-Braun-Verlag, Karlsruhe, erscheint die Zeitschrift „Alte Kameraden“. Sie ist das Zentralorgan von etwa 50 militaristischen Traditionsverbänden und neben der „Deutschen National-Zeitung und Soldaten-Zeitung“ eines der meistgelesenen militaristischen Blätter in Westdeutschland. Verantwortlicher Redakteur dieser Zeitschrift ist der Oberst der Nazi-Wehrmacht, Rudolf Böhmler. Das SS-Organ „Der Freiwillige“ bescheinigt ihm: „Rudolf Böhmler… ist uns als Freund und Verteidiger der Rechte der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS seit langem wohlvertraut.“ („Der Freiwillige“, Osnabrück, Heft 11/1963)

Die seit 13 Jahren erscheinende Zeitschrift mit ihrem Beiblatt „Der Deutsche Fallschirmjäger“ stellt die Vernichtungsfeldzüge der faschistischen Wehrmacht und die Überfälle auf friedliche Völker als Beispiele soldatischer Zucht und Tugend dar und empfiehlt sie der Bundeswehr als Vorbild.

„Kriegserlebnisse“ dieser Art bilden den größten Teil des Verlagsprogrammes, z.B.: Egon Denzel, „Angriff am Wolchow“ (Heft 1/60); E. A. Wichers, „Der Iwan kam über den Ilmensee“ (Heft 6/60); Werner Haupt, „Die Uhren zeigten 3 Uhr 05. Die Heeresgruppe Nord am 22. Juni 1941“ (Heft 6/61); G. Teschner, „Vormarsch nach Bessarabien“ (Heft 11 und 12/61).

DAS ZENTRALORGAN DES MILITARISTEN

Die „Deutsche National-Zeitung und Soldaten-Zeitung“ (NZ) ist die größte militaristische und neonazistische Wochenzeitung in Westdeutschland. Herausgeber und Verleger ist der Neofaschist und Inhaber der „Deutschen Soldaten-Zeitung Verlags GmbH“, Gerhard Frey. Gedruckt wird dieses Blatt in der Druckerei von Johann Evangelist Kapfinger, dem Intimus und Skandalkomplicen des gestürzten Kriegsministers Strauß. Die Zeitung ist zu einem Zentralorgan aller ultrarechten neonazistischen Kräfte in Westdeutschland geworden und diffamiert jede Regung für eine realistische Politik. So forderte der SS-Mann und Fallschirmjäger-Offizier der Nazi-Wehrmacht, von der Heydte, hohe Zuchthausstrafen für „Verzichtpolitiker“, womit jene Kräfte gemeint sind, die normale Beziehungen mit den Nachbarvölkern im Osten und Südosten Europas anstreben.

Mit besonderem Eifer setzt sich dieses Blatt für eine Generalamnestie für die Nazi- und Kriegsverbrecher ein. Der Hauptkriegsverbrecher und ehemalige „Stellvertreter des Führers“, Heß, wird als „Gefangener des Friedens“ bezeichnet. Unter der Schlagzeile „Die Justiz ist keine Hure“ wird in Nr. 5/64 der Freispruch des SS-Sturmbannführers Erich Deppner, der unter anderem 65 sowjetische Kriegsgefangene ermorden ließ, als eine „Wende in den Kriegsverbrecherprozessen“ gefeiert.

Die NZ gibt zwei Beiblätter mit spezieller revanchistischer Zielstellung heraus: „Schlesische Rundschau“ und „Der Sudetendeutsche“. Neben dem immer stärker werdenden Einfluß, den dieses Blatt auf die Revanchistenorganisationen ausübt, ist auch ihr Leserkreis in der Bundeswehr angestiegen.

SPRACHROHR DER SS

In Osnabrück erscheint seit 1955 das Zentralorgan der HIAG „Der Freiwillige“ im gleichnamigen Verlag. Die HIAG ist die Organisation der ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS. Führenden Einfluß auf die HIAG und deren Sprachrohr haben die SS-Generale Felix Steiner, Kurt Meyer, Paul Hausser und Herbert O. Gille.

„Der Freiwillige“ sieht seine vordringlichste Aufgabe darin, die Waffen-SS zu rehabilitieren und ihre Verbrechen gegen die Völker Europas zu rechtfertigen. Das Blatt feiert die Waffen-SS als „Elite-Truppe“ des deutschen Faschismus und als Vorkämpfer einer antikommunistischen Vereinigung Europas unter der Herrschaft des deutschen Imperialismus: „In den soldatischen Gedenktafeln Europas wird der Name der Waffen-SS nicht ausgelöscht werden.“ (Der Freiwillige, Osnabrück, Nr. 11/63)

Neben der Rehabilitierung der Waffen-SS, die in der Bundesrepublik praktisch vollzogen ist, sieht „Der Freiwillige“ seine Aufgabe im Kampf gegen die „alten Feinde“, die Widerstandskämpfer ganz Europas: „Aber wenn man unsere Unruhe, unser Unbehagen über die doch noch zweifellos unvollendete Demokratie damit beantwortet, daß man die Aussprache unter uns als staatsgefährdend betrachtet, wenn man unseren Ehrendienst vor dem Ansturm kommunistischer Partisanenorganisationen als staatsgefährdend erklärt, dann ist die Gerechtigkeit und Freiheit der Demokratie aufs Spiel gesetzt, und Gott möge denen gnädig sein, die sich nicht gescheut haben, uns der VVN und FIR (Organisationen der Widerstandskämpfer - d. Hrsg.) zum Fraße hinzuwerfen.“ (A. a. O., Nr. 8/63)

Die Henker von Lidice, Oradour, Malmedy und des Warschauer Ghettos in der Uniform der Waffen-SS bezeichnen sich als Vorkämpfer für Demokratie und Freiheit und nennen die Bundesrepublik „ihren“ Staat. Bekannte Schriftsteller und Publizisten in Westdeutschland, wie Blöcker, Böll, Geissler, Grass und Kuby, sind Ziele der wütenden Hetze. Das Schaffen dieser Schriftsteller wurde als „fortschreitende literarische Verwahrlosung“ bezeichnet. Weiter schreibt „Der Freiwillige“: „Die Übereinstimmung von wirklichem Geist und wirklichen echten Führungsprinzipien einer Demokratie ist verlorengegangen. In solchen Zeiten gewinnen die Ratten an Macht und Raum.“ (A. a. O., Nr. 9/61)

KRIEGSVERBRECHER ALS AUTOREN

Das Programm des Schild-Verlages wird zum größten Teil durch die Herausgabe von Büchern über die Waffen-SS und die faschistische Wehrmacht bestimmt. So erschienen in diesem Verlag, dessen Eigentümer der ehemalige NSDAP-Kreisleiter Damerau ist, unter anderen folgende Bücher:

Während Kriegsverbrecher rehabilitiert werden, diffamiert man die einsichtigen Kräfte und die Helden des Widerstandskampfes innerhalb der faschistischen Wehrmacht als Verräter. So erschien von Peter Straßner das Machwerk: „Verräter - ‚Nationalkomitee Freies Deutschland’ - Keimzelle der ‚DDR’“.

Seit 1953 erscheint im Schild-Verlag der „Deutsche Soldatenkalender“, der sich vor allem an die Mitglieder der etwa 600 militaristischen Traditionsverbände und an die Soldaten und Reservisten der Bundeswehr wendet. Die Beiträge und „Geleitworte“ dieses Kalenders werden fast ausschließlich von Generalen der faschistischen Wehrmacht geschrieben. So zeichnet für das „Geleitwort“ der Ausgabe von 1963 der Hitlernachfolger und Hauptkriegsverbrecher Dönitz verantwortlich.

NAZI-IDEOLOGIE FÜR DIE JUGEND

Unter den westdeutschen Verlagen, die militaristisches und faschistisches Gedankengut besonders für die Jugend in Form von Groschenheften in großer Zahl und hoher Auflage verlegen, sei hier nur der Fabel-Verlag in Rastatt/Baden genannt. Mit 20 verschiedenen Serien und einer monatlichen Auflage von mehreren Millionen Exemplaren ist er der größte Groschenheftproduzent in Westdeutschland.

Seit 1957 erscheinen die berüchtigten „Landser“-Heftserien:

„Der Landser“, der seit 1957 zunächst 14täglich, aber seit Oktober 1958 wöchentlich erscheint. Im März 1964 erreichte die Serie Heftnummer 310.

„Der Landser-Großband“, der später „Landser-Sonderband“ genannt wurde. Von dieser Reihe gab es im März 1964 schon 136 Hefte.

„Der Landser - Ritterkreuzträger erzählen“, erscheint seit Sommer 1959 monatlich und zählte bis zum März 1964 137 Hefte.

In den letzten Jahren erschienen im Fabel-Verlag außerdem Bücher, in denen der Krieg und der faschistische Militärapparat gepriesen werden. Autoren sind unter anderen der Nazi-Offizier Günther Fraschka sowie der Österreichische Faschistenführer und Kulturreferent des Reichspropagandaamtes, Graf Bossi-Fedrigotti.

REVANCHEFORDERUNGEN ALS VERLAGSPROGRAMM

Um die Gebietsansprüche der Bundesregierung und der „Landsmannschaften“ zu propagieren, wurden besondere Verlage geschaffen. Die Forderung nach Wiederherstellung des „Großdeutschen Reiches“ bestimmt den Inhalt ihres Verlagsprogramms. Solche Verlage sind unter anderen der Heimreiter-Verlag und der Klinger-Verlag. Der Leiter des Frankfurter Heimreiter-Verlages ist Ernst Frank, ein Bruder des als Hauptkriegsverbrecher verurteilten faschistischen „Reichsprotektors“ von „Böhmen und Mähren“.

Ernst Frank war maßgeblich an der Vorbereitung der Annexion des Sudetengebietes beteiligt und erhielt dafür 1938 die „Sudetenmedaille“. Nach der Annexion war er NS-Hauptschriftleiter und Kreishauptamtsleiter der Nazi-Partei. Ernst Frank entwickelte den Heimreiter-Verlag zum Sprachrohr der Propaganda-Zentrale der „Sudetendeutschen Landsmannschaft“ und des „Witikobundes“.

In diesem Verlag erscheinen unter anderm die „Beiträge des Witikobundes zu den Fragen der Zeit“. Autoren sind solche belastete Nazis wie der NSDAP-Gauhauptstellenleiter der Gauleitung Reichenberg (Liberec), Seiboth, der heute unter dem Tarnmantel des Selbstbestimmungsrechts seine revanchistischen Gebietsforderungen stellt. Einen Teil des Verlagsprogramms nehmen auch solche revanchistischen Zeitungen ein wie der „Sudetendeutsche Turnerbrief“, für dessen Inhalt der SA-Führer Welwarski verantwortlich zeichnet. Hergestellt wird dieses Blatt in der Druckerei des ehemaligen Nazi-Kreisleiters und Antisemiten Tins.

Als Buch-Autoren treten vor allem der SA-Sturmbannführer und Nazi-Schriftsteller Rudolf Jahn (er veröffentlichte u. a. 1938 ein Buch über den Kriegsverbrecher Konrad Henlein) und Ernst Frank auf. Frank veröffentlichte unter anderm: „Heimat ohne Vaterland“, einen Gegenwartsroman; „Leidenschaftliches Egerland“; „Grenzen der Freiheit“, „Gedichte und Szenen“.

VON NAZISTEN GELEITET

Zu den leitenden Männern des in München ansässigen Klinger-Verlages gehören die führenden Mitglieder der Sudetendeutschen Partei und später der NSDAP, Karl Jungschaffer und Erich Maier. Vor 1945 waren beide in der Verlagsleitung bzw. Redaktion des Gauorgans der NSDAP-Gauleitung Reichenberg (Liberec), „Die Zeit“, tätig. In diesem Blatt schrieb Maier in einer Artikelserie: „So besudelten Juden im Hintergrund die Ehre des deutschen Soldaten, so brachten sie es zustande, die Stimmung in der Heimat zu erschüttern und so die Voraussetzung für den Zusammenbruch zu schaffen.“ (Die Zeit, Reichenberg, 1939)

Daß Maier seine Gesinnung nicht geändert hat, zeigt ein Artikel in der vom Klinger-Verlag herausgegebenen Revanchistenzeitschrift „Vertriebenen-Anzeiger“. Unter der Überschrift „Wie lange noch ‚Kriegsverbrecher’-Prozesse?“ forderte er am 1. September 1959 eine Generalamnestie für alle Nazi- und Kriegsverbrecher.

Zu den Verlagsobjekten des Klinger-Verlages gehört auch die mit Bundesmitteln subventionierte Zeitschrift „Wehr und Heimat“. Der faschistische Überfall auf Polen wird in dieser Zeitung, die vor allem für die Jugend herausgegeben wird, wie folgt beschrieben: „Am 1. September 1939: Die Gewehre waren losgegangen, der Feldzug gegen Polen und damit der zweite Weltkrieg hatte begonnen … Es sei hier noch vermerkt, daß von einem deutschen ‚Überfall’ auf Polen nicht gesprochen werden kann… Führung und Truppe der Wehrmacht hatten in diesem Feldzug ihr Bestes geleistet, um ihn zu einem frühen, siegreichen Abschluß zu bringen.“ (Wehr und Heimat, München, Nr. 9/1959)

Die Gefährlichkeit dieser neonazistischen Beeinflussung ist nicht zu übersehen; die Auswirkungen im Denken der westdeutschen Bevölkerung sind heute schon erschreckend. Bereits 1958 warnte der SPD-Abgeordnete, Ulrich Lohmar, in einer Bundestagssitzung:

„Dieser aggressive Nationalismus ist aus sich heraus… allein nicht zu erklären. Damit eng verbunden ist eine abendländische Kreuzzugsideologie…“ (H. Brüdigam, Der Schoß ist fruchtbar noch, Röderberg-Verlag, Frankfurt a. M.)

Der Bonner Staat aber forciert diese Ideologie, weil sie seinen aggressiven Plänen dient.


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