Braunbuch

Verstärkte Renazifizierung unter Kiesinger

Nazi-Ideologen manipulieren die öffentliche Meinung

Beinhauer, Eugen

vor 1945: Amtsleiter und Leiter des Presseamtes der NSDAP-Auslandsorganisation; NSDAP (Nr. 602863); SS-Hauptsturmführer (Nr. 93 673)

nach 1945: Mitglied im Goethe-Institut, München; Verleger

Diehl, Günther

vor 1945: Referent in der Rundfunkpolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes; mitverantwortlich für die Nazi-Geheimsender; Beauftragter von Kult R des Auswärtigen Amtes in der „Einsatzstelle Brüssel“; Rundfunkreferent an der Zweigstelle Vichy der Nazi-Botschaft in Frankreich; Mitarbeiter in der Presseabteilung; danach mitverantwortlich für die Betreuung französischer Faschisten um Doriot

nach 1945: Leiter des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung; Regierungssprecher; Staatssekretär

Edding, Friedrich, Prof. Dr.

vor 1945: Während des zweiten Weltkrieges Regierungsrat beim Wirtschaftsstab Ost/Chefgruppe Wirtschaft im „Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete“, der zentralen Nazi-Einrichtung zur Ausplünderung der okkupierten Gebiete in der Sowjetunion

nach 1945: Mitglied im wissenschaftlichen Beirat beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit; Mitglied des Bildungsrates der westdeutschen Regierung

Fehn, Richard

vor 1945: Hauptgeschäftsführer der Deutschen Akademie, einer Einrichtung des Goebbelsministeriums und des Auswärtigen Amtes, um unter dem Deckmantel der Kultur- und Sprachwerbung subversive Tätigkeit in anderen Ländern durchzuführen; maßgebend an der Faschisierung der Akademie 1933/34 beteiligt

nach 1945: Mitglied im Verwaltungsrat (langjähriger Vorsitzender dieses Rates) des Goethe-Institutes, München

Kausch, Hans-Joachim, Dr.

vor 1945: NS-Journalist; Redakteur der „Allgemeinen Zeitung“, Chemnitz (Karl-Marx-Stadt); Leiter der Berliner Redaktion der „Hamburger Nachrichten“; veröffentlichte u.a. extrem antisowjetische Artikel, in denen er das faschistische Okkupationsregime in den besetzten sowjetischen Gebieten verherrlichte; Teilnehmer der Pressekonferenzen der Hitlerregierung (nur ein vom Goebbelsministerium streng ausgesuchter Kreis von Nazi-Journalisten wurde geladen)

nach 1945: Leiter des Bonner und Westberliner Büros der Springer-Zeitung „Die Welt“

Knost, Friedrich A., Dr.

vor 1945: Seit 1935 im Reichssippenamt; unterzeichnete dort die auf pseudowissenschaftlicher Grundlage erarbeiteten „Abstammungsbescheide“; veröffentlichte 1936 zusammen mit dem „Judenreferenten des Reichsinnenministeriums“, Lösener „Die Nürnberger Gesetze über das Reichsbürgerrecht, den Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre nebst den Durchführungsverordnungen sowie einschlägigen Bestimmungen und den Gebührenvorschriften“

nach 1945: Vorsitzender des Vorstandes der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Braunschweig; Präsident des Niedersächsischen Verwaltungsbezirks Braunschweig; Vorsitzender des (West-)Deutschen Roten Kreuzes - Landesverband Braunschweig e.V.; Ehrensenator der Technischen Hochschule Braunschweig

Krallert, Wilfried, Dr.

vor 1945: Leiter der Südostdeutschen Forschungsgemeinschaft und der Publikationsstelle in Wien - Zentren für den Aufbau einer 5. Kolonne und zur Durchführung von Spionage in Südosteuropa; SS-Hauptsturmführer; Leiter der Gruppe G im Amt VI (Auslandsspionage) des Reichssicherheitshauptamtes

nach 1945: Führender Mitarbeiter des „Hauses des deutschen Ostens“ in Düsseldorf

Lentz, Waldemar, Dr.

vor 1945: NS-Journalist; 1936-1939 Vertreter des „Völkischen Beobachters“ und des „Angriff“ in Polen, Lettland und Rom; 1939-1941 Leiter der Informationsabteilung und zeitweise Leiter der Redaktion der „Radio-Mundial“, einer Tarneinrichtung des Goebbelsministeriums, um die Rundfunktätigkeit anderer Staaten zu beeinflussen; 1942 Gründung der „Holding Merkur Monaco“, ebenfalls einer Tarngesellschaft des Goebbelsministeriums

nach 1945: Mitarbeiter im Bonner Außenbüro des regierungsamtlichen Überseesenders „Deutsche Welle“

Martini, Winfried

vor 1945: NS-Journalist; seit 1940 Leiter des politischen Ressorts in der Informationsabteilung des Auswärtigen Amtes (Zentrale der „Zersetzungspropaganda in den Feindstaaten“ und der Nazi-Propaganda in den neutralen Ländern); seit 1941 als Korrespondent getarnt in Schweden tätig; in der Agentenkartei des Spionageapparates der SS (Amt VI) enthalten

nach 1945: Enger Mitarbeiter und Intimus Axel Springers; Star-Autor in den Blättern des Springer-Konzerns

Meinhold, Helmut, Prof. Dr.

vor 1945: Seit 1940 im „Institut für Deutsche Ostarbeit“ in Krakow, dem geistigen Zentrum der Germanisierungs- und Okkupationspolitik im besetzten Polen (Generalgouvernement); seit 1943 zum Führungskreis des Instituts gehörend (zeitweilig Leiter des Instituts)

nach 1945: Ordentlicher Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Universität Frankfurt; Mitglied im wissenschaftlichen Beirat beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit

Meynen, Emil, Prof. Dr.

vor 1945: Seit 1934 Leiter der Geschäftsstelle der „Volksdeutschen Forschungsgemeinschaft“, Berlin (geistige Zentrale zum Aufbau von 5. Kolonnen in anderen Staaten, unter Anleitung des Reichsinnenministeriums, seit 1943 des Reichssicherheitshauptamtes/VII); für Verdienste bei der Vorbereitung der Annexion Österreichs und der Sudetengebiete „Medaille zur Erinnerung an den 13. März 1938“ und „Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938“ (Anfertigung von vertraulichen Gutachten und Entwurf der neuen Grenzen der Tschechoslowakei); Leiter der Sammlung des Reichsamtsleiters der NSDAP, Leibbrandt (Quellen zur Erforschung des Deutschtums in Osteuropa); während des Krieges „für andere Dienststellen u. K. gestellt“, NSDAP, VDA; „Bund Deutscher Osten“

nach 1945: Direktor des Instituts für Landeskunde der Bundesanstalt für Landeskunde und Raumforschung (direkt dem Bundesinnenministerium unterstellt)

Pfeifer, Karl

vor 1945: NS-Journalist; seit 1933 Mitglied der Redaktion Außenpolitik des Zentralorgans der NSDAP „Völkischer Beobachter“; seit 1938 Redakteur im okkupierten Österreich (Wien)

nach 1945: Redakteur und Dienstleiter der Nachrichtenredaktion des Regierungssenders „Deutschlandfunk“; von 1951 bis 1953 hauptamtlicher Geschäftsführer der neonazistischen Deutschen Partei; von 1953 bis 1962 Abgeordneter dieser Partei in der Bremer Bürgerschaft

Ronneberger, Franz, Prof. Dr.

vor 1945: Nazistischer Südosteuropa-Spezialist; Leiter der Außenstelle Südost der Reichsstudentenführung; Teilnehmer am SS-Führerlager; in der Agentenkartei des Spionagedienstes der SS (Amt VI), enthalten nach 1945: Ordinarius und Institutsdirektor an der Universität Erlangen-Nürnberg; Leiter des Ausschusses „Südostforschung“ im Wissenschaftlichen Beirat der westdeutschen Südosteuropagesellschaft; Mitglied im Fernsehrat des Zweiten westdeutschen Fernsehens (ZDF)

Ruperti, Ernst- Justus, Dr.

vor 1945: Hauptmann, Mitarbeiter im Amt IV Wi (Auslandsspionagedienst) des SS-Reichssicherheitshauptamtes

nach 1945: Vorstandsmitglied des Goethe-Instituts, München

Seeberg, Axel

vor 1945: Dozent an der Hochschule für Politik; Mitarbeiter des unter Leitung des SS-Brigadeführers Six stehenden Deutschen Auslandswissenschaftlichen Instituts (DAWI); zusammen mit K.H. Pfeffer (heute an der Universität Münster); Leiter des Europa-Ausschusses dieses Instituts; neben seiner Tätigkeit am DAWI Mitarbeiter im „England-Komitee“ der Rundfunkpolitischen Abteilung und der Abteilung Information des Auswärtigen Amtes

nach 1945: Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses des Arbeitskreises für Ost-West-Fragen beim Auswärtigen Amt; Chefredakteur des „Sonntagsblatts“.

Seeher, Wolfdietrich

vor 1945: Seit 1938 im Auswärtigen Dienst, seit 1942 Legationsrat im Büro des Kriegsverbrechers Ribbentrop; NSDAP seit 1932

nach 1945: Leiter des Referates „Informationsfunk, Verbindungsstelle zu ausländischen Korrespondenten und Presse-Attachés“ im Bundespresseamt; Oberregierungsrat

Spitzeley, Konstantin

vor 1945: Mitarbeiter der dem Propagandaministerium unterstellten Auslandsabteilung der „Transozean GmbH“ (drahtloser Nachrichtendienst mit dem speziellen Auftrag, nazistisch gefärbte Artikel in die Auslandspresse zu lancieren); dort mit dem Abhören und der Auswertung ausländischer Sender beschäftigt; 1944 Leiter der Gruppe Sendungen bei „Vineta“, einer Rundfunkeinrichtung des Goebbelsministeriums

nach 1945: Leiter des Referats „Rundfunkauswertung Ost“ der Abteilung II des Bundespresseamtes

Starke, Hermann Franz Gerhard, Dr.

vor 1945: Redakteur und Nachrichtenchef der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“; veröffentlichte zahlreiche nazistische, besonders antibritische Artikel sowie eine extrem antisemitische Rezension des antijüdischen Hetzfilms „Jud Süß“; Mitglied des Deutschen Auslandswissenschaftlichen Instituts (de facto eine Einrichtung des Reichssicherheitshauptamtes, VII)

nach 1945: Chefredakteur der Springer-Zeitung „Die Welt“

Studnitz, Hans-Georg von

vor 1945: Auslandskorrespondent in Wien, Rom, Neu-Delhi und Kairo; seit 1940 Leiter des Referats P XVI in der Presseabteilung des Auswärtigen Amtes; Experte für die Nazi-Propaganda gegen Indien und die arabischen Länder; veröffentlichte zahlreiche oft extrem antisemitische Artikel in verschiedenen Nazi-Zeitungen (u. a. „Jude Roosevelt als Stratege“)

nach 1945: Mitglied im Redaktionskollegium der Zeitung „Christ und Welt“; Star-Autor in der Springer-Zeitung „Die Welt“

Twardowski, Fritz von, Dr.

vor 1945: Von 1935-1939 stellvertretender Leiter der Kulturabteilung im Auswärtigen Amt; 1939-1943 Leiter dieser Abteilung; Gesandter; danach bis 1945 Generalkonsul in Istanbul

nach 1945: Stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates des Goethe-Instituts, München; Großes Bundesverdienstkreuz

Voss, Karl-Andreas

vor 1945: Chefredakteur der „Magdeburgischen Zeitung“, die eine extrem nazistische und antisemitische Stellung einnahm; Verlagsdirektor des Faber-Verlages in Magdeburg; unter seiner Leitung wurde der Verlag zu einem prononciert nazistischen Unternehmen

nach 1945: Verleger; Mitinhaber des Verlages Axel Springer u. Sohn; Geschäftsführer der Axel Springer GmbH

Wagenführ, Kurt, Dr.

vor 1945: Führend am Goebbelsrundfunk tätig; Chefredakteur der Zeitschrift „Welt-Rundfunk“; mit Beginn des Krieges „Schriftleiter“ in der Rundfunkabteilung der Rundfunkkommandostelle (Einrichtung des Propaganda-Ministeriums zur psychologischen Kriegführung); Träger des NS-Kulturpreises

nach 1945: Leiter der Presseabteilung beim Regierungssender „Deutschlandfunk“

Welchert, Hans-Heinrich

vor 1945: Ressortchef für Politik bei dem NSDAP-Organ „Der Angriff“

nach 1945: Leiter des Referates „Publikationen“ der Abteilung III im Bundespresseamt

Wesemann, Hans Otto, Dr.

vor 1945: NS-Journalist; seit 1934 Vertrauensmann der Nazi-Botschaft in London; seit 8.8.1934 Agent der Gestapo in England

nach 1945: Intendant des regierungsamtlichen Überseesenders „Deutsche Welle“

Zühlsdorf, Harald, Dr.

vor 1945: Regierungsrat; Referent und Gruppenleiter in der Abteilung Auslandspresse der Presseabteilung der Nazi-Regierung (unterstand dem Goebbelsministerium); dort verantwortlich für die Anleitung der Propaganda vor allem gegen Südamerika und die nordischen Staaten sowie für die Überwachung der Presse in den okkupierten Ländern Dänemark und Norwegen

nach 1945: Generalreferent in der Abteilung IV (Auslandspropaganda) des Bundespressamtes; Ministerialrat


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